Natur und Ruinen auf dem Teufelsberg

Kuppel auf dem Teufelsberg Foto: Silke Böttcher
Kuppel auf dem Teufelsberg Foto: Silke Böttcher

Man kann mit viel Kreativität und noch mehr Geld Flächen renaturieren. Oder man überlässt sie einfach mal sich selbst. Beim Freizeitpark Marienfelde reichten ein paar Jahre, um aus einer alten Mülldeponie ein Paradies zu schaffen, und auf dem Teufelsberg hat sich die Natur auch schon viel zurückgeholt. Unterstützung hatte sie von Kreativen, die einige Wände mit Graffiti verziert haben. Dass auch Leute dort oben waren, deren Ziel es war, kaputt zu machen, was kaputt zu machen war, ist eine andere, weniger schöne Geschichte. Diese hier aber dreht sich um die Natur und die eindrucksvolle Atmosphäre auf Berlins höchstem Berg.

Regelmäßige Führungen auf dem Teufelsberg

Mal eben so auf den Teufelsberg zu wandern ist eine gute Idee, aber irgendwann landet man an einem Zaun. Das Gelände ist abgesperrt, unter anderem, weil die  Ruinen der alten Abhörstation gefährlich sein können. Aber es gibt regelmäßig Führungen. Zum Beispiel mit Detlev Dahlmann.

Der Garteningenieur hat viele Jahre bei Grün Berlin gearbeitet und kümmerte sich dort um die historische Wiederherstellung des Humboldthafens, den Neubau des Mauerparks in Prenzlauer Berg und um die Entwicklung des Naturparks Schöneberger Südgelände. Auf dem Teufelsberg kennt er sich bestens aus, denn er führt regelmäßig Neugierige über das Gelände.

Weinberg in Südhanglage

Stolze 120,1 Meter hoch ist der Berg, in dessen Bauch bekanntlich 26 Millionen Kubikmeter Trümmerschutt stecken. Andernorts würde man wohl Hügel sagen, aber weil die Zahl der Anhöhen in Berlin eher überschaubar ist, gilt alles, was gefühlte zehn Meter überschreitet, als Berg. Wer nicht die Straße auf den Teufelsberg nimmt (eher langweilig), der kommt auf schmalen Wegen nach oben und passiert irgendwann eine teilweise überwucherte Lichtung, die verdächtig nach einem Weinberg aussieht.

Hier wurde wirklich Wein angebaut, in bester Südhanglage. Das war in den siebziger und achtziger Jahren. „Wilmersdorfer Teufelströpfchen“ hieß der Wein, dessen Name Schlimmes ahnen lässt. Irgendwann hörte der Anbau auf, aber heute kümmert sich wieder jemand um den Hang und sorgt dafür, dass er nicht vollkommen überwuchert. Auch neue Weinreben hat er gesetzt – zur Sicherheit hinter die undurchdringliche Brombeerhecke.

Pionierpflanzen auf dem Dach

Nun aber weiter. Der Weg ist steil. Jedenfalls für Berliner Verhältnisse. Vorbei an den Wachleuten, vorbei an den ersten Gebäuden, denen schon lange die Fenster und Türen fehlen und an deren Wänden die unterschiedlichsten Pflanzen hochranken. Pionierpflanzen nennt man das Grün, das Ritzen im Asphalt und sogar auf Dächern besiedelt. Anspruchslose Gewächse  wie die Nachtkerze, der Mauerpfeffer oder der Holunder haben die Grundlage dafür gelegt, dass es oben auf dem Teufelsberg schon wieder ziemlich grün ist.

Viele Pläne

Nachdem die US-Streitkräfte das Gelände  1991 verlassen hatten, dienten die Anlagen noch eine Zeitlang zur zivilen Überwachung des Flugverkehrs, dann wurde das Gelände verkauft. Es gab viele Pläne vom Hotel bis zur Luxuswohnanlage, aber alle sind gescheitert. Und während die Menschen noch damit beschäftigt waren, begann das Grün schon, die Ruinen zu überwuchern. Inzwischen gilt die Fläche offiziell als Waldgebiet, was weitere Bauten ausschließt.

Die Ruinenlandschaft lockt Künstler an – und irgendwie beginnt jeder Besucher beim Anblick des Geländes zu überlegen, was man dort oben so alles machen könnte. Theater, ein Museum oder eine Kneipe – denkbar ist vieles, möglich vermutlich nur wenig. Aber Träumen ist ja erlaubt.

Singen unter der Kuppel auf dem Teufelsberg

Bei den Führungen darf man einige der Gebäude betreten. Häuser, denen eine Wand fehlt, Reste früherer Träume einschließlich einer Musterwohnung – die Atmosphäre ist bizarr und so faszinierend wie der Weitblick über Berlin. Es gibt riesige Räume, in denen Graffiti-Künstler ganze Wände gestaltet haben. Und es gibt den Aufstieg zu den weißen Kuppeln. Auch an ihnen haben der Zahn der Zeit und die Vandalen ordentlich genagt, aber wer oben ist, sollte unbedingt in eine der Kuppeln hineingehen (siehe Foto oben).

Viel von der weißen Folie ist nämlich noch da, was dem Kuppelraum eine grandiose Akustik verleiht. Ein Teilnehmer meiner Führung fing sofort an, Gedichte zu zitieren, ein anderer sang vor sich hin.  Kuppeln wie diese tun so etwas mit Menschen.

Teufelsberg: Die Natur erobert sich das Gelände zurück

Sogar oben auf dem Dach wuchert es schon. Einer Birke reichte ein schmaler Streifen Erdreich, um zu wachsen, Gras sprießt, wo es kann.  Und die Besucher genießen noch eine Weile das Gefühl, dass ihnen ganz Berlin zu Füßen liegt.

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