Niedlicher Nager mit Seltenheitswert: der Feldhamster

Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihnen dieses Tier begegnet, ist in der wilden Natur in Berlin und Brandenburg leider sehr, sehr gering. Der Feldhamster ist beinahe ausgestorben. Dabei war der niedliche kleine Nager mit den dicken Backen noch vor 30 Jahren zumindest im Osten Deutschlands so häufig, dass man Prämien ausgesetzt hat, um seine Zahl einzudämmen.

Der Feldhamster: ein Leben unter Tage

Heute sieht das ganz anders aus. Der Feldhamster braucht tiefgründige Löss- und Lehmböden, in denen er seinen Bau anlegt. Bis zu einen Meter tief wühlt er sich ins Erdreich und richtet sich dort Vorratskammern und Wohnräume ein, in denen er den Winter verbringt. Die Eingänge des Baues sind gut zu sehen, denn der Feldhamster legt Fallröhren an, die senkrecht in die Tiefe gehen. Andere, flachere Eingänge baut er allerdings auch rund um seinen Bau herum.

Ein Nager mit buntem Fell

Erkennen kann man den etwa 25 Zentimeter langen Feldhamster an seinem bunten Fell: Die Oberseite ist gelblich-braun, die Unterseite beinahe schwarz. An der Seite und an den Backen hat er helle Flecken und auch die Pfoten sind weiß. Ich habe gelesen, dass sich Natur bei der Farbe einiges gedacht hat: Wenn der Feldhamster in Gefahr ist und nicht mehr in die Fallröhre seines Baues flüchten kann, dann stellt er sich auf die Hinterbeine und zeigt seinen dunklen Bauch – und gaukelt dem Angreifer so ein großes dunkles Maul vor, die weißen Pfoten erinnern an die Reißzähne. Zusätzlich bläst er seine Backen auf und knurrt den Gegner an.

Seit 1980 ist der Feldhamster streng geschützt

Das schöne Fell ist dem Nager allerdings früher zum Verhängnis geworden, denn es war sehr begehrt. Unter anderem fütterte man damit Jacken. Glücklicherweise steht der Feldhamster seit 1980 unter strengem Schutz. Aber er ist nach wie vor vom Aussterben bedroht. In Brandenburg gibt es nur noch sehr wenige Orte, an denen er lebt, etwa im Havelländischen Luch und in der Prignitz.

Am ehesten kann man den Nager im Frühling sehen, wenn er seinen Winterbau verlässt und das Gras noch nicht so hoch steht. Der Feldhamster ist vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv und ein echter Einzelgänger.

Vorräte sammeln für die Winterruhe

Im Augenblick ist er dabei, das zu tun, was man mit seinem Namen verbindet: Er hamstert. Er füllt seine Vorratskammer mit Rüben, Mais, Körnern, Karotten, Wildkräutern und Hülsenfrüchten. Und er muss ordentlich sammeln, denn für den langen Winter braucht er ungefähr zwei Kilogramm Vorrat!

Ein halbes Jahr verbringt der Feldhamster in seiner Winterwohnung, die er im frühen Herbst bezieht und erst im März wieder verlässt. Allerdings hält er keinen Winterschlaf, sondern wacht regelmäßig auf, um zu fressen. Nur wenn er genug gesammelt hat, kann er den Winter überleben.

Die Paarungszeit beginnt im April

Etwa Mitte April beginnt die Paarungszeit, und nach 20 Tagen Tragzeit werden die vier bis zehn Jungtiere geboren – Winzlinge ohne Fell und mit geschlossenen Augen. Es dauert aber nur etwa 20 Tage, bis der Nachwuchs den Bau zum ersten Mal verlässt, und kurz danach sind sie selbständig. Allerdings überleben viele die ersten Monate nicht.

Hilfe für den Feldhamster

Um dem Feldhamster (er gehört übrigens zu den dämmerungs- und nachtaktiven Tieren) zu helfen, gibt es Projekte zur Auswilderung. Die Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz unterstützt außerdem die hamstergerechte Landwirtschaft, zu der breite Erntestreifen auf den Feldern gehören (Bereiche, die erst später im Jahr abgeerntet und umgepflügt werden) und der Anbau von Klee und Luzernen, die der Hamster für seinen Vorrat braucht. Ideal ist auch eine Erntemethode, bei der das Feld nicht bis aufs letzte Korn abgeerntet wird, sondern immer noch etwas stehenbleibt.

Weitere Infos über Feldhamster gibt es bei der Arbeitsgemeinschaft Feldhamster (www.feldhamster.de).

Nachtrag 26. November 2015: Der Feldhamster wurde gerade zum Wildtier des Jahres 2016 gekürt.

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