Der Lilastielige Rötelritterling ist Pilz des Jahres 2016

Lilastieliger Rötelritterling
Lilastieliger Rötelritterling Foto: DGfM/Karl-Heinz Schmitz

Der Name Lilastieliger Rötelritterling ist ein perfekter Zungenbrecher (versuchen Sie mal, ihn dreimal hintereinander schnell auszusprechen). Und es ist ein Name, den man 2016 häufiger hören wird, denn der Lilastielige Rötelritterling ist Pilz des Jahres 2016.

Lilastieliger Rötelritterling: Lebensraum geht verloren

Gekürt wurde er von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie, die nicht einfach irgendeinen Jahrespilz auswählt. Im Fall des Lilastieligen Rötelritterlings ging es darum, dass er zwar noch verbreitet ist, aber wegen der immer stärkeren Grünland-Intensivierung schon viele Lebensräume verloren hat. Es geht also, wie fast bei allen Tieren und Pflanzen des Jahres, darum, Aufmerksamkeit auf bestimmte Biotope und deren Bedeutung und Gefährdung zu lenken.

Violetter Stiel

Der Lilastielige Rötelritterling (Lepista saeva) trägt in seinem „Vornamen“ schon ein wichtiges Erkennungsmerkmal. Der Stiel ist nämlich bei jüngeren Exemplaren deutlich lila bzw. violett gefärbt. Bei älteren Exemplaren verblasst das Lila manchmal ein bisschen. Der Hut ist grau oder ockerfarben, was ihn vom Violetten Rötelritterling unterscheidet (bei dem ist der Hut violett).

Verwandt mit Champignon und Shiitake-Pilz

Es gibt noch mehr Rötelritterlinge – sie bilden eine Gattung, die wiederum zur Ordnung der Champignonartigen gehört. Und wenn wir schon mal dabei sind: Auch Shiitake-Pilz, Parasol und natürlich die Champignons sind Mitglieder dieser Ordnung, außerdem giftige Arten wie der Fliegenpilz und der Knollenblätterpilz.

Aufs Ernten lieber verzichten

Der Lilastielige Rötelritterling ist essbar, er hat einen milden Geschmack. Allerdings empfiehlt die Gesellschaft für Mykologie, ihn stehen zu lassen, denn er ist zwar noch nicht gefährdet, aber doch nicht mehr so häufig.

Lebensraum Wiese und Weide

Zu sehen ist der Pilz, der in Europa endemisch (d.h. er kommt nur hier vor) ist und seinen Verbreitungsschwerpunkt in Deutschland hat, im Oktober und November. Sein Lebensraum sind Wiesen, Weiden, offene Grasflächen und Lichtungen im Wald (sein Verwandter, der Violette Rötelritterling, wächst dagegen nur in Wäldern).

Ein Pilz, der Hexenringe bildet

Was ihn besonders macht, ist seine Eigenart, Hexenringe zu bilden. Das passt ganz zufällig gut zu Halloween, ist aber keine Erfindung, sondern gibt es tatsächlich: Es gibt Pilze, die richtige Kreise bilden. Diese teilweise erstaunlich akkuraten Strukturen bestehen manchmal aus zehn oder mehr Pilzen. Früher glaubte man, dass in solchen Kreisen Hexen oder Feen zusammentrafen.

Wie diese Gebilde entstehen

Hexenringe entstehen, weil das unterirdische Pilzgeflecht, das Myzel von einem Punkt aus nach außen wächst – und am Ende schießen die Fruchtkörper (das, was allgemein als „Pilz“ bezeichnet wird) aus dem Boden. Sie enthalten die Sporen, mit denen sich der Pilz verbreitet.

Intensive Landnutzung bedroht den Pilz

Der Rötelritterling ist durch intensive Landnutzung gefährdet. Wo naturnahe Wiesen zu Äckern werden und Wiesen zu Bauland, verschwindet bald auch der Pilz, und sobald Flächen stark gedüngt werden, hat er ebenfalls keine Chancen mehr. Mit ihm verschwinden dann unzählige Tier- und Pflanzenarten.

Lilastieliger Rötelritterling: Fundorte bitte melden!

Wer einen Lilastieligen Rötelritterling entdeckt, den bittet die Deutsche Gesellschaft für Mykologie, ihn zu fotografieren und das Vorkommen unter martin.schmidt@dgfm-ev.de zu melden. Dann wird dieser Standort in den Verbreitungskarten auf der Seite www.pilze-deutschland.de eingetragen (mit dem Namen des Finders).

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