Nest-Bau bei Berlins Vogelpaaren

Vogelnest
Vogelnest Foto: Carsten E. Böttcher

In Berlins Natur herrscht gerade Hochbetrieb: Überall ist Nest-Bau angesagt. Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich die Kinderstuben für den Vogelnachwuchs sind. Und mit welcher Kunstfertigkeit sie gebaut und eingerichtet werden, obwohl Vögel ja nur Krallen und Schnabel einsetzen können. Diese Unterkünfte können viel über die Bauherren erzählen.

Nest: Moos, Blätter und Gras als Polstermaterial

Stunden-, oft tagelang fliegen die Vögel zum ausgewählten Standort und tragen Ästchen, Gras, Moos, Blätter und vieles mehr zur Baustelle. Sie formen, verbinden und polstern, bis sie mit ihrem Werk zufrieden sind. Viele Vogelarten nehmen aber gern auch vorhandene Nester und bauen sie um.

Auf Dächern und an Wänden

Die bekanntesten Nester sind die Horste von Störchen (sie werden gerade in Linum und überall in Brandenburg mit großer Sorgfalt erneuert) hoch oben auf Hausdächern und die an die Wand „geklebten“ Nester der Schwalben. Aber es gibt noch viel mehr. Spatzen zum Beispiel nutzen gern Hohlräume an Gebäuden und bauen dort kugelförmige Nester. Wenn sie genug Platz haben, können die Unterkünfte ziemlich groß werden, und bei der Wahl des Nistmaterials sind sie nicht wählerisch, sondern nehmen, was sie in der Nähe finden. Das Nest auf dem Foto könnte das Werk eines Buchfinks sein – es ist napfförmig, fest, unter anderem mit Moos gefertigt und mit Haaren gepolstert.

Nester mit Lehm – oder in der Leuchtreklame

Amseln suchen sich gern immergrüne Bäume oder Büsche und bauen in etwa zwei Metern Höhe Nester in Schalenform, die aus Zweigen, Laub und Moos bestehen und mit Lehm oder feuchter Erde befestigt werden. Sie wissen sogar, dass sie eine Weile warten müssen, bis das feuchte Material  getrocknet ist. Allerdings sind sie manchmal auch sehr originell, wenn Grün fehlt: Manche Amsel hat schon in Leuchtreklame-Buchstaben oder in Automotoren gebrütet.

Hausrotschwänze suchen sich Nischen, aber oft brüten sie auch an Orten, die scheinbar sehr tierfeindlich sind – etwa dort, wo es sehr laut ist. Die Nester haben tiefe Mulden und einen sehr soliden Unterbau.

Die Schwanzmeise ist ein Baukünstler

Stare bauen weniger strukturiert, ihre Nester sind locker gebaut. Die Vögel nehmen aber auch gern Baumhöhlen und Nistkästen an. Kohlmeisen beziehen gern Baumhöhlen und Spalten in Bäumen, die gerne auch mal 15 Meter hoch sind, sie bauen aber auch selbst – ihre Nester sind napfförmig und oft mit Tierhaaren ausgepolstert. Schwanzmeisen sind richtige Baukünstler, die eiförmige (also bis auf ein Einflugloch geschlossene) und sehr dickwandige Nester bauen, die Regen und Kälte problemlos abhalten. Selbst Spinnweben werden mit verbaut. Kein Wunder, dass sie für diese Meisterwerke schon mal einen Monat brauchen.

Spechthöhlen und Eisvogel-Röhren

Spechte haben eine andere Methode gefunden – sie hämmern sich Wohnhöhlen in Baumstämme. Eisvögel bauen an Steilwänden von Gewässern Röhren ins Erdreich. Lerchen drücken Mulden in den Boden. Um die Brut zu schützen, haben die Eier Tarnfarben. Auch der Kiebitz ist ein Bodenbrüter. Teichhühner bauen Nester im Wasser – die Gebilde werden auf Wasserpflanzen oder Äste gesetzt und wie ein Korb „geflochten“.

Nest ohne eigene Arbeit – auch das gibt es

Allerdings machen sich nicht alle Vogelarten so viel Mühe. Turmfalken zum Beispiel ziehen gern in alte Krähennester, Brandgänse in Kaninchengänge. Und einer macht sich gar keine Arbeit: Der Kuckuck. Er legt seine Eier in fremde, schon bezogene Nester und lässt seinen Nachwuchs von anderen Vögeln aufziehen.

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