Paarungszeit beim Rotfuchs

Kleine Rotfüchse wie der auf dem Foto spazieren zwar im Moment noch nicht durch Berlin. Aber sehr lange dauert es nicht mehr – und das liegt nicht am milden Wetter. Denn die Paarungszeit des Rotfuchses ist tatsächlich im Winter. Und sie ist eine Wissenschaft für sich. Die Füchsin (Fähe genannt) ist nämlich nur zwei oder drei Tage im Februar oder März empfängnisbereit, und genau diesen Zeitpunkt muss der Rüde erwischen und sie außerdem von seinem Vorhaben überzeugen.

Der Rotfuchs-Nachwuchs kommt in Erdhöhlen zur Welt

„Ranzzeit“ nennt man die Paarungszeit des Rotfuchses, und die erkennen auch Laien am heiseren Bellen in Parks, Wäldern und Gärten – vor allem nachts sind die Tiere zu hören. Einer war vor einigen Tagen in den Gärten rund um unsere Wohnung unterwegs und bellte die Nachbarn wach.

Wenige Wochen später herrscht wieder Ruhe, denn der Nachwuchs kommt, vom Menschen unbemerkt, in einer Erdhöhle zur Welt – vier bis sechs graubraune Winzlinge, deren Augen sich erst nach zwei Wochen öffnen. Nach ungefähr vier Wochen wagen sich die Jungen zum ersten Mal nach draußen, meist haben sie dann schon ihr rotbraunes Fell, das dem Rotfuchs seinen Namen gab.

Bitte nicht streicheln

In Berlin fühlt sich der Rotfuchs so wohl, dass er schon als Berliner Stadtfuchs bezeichnet wird. Und ein Städter ist er wirklich. Er wandert schon mal am Kurfürstendamm entlang und ernährt sich hauptsächlich von Nahrungsabfällen und Tierfutter (in der wilden Natur wären es eher Mäuse, Kaninchen, Frösche, Enten und sogar junge oder geschwächte Rehe). Aber er traut sich gelegentlich auch in schlecht gesicherte Tierställe und beweist dann, dass das Kinderlied „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ nicht völlig von der Hand zu weisen ist.  Allzu großen Respekt vor dem Menschen hat er nicht, auch wenn er meistens einen gewissen Sicherheitsabstand einhält. Sollte er doch mal näher kommen: Bitte nicht streicheln, denn der Rotfuchs ist, so zahm er auch wirken mag, immer noch ein Raubtier, das sich nicht zu sehr an eine große Nähe zum Menschen gewöhnen sollte.

Keine Angst vor der Tollwut

Übrigens: Obwohl der Rotfuchs als Hauptüberträger der Tollwut gilt, gab es in den letzten Jahren kaum Fälle der Krankheit. Wem ein Fuchs begegnet, der allzu zutraulich wirkt, der sollte vorsichtig sein – und wer (was äußerst selten vorkommt) gebissen wurde, sollte sicherheitshalber zum Arzt gehen. Auch der Fuchsbandwurm, über den eine Zeitlang viel geredet wurde, ist nicht sehr verbreitet, die Infizierungsgefahr also gering. Wer Gemüse und Fallobst vor dem Verzehr gut wäscht und sein Haustier regelmäßig entwurmen lässt, kann das Risiko weiter verringern.

Der Rotfuchs ist klug und wachsam

Dass der Rotfuchs ein sehr intelligentes Tier ist, weiß man ja schon aus dem Märchen (und er beherrscht den „Ich war’s nicht“-Blick perfekt, wie man auf dem Foto sehen kann). Er hat ein extrem schnelles Reaktionsvermögen, kann ausgezeichnet sehen, hören und riechen, und lernt schnell. Das sorgt dafür, dass Reineke Fuchs ein echter Überlebenskünstler ist. Auch wenn er im Winter manchmal unfreiwillig Diät halten muss, weil es doch weniger zu fressen gibt. Notfalls nimmt er auch vergessenes Obst oder Aas. Und wenn Schnee liegt, dann kann er sich immer noch auf seine feine Nase verlassen, die ihn direkt zur Maus unter der Schneedecke führt. Nach einem mächtigen Sprung stürzt er sich dann kopfüber in den Schnee, um die Beute zu ergreifen. Oft genug mit Erfolg.

Auch das mit der Suche nach einer Partnerin wird ihm ganz sicher gelingen. Noch streift er bellend durch die nächtlichen Straßen – aber bald wird es wieder still, wenn die Paarungszeit beim Rotfuchs vorbei ist und der Nachwuchs kommt.

 

Unter folgendem Link finden Sie Informationen des Nabu zum Rotfuchs in Berlin.

 

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