Geselliger Himmelsstürmer: der Mauersegler

Mauersegler
Mauersegler Foto: NABU/Fotonatur

Wenn man im Sommer die Mauersegler mit viel Gekreisch am Himmel herumtoben sieht, dann könnte man fast glauben, sie feiern eine Party. Es ist beeindruckend, ihnen zuzusehen. Beim Sturzflug schaffen sie locker Tempo 200, und wenn sie nicht gerade brüten, dann sind sie monatelang ohne Pause in der Luft. Man sieht (und hört) sie in der Berliner Natur und sogar mitten in der Stadt. Aber der Nabu schlägt Alarm: Ihre Zahl nimmt ab. Bei der Stunde der Gartenvögel 2018 war ihre Zahl erschreckend niedrig.

Mauersegler sind die Sorgenkinder der Naturschützer

Noch stehen die Ergebnisse der Zählaktion nicht endgültig fest, aber es gibt Zwischenstände. Demnach liegt der Mauersegler bundesweit auf Platz 10 (im Vergleich zu 2017 minus 17 Prozent), in Berlin hinter Spatz, Star und Amsel auf Platz 4 (minus 21 Prozent). Damit gehört der Luftinsektenjäger zu den Sorgenkindern der Naturschützer. Grund ist vermutlich der massive Insektenschwund (was, um es mal wieder zu erwähnen, auch daran liegt, dass Grünflächen in Berlin immer gerade dann gemäht werden, wenn gerade alles blüht).

Die Zugvögel kommen Anfang Mai zu uns

Nach den Mauerseglern kann man eigentlich die Uhr stellen – die Zugvögel kommen immer Anfang Mai. In diesem Jahr waren zu diesem Zeitpunkt allerdings erst sehr wenige Tiere zu sehen und zu hören. Und auch jetzt ist die Zahl immer noch deutlich niedriger als in den vergangenen Jahren. Womit die bisherigen Zählergebnisse leider bestätigt werden.

Ein Leben in der Luft

Auch wenn es schwer ist, Mauersegler genau zu sehen, kann man erkennen, dass sie perfekt an ein Leben in der Luft angepasst sind. Ein bisschen ähneln sie den Schwalben, sie sind aber größer – ihre Flügelspannweite liegt bei ungefähr 40 Zentimetern. Ihre Flügel haben die Form einer Sichel, der kurze Schwanz ist gegabelt. Das ermöglicht ihnen einen schnellen und wendigen Flug. Die Briten haben dem Mauersegler deshalb den sehr passenden Namen  „swift“ („flink“) gegeben.

Tempo 20 im Schlaf

Das „normale“ Tempo der Vögel liegt bei bis zu 50 Stundenkilometern, wenn sie sie auffliegen, schaffen sie das Doppelte, und das Sturzflug-Tempo während der Jagd nach Insekten habe ich ja schon erwähnt. Selbst wenn sie schlafen (das tun sie auch in der Luft in großer Höhe), haben sie immerhin noch mehr als 20 Stundenkilometer drauf. Flugzeugdesigner könnten sich bestimmt einiges von der aerodynamischen Körperform des Mauerseglers abgucken.

Der Ruf des Mauerseglers

Mindestens so eindrucksvoll wie ihr Flug ist der Ruf der Vögel. Er ist so laut, dass er sogar den Straßenverkehr an der Leipziger Straße übertönt – und das ist schon eine ziemliche Leistung, denn an der Straße herrscht Dauerlärm. Den Ruf, der wie ein langgezogenes „Sriiii“ klingt, hört man nur, wenn mehrere Mauersegler unterwegs sind. Er unterscheidet die Vögel auch von den Schwalben, die viel leiser und unauffälliger kommunizieren.

Brutplatz Mauerloch

Am Erdboden sind die Mauersegler (Apus apus) tatsächlich nur, wenn sie brüten. Und dafür brauchen sie hohe Gebäude mit Hohlräumen unterm Dach. Glatte Fassaden nutzen ihnen nichts, an Kirchen, historischen Bauwerken oder Fabrikgebäuden finden sie bessere Nistbedingungen, weil es dort meistens Vorsprünge, schiefe Ziegel oder Hohlräume gibt.

Früher brüteten die Mauersegler an Felsen (das gab ihnen auch den Namen), aber weil es davon nicht allzu viele gibt, haben sie umdisponiert und nutzen Häuser. Die Nähe von Menschen stört sie nicht. Oft brüten sie in Kolonien von mehreren Paaren.

Flucht vor Unwettern

Übrigens flüchten Mauersegler (jedenfalls jene, die nicht brüten) vor schlechtem Wetter. Sie müssen die Kaltfronten irgendwie spüren, denn sie fliegen schon los, wenn das Unwetter noch 500 Kilometer entfernt ist!

Im August reisen die Mauersegler schon wieder in den Süden

Lange bleiben die Vögel aber auch so nicht. Nur ungefähr drei Monate sind sie mit der Brut beschäftigt, dann beginnt der weite Flug in den Süden. Schon Anfang August (wieder kann man beinahe die Uhr nach ihnen stellen) sind die Vögel wieder unterwegs in Richtung Äquator. Dann ist es vorbei mit der ausgelassenen Toberei am Himmel.

Übrigens: Wer dazu beitragen will, dass die Zahl der Mauersegler und anderer Vögel wieder steigt, der kann in seinen Garten oder auf den Balkon Blumen und Kräuter pflanzen, die bei Insekten beliebt sind (Lavendel und Kapuzinerkresse, Thymian und Salbei zum Beispiel – weitere Infos finden Sie hier). 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Copyright © 2012-2018 Silke Böttcher · Wildes Berlin · All Rights Reserved

Facebook