Nilgans: Geflügelte Einwanderin aus Afrika

 

Die Nilgans ist die 186. Brutvogelart in Berlin. Eine Einwanderin, die ursprünglich aus Afrika kommt, im 18. Jahrhundert nach Europa gebracht wurde und sich hier so wohlfühlt, dass sie sich gut vermehrt. Ein reiner Grund zur Freude ist das allerdings nicht.

Nilgans: Ein Brutplatz in Lichtenbergs Rieselfeldern

Am 22. September entstand ein Foto des Neuankömmlings im Naturschutzgebiet Rieselfelder im Norden Lichtenbergs. Fünf Nilgänse, darunter vier Jungtiere, wurden entdeckt. Der Nachwuchs trug noch Reste des Dunengefieders, er ist also noch nicht flugfähig und muss demnach im Naturschutzgebiet aufgewachsen sein. Es ist der erste Beweis für ein Vorkommen der Nilgans in Berlin.

8000 Brutpaare in Deutschland

In den anderen Bundesländern hat der Vogel schon länger Brutplätze. Insgesamt, so der Nabu Berlin, gibt es in Deutschland etwa 8000 Brutpaare – und damit ist die Nilgans einer der erfolgreichsten Neozoen überhaupt. Zur Erklärung: „Neozoen“ (= Neu-Tiere) nennen Wissenschaftler Tierarten, die durch den Menschen in andere Gebiete gebracht wurden – manche mit, andere ohne Absicht. Welche Folgen diese Einwanderer haben können (es gibt auch pflanzliche, der Überbegriff für die eingewanderten Tier- und Pflanzenarten lautet „Neobiota“), war schon Thema dieses Blogs.

Manche Neuzugänge verdrängen einheimische Arten

Einige Arten vermehren sich ungebremst, weil sie in ihrer neuen Heimat keine natürlichen Feinde haben und verdrängen heimische Arten. Bekannte Einwanderer sind das Indische Springkraut, die Miniermotte, der Waschbär und die Kanadische Goldrute. Natürlich gibt es auch Arten, die allein, zum Beispiel durch den Klimawandel, in andere Gebiete umsiedeln.

Geflüchtet aus der Gefangenschaft

Aber zurück zur Nilgans. Sie besiedelt die unterschiedlichsten Gewässertypen, vom sehr großen See über die Feuchtwiese und die Flussaue bis zum Parkteich. Die Nähe von Menschen macht ihr nichts aus. Sie ist einer der häufigsten Wasservögel Afrikas und wurde im 17. und 18. Jahrhundert wegen ihres bunten Gefieders nach Europa gebracht, um hier Parks zu schmücken und in Zoos gezeigt zu werden. Dass sie in antiken Zeiten als heilige Vögel galten, hat die Begeisterung für sie sicher noch vergrößert.

Das kühle europäische Klima jedenfalls bekam den Tieren aus dem Süden offenbar gut, und irgendwann gelang einigen Gänsen die Flucht in die Freiheit. Sie suchten sich Brutplätze und zogen Nachwuchs auf. 1986 wurden die ersten Nilgänse in Deutschland entdeckt.

Buntes Gefieder und Augenringe

Der Vogel hat ein hellbraunes, leicht rötliches Gefieder mit einem dunklen Bauchfleck. Die Flügel sind von einem dunkleren Rotbraun, zu den Flügelspitzen hin werden sie schwarz, an der Oberseite haben die Flügel rostrote, weiße und grüne Flecke. Um den Hals trägt die Nilgans einen roten Streifen, der Kopf ist heller, abgesehen von einem braunen Fleck auf dem Hinterkopf und einem braunen Augenring. Die Beine sind auffällig lang.

Männchen zischen, Weibchen trompeten

Der Ruf der Nilgans ist interessant. Männchen zischen vor allem und rufen nur beim Auffliegen ein lautes „Wedwedwed“. Weibchen dagegen haben einen sehr durchdringenden, trompetenden Ruf, der ein bisschen wie „Honkhonkhonk“ klingt.

Brutplatz im Röhricht und auf Bäumen

Sein Nest baut der Vogel im Röhricht, aber auch in Baumhöhlen und manchmal sogar in den hoch in Bäumen gelegenen Horsten von Greifvögeln. Er ist also nicht nur beim Lebensraum, sondern auch beim Brutplatz sehr flexibel, was ihm Vorteile gegenüber anderen Tieren verschafft. Das Nest wird mit weichen Federn gepolstert. Der Nachwuchs, der nach 30 Tagen aus dem Ei schlüpft, ist mit zehn Wochen ausgewachsen.

Sehr aggressiv gegenüber anderen Wasservögeln

Besonders während der Brutzeit sind die Elterntiere extrem aggressiv gegenüber anderen Wasservögeln wie zum Beispiel Stockenten. Egal, wie groß das Futterangebot für die Pflanzenfresser ist: Nilgänse dulden keinerlei Konkurrenz und verdrängen auf diese Weise andere Arten. Wenn sie irgendwo brüten, vertreiben sie andere Entenvögel aus ihrem Revier – und das ist der Grund, weshalb man ihr Auftauchen  auch mit Sorge betrachtet.

Die Nilgans und ihre Bestände in Berlin

Nach Information des Nabu ist nicht abzusehen, wie sich der Bestand in Berlin entwickelt. Besonders in Jahren, in denen im Naturschutzgebiet Rieselfelder viele Wasserflächen vorhanden sind und entsprechend viele Wasservögel brüten, könnten wenige aggressive Nilgänse starke Beeinträchtigungen verursachen und den Bestand der anderen Arten gefährden. Man müsse sich deshalb, so der Nabu, mit der Nilgans und ihrer Zukunft in Berlin beschäftigen.

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