Mit Andreas Kieling durch den Nationalpark Unteres Odertal

Andreas Kieling auf dem Kanu Foto: Silke Böttcher
Andreas Kieling auf dem Kanu Foto: Silke Böttcher

Normalerweise bringt man Andreas Kieling mit exotischen Zielen in Verbindung. Mit Alaska zum Beispiel. Oder Australien. Da taucht der Naturfilmer und Autor mit Grizzlys oder fährt 3000 Kilometer auf dem Yukon. Unzählige Gebiete auf der ganzen Welt hat er gesehen (vor allem die Tiere dort). Aber ausgerechnet die Natur in Brandenburg hat es ihm besonders angetan. Denn sie ist spektakulärer, als man meinen könnte. Auch ohne Grizzlys. Jetzt war er im Nationalpark Unteres Odertal unterwegs.

Andreas Kieling in Deutschlands einzigem Flussauen-Nationalpark

„Ich kenne Brandenburg seit meiner Kindheit“, erzählt er bei einer Fahrt auf Einladung der Tourismus Marketing Brandenburg (TMB) in den Nationalpark Unteres Odertal. Schorfheide und Werbellinsee waren einige seiner Lieblingsziele, Jack Londons Abenteuerromane seine Inspiration. Heute erlebt er seine eigenen Abenteuer. Wobei der Ausflug ins Untere Odertal für Andreas Kieling wohl eher ein Abenteuerchen ist. Eines im Kanu auf einigen der unzähligen Seitenarme der Oder. Mit der Naturführerin Frauke Bennett, die sechs unterschiedliche geführte Touren mit ihren Booten im Nationalpark anbietet, geht es durch die schmalen Wasserläufe, deren Ufer üppig zugewuchert sind. Wer hier die Großstadt nicht vergisst, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Die Landschaft ist atemberaubend.

Rückzugsgebiet für viele Tier- und Pflanzenarten

Allein kommt man nicht in dieses Naturparadies. Nur zertifizierte Führer dürfen Besucher auf dem Wasser durch diese Zone in Deutschlands einzigem Flussauen-Nationalpark begleiten. Denn die Landschaft birgt einen unbezahlbaren Schatz: In dem 10.500 Hektar großen Gebiet westlich und östlich der Oder wohnen so seltene Vogelarten wie Wachtelkönig und Uhu, Schwarzstorch, Seeadler und Seggenrohrsänger. Zu den ungefähr 200 Brutvogelarten kommen 54 Säugetier-, 11 Amphibien-, 6 Reptilien- und 49 Fischarten. Einige davon kann man bei der Kanutour sehen, das mit dem Fotografieren aus dem wackligen Kanu ist aber eine ganz andere Sache.

Begegnung mit Libellen und Fröschen

Libellen fliegen im Zickzack um die Boote, ein Rotmilan zieht majestätische Kreise hoch über den paddelnden Menschen. Ein Frosch tut so, als sei er unsichtbar. Sobald die Kanus kurz halten, nähern sich Wasserläufer, die auf der spiegelglatten Wasseroberfläche Schlittschuh laufen. Spitzschlammschnecken ruhen auf Seerosenblättern. Bloß der Biber lässt sich nicht sehen. Seine Spuren aber kann man erkennen: Weiden zum Beispiel, die er gefällt hat und die neu ausgetrieben haben. Andreas Kieling fährt ein Stück aufs Ufer zu und erklärt, dass der Biber früher bei den Mönchen als Fisch galt (weil er Schuppen hat…) und deshalb freitags häufig auf dem Teller landete. Und dass das Tier an Bäumen nagen muss, weil seine Zähne ständig wachsen und nur so auf Länge gehalten werden können.

Seltene Pflanzen im Nationalpark Unteres Odertal

Bei der Tour geht es aber auch vorbei an seltenen Pflanzen. Frauke Bennett, die das Gebiet wie ihre Westentasche kennt, zeigt den Schwimmfarn, das Pfeilkraut und die wunderschöne Schwanenblume – nur drei der insgesamt 1726 Pflanzenarten, die es im Nationalpark Unteres Odertal gibt. Die auffälligsten sind die Seerosen, die gerade in voller Blüte stehen. Es ist heiß an diesem Sommertag auf dem Wasser, und es dauert ein Weilchen, bis sich alle mit der Paddeltechnik so weit angefreundet haben, dass die meisten Boote halbwegs geradeaus fahren. Wer hinten sitzt, spielt Steuermann, wer vorn ist, gibt die Richtung an, damit das Kanu kein Hindernis oder Nachbarboot rammt. Was leicht passieren kann, denn die traumhafte Umgebung lenkt immer wieder von der Arbeit am Paddel ab.

Picknick mit Andreas Kieling unter einem Baum

Einige Male müssen die Boote über Deiche getragen werden – und irgendwann beherrschen alle das Ein- und Aussteigen ohne Wackeln. Und genau in dem Moment, in dem der Magen zu knurren beginnt, gibt es eine Picknickpause auf bunten Decken im Schatten eines alten Baumes. Die Uckermärker Picknickkörbe, die auf die Boote verteilt wurden, sind bis zum Rand gefüllt mit Brot, Wurst, Käse, Aufstrichen, Obst und einigem mehr aus uckermärkischer (Bio-)Produktion und mit Steingutgeschirr aus Behindertenwerkstätten – alles zusammengestellt von Donata Gräfin Fugger, die ein Netzwerk aus 35 regionalen Produzenten für ihr Picknickkorb-Projekt gegründet hat. Ganz ehrlich: In der Natur genossen schmecken Brot und Käse gleich noch mal so gut.

Touren bis 14. November

Vom 15. Juli bis zum 14. November gibt es Touren in dem Gebiet, danach werden die Polder geflutet und eine drei Kilometer breite Aue im Nationalpark Unteres Odertal unter Wasser gesetzt. Auf Andreas Kieling müssen Teilnehmer der Kanutouren natürlich normalerweise verzichten (wer ihn erleben möchte: Am 7. Oktober, 20 Uhr, ist er mit der Multivisions-Show „Auf der Suche nach den wilden Tieren“ im Berliner Admiralspalast zu Gast, Tickets: www.outdoor-ticket.net – oder er gönnt sich das Hörbuch „Auf Spurensuche“, in dem Kieling von seinen Begegnungen in der wilden Natur in Deutschland erzählt).

Aber langweilig wird es trotzdem nicht. Dafür sorgen schon die atemberaubende Natur im Nationalpark Unteres Odertal und die Erläuterungen der Naturführerin Frauke Bennett. Den Muskelkater am Abend hat man sich jedenfalls wirklich verdient. Infos: Nationalpark Unteres Odertal (www.unteres-odertal.de), Kanutouren (www.flusslandschaft-reisen.de), Uckermärker Picknickkorb (www.picknicken.eu), Naturreisen in Brandenburg (www.reiseland-brandenburg.de), Andreas Kieling (www.andreas-kieling.de).

Vielen Dank an die TMB für diesen spannenden Tag! 

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