Naturparadies Berlin

Natur im Großen Tiergarten Foto: Carsten Böttcher
Natur im Großen Tiergarten Foto: Carsten Böttcher

Berlin ist arm? Von wegen. Auch wenn es vielleicht nicht viel Geld hat – reich ist es schon: an Natur. Berlin gilt als eine der artenreichsten Großstädte Europas. Ein paar Zahlen gefällig? Die 3,4 Millionen Menschen teilen sich die Stadt mit bis zu 30.000 Tierarten. 178 der in Deutschland brütenden Vogelarten gibt es in Berlin, und man findet hier zudem 2180 der 3300 im Land vorkommenden Gefäßpflanzen-Sippen.

Natur Berlin: Seltene Tiere und Pflanzen in der Großstadt

Und das gilt nicht nur für den Rand der großen Stadt. Über  einzelne Schutzgebiete und über Wildtiere mitten in Berlin habe ich ja schon geschrieben, und auf Brachen wachsen zahllose Pflanzen, von denen einige zu den seltenen und sogar geschützten Arten gehören. Der Eisvogel, der in den 1970er Jahren aus Berlin verschwunden war, ist wieder aufgetaucht, und ein Kollege von mir hat neulich einen Nashornkäfer entdeckt – auch er ist in Berlin sehr selten. Der Wanderfalke ist in der Stadt ebenso zuhause wie der Seeadler, der Fischotter und der Biber.

Bekassinen in den Gosener Wiesen

Man kann in den Gosener Wiesen zum Beispiel Bekassinen und Trauerseeschwalben sehen (das Gebiet ist eine der wenigen Brutkolonien des Vogels in ganz Deutschand) und selbst der scheue Habicht bewohnt viele Gebiete in der Stadt. Etwa 80 Brutpaare sollen es sein, bei der nicht vollkommen repräsentativen Stunde der Gartenvögel 2013 wurden 12 der Vögel gezählt. Der Wanderfalke, der früher sehr verfolgt wurde, sorgt dafür, dass die Zahl der Straßentauben nicht überhandnimmt.

Fledermaus und Feuerlibelle

Zur Artenvielfalt in der Stadt tragen 17 Fledermausarten bei – viele von ihnen leben in der Zitadelle Spandau, im Fort Hahneberg und, an den Wasserwerken Friedrichshagen und Tegel . Der Kammmolch und die Zauneidechse  haben zum Beispiel im Freizeitpark Marienfelde einen Rückzugsort gefunden und am Nordostrand der Stadt sind einige Exemplare der vom Aussterben bedrohten Rotbauchunke gesehen worden.  Die Klimaerwärmung hat die Feuerlibelle und die Zebra- oder Wespenspinne in die Stadt gebracht.

Artenreichtum in Gefahr

Allerdings ist der Reichtum an Natur in Berlin gefährdet, und das aus vielen Gründen. Wo das Grundwasser absinkt, trocknen Moore und Feuchtwiesen aus,  wo Gewässer ausgebaut  oder Ufer beschädigt werden, verschwinden Pflanzen. Wälder, aus denen Totholz entfernt wird, verlieren viele Käferarten, invasive Pflanzen wie das Indische Springkraut oder der Seltsame Lauch verdrängen heimische Arten. Wo Brachflächen neu bebaut oder versiegelt werden, verschwinden Pflanzen und in der Folge auch Insekten und  Vögel.  Zu viele Nährstoffe in Seen gefährden das Gleichgewicht ebenso wie die Sanierung alter Gebäude.

Das Problem mit dem Müll

Hinzu kommt der Müll: Wenn man nach einem warmen Sommerwochenende durch den Tiergarten wandert, findet man vermutlich mehr Abfall als Blumen. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass im Schnitt 19 Lkw-Ladungen Müll zusammenkommen! Eine unglaubliche Menge! Im Mauerpark und anderswo sieht es im Sommer meist nicht besser aus. Dabei ist es wirklich keine große Sache, seinen Müll mitzunehmen und in den nächsten (noch nicht überfüllten) Mülleimer zu werfen.

Führung im Natur-Park Südgelände

Wer mehr über die Artenvielfalt erfahren möchte, der sollte sich eine ganz besondere Führung vormerken: Am 7. Juli führt Detlev Dahlmann durch den Natur-Park Schöneberger Südgelände und zeigt bahnbrechende Natur Berlins auf dem einstigen Rangierbahnhof. Das urwüchsige Gelände, das ich demnächst etwas genauer vorstellen möchte, ist heute ein Rückzugsort vieler unterschiedlicher Arten – ein Besuch lohnt sich sehr!

Termin: 7. Juli, 14.30-16 Uhr, Naturpark Südgelände, Prellerweg. Kosten (zzgl. Park-Eintritt 1 Euro): 7,50 Euro, erm. 6, Kinder unter 12 J. kostenlos. Anmeldung unter (030) 45023189 oder gartengestaltung@detlevdahlmann.de erforderlich

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