Lichtscheu und geheimnisvoll: der Farn

Farn
Farn Foto: Carsten E. Böttcher

Farne sind sozusagen die Dinosaurier unter den Pflanzen.  Es gab sie nämlich schon vor ungefähr 300 Millionen Jahren. Damals waren sie größer, etwa so groß wie Bäume, aber stark verändert haben sie sich nicht. In der Berliner Natur sieht man sie überall, selbst in Mauerritzen finden sie Platz.

Kunstvolle Spiralen des Farns

Besonders eindrucksvoll finde ich die Farnwedel, bevor sie aufgehen. Dann sind sie wie eine Spirale eingerollt und das sieht so kunstvoll aus, dass sie Friedensreich Hundertwasser zur wunderschönen Koru-Flagge inspirierte, die vielleicht einmal die offizielle Flagge Neuseelands wird. Auch in Deutschland hätte der Farn mehr Aufmerksamkeit verdient. Wir kennen ihn eigentlich hauptsächlich als lichtscheues Gewächs, das keine großen Ansprüche an den Boden stellt. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Der Hirschzungenfarn zum Beispiel (der so aussieht, wie er heißt) steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

40 Arten in Deutschland

Die meisten der ungefähr 10.000 Farnarten wachsen in den Tropen, in Deutschland gibt es nur etwa 40 Arten. Was sie so außergewöhnlich macht, ist, dass sie keine Blüten bilden. Um sich zu vermehren, bilden sie Sporen, die man auf der Unterseite der Blätter sehen kann – braune Kügelchen, die an der Pflanze kleben, bis sie reif geworden sind.

Ein bisschen Magie…

Vielleicht liegt es an der ungewöhnlichen Art der Vermehrung, dass Farne früher mit Magie in Verbindung gebracht wurden. Irgendwas, so dachten die Menschen, stimmt nicht mit dieser Pflanze, die nicht blüht und keine Früchte bildet und sich trotzdem fortpflanzt. Sie muss also übernatürliche Kräfte haben. Die Pflanze soll unverwundbar machen, böse Geister fernhalten und dem Glück in der Liebe nachhelfen. In der Johannisnacht (24. Juni) gesammelt, soll die Wirkung der Samen besonders groß sein. Sogar unsichtbar sollen die Samen machen – das schrieb jedenfalls Shakespeare in „Heinrich IV“.

Farn gegen Bandwürmer

Ein bisschen Magie steckt aber tatsächlich im Farn, denn die Naturheilkunde nutzt ihn als Mittel gegen Rheuma und Gicht, und der weit verbreitete Wurmfarn verdankt seinen Namen der Tatsache, dass er eine Substanz enthält, die Darmparasiten lähmt – früher wurde das Gewächs gegen Bandwürmer eingesetzt. Vielleicht ist ja das mit den bösen Geistern gemeint…

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