Das Geheimnis des Pappel-Schnees

Schwarz-Pappel
Schwarz-Pappel

Wenn Sie sich gerade über wollige, weiße Haare im Park wundern, die so dicht liegen, dass es beinahe wie Schnee aussieht, dann steht vermutlich eine Pappel in der Nähe. Der Flaum besteht aus Samenfasern, die die Früchte umhüllen. Grund genug, die Baumgattung mal vorzustellen. Pappeln gehören zur Familie der Weidengewächse. In Mitteleuropa kommen drei Arten vor: Schwarz-, Silber- und Zitter-Pappel – Letztere ist auch als Espe bekannt. Und es gibt Züchtungen, von denen die Pyramidenpappel die verbreitetste ist.

Die Schwarz-Pappel ist sehr selten

Die Schwarz-Pappel (Populus nigra) wird bis zu 30 Meter hoch mit ausladenden Ästen, sie steht gern in der Nähe von Ufern. Heute ist sie sehr selten. Sie hat meist einen knorrigen Wuchs mit unregelmäßiger Krone und eine grobe Borke, sie kann bis zu 300 Jahre alt werden. Die Blätter sind dreieckig-eiförmig. Blütezeit ist im März und April, anschließend bilden sich die Samen in den watteartig behaarten Fruchtkapseln.

Auffällig: die Pyramidenpappel

Pappel-Allee
Pappel-Allee

Weitaus häufiger sieht man die Pyramidenpappel (Populus nigra italica), die aus der Schwarz-Pappel kultiviert wurde und an ihrem säulenförmigen Wuchs gut zu erkennen ist. Sie wird meist um 25 Meter hoch und hat flache Wurzeln, die dafür sorgen, dass manchmal der Boden und auch der Straßenbelag angehoben wird. Bei älteren Exemplaren brechen leicht Äste ab, weshalb sie als Parkbäume eigentlich nicht wirklich geeignet sind.

Trotzdem wird die Pyramidenpappel gern angepflanzt, weil sie schnell wächst. Oft sieht man sie am Rand von Äckern, wo sie als Windschutz angepflanzt wird. Dort ist sie sehr einfach zu erkennen.

Die Silber-Pappel ist ein beliebter Parkbaum

Die Silber-Pappel (Populus alba) kommt ebenfalls auf etwa 30 Meter Höhe, ihre Krone ist breit und oft mehrteilig. Die Blätter sind drei- bis fünflappig und auf der Unterseite weißfilzig, die Borke ist silbrig-glatt und entwickelt später Korkwarzen und Furchen. Wenn Espen in der Nähe stehen, können Hybriden entstehen (Grau-Pappel). Die Silber-Pappel ist wegen ihrer Anspruchslosigkeit ein beliebter Park-Baum. Ihr bevorzugter Lebensraum ist die Nähe von Flüssen, sie wächst auch in lichten Auwäldern.

Warum die Zitter-Pappel auch Espe heißt

Die Espe bzw. Zitter-Pappel schließlich (Populus tremola) erreicht 20 bis maximal 35 Meter Höhe, und sie wächst schnell. Trotzudem kann sie bis zu 100 Jahre alt werden. Ihr Stamm ist aufrecht, der Wuchs breitkronig und die Rinde entwickelt sich von hell und glatt zum rissigen Schwarz. Die Blätter sind nahezu kreisrund und leicht gekerbt, und weil sie einen vergleichsweise langen Stiel haben, bewegen sich die Blätter schon bei sehr leichtem Wind. Daher kommt auch der Begriff, dass jemand zittert wie Espenlaub.

Futterpflanze für viele Schmetterlinge

Der Baum ist eine wichtige Futterpflanze für viele teilweise seltene Schmetterlingsarten, darunter das Blaue und Rote Ordensband, der Große Eisvogel und der Große Fuchs, einige Schmetterlinge tragen ihn sogar im Namen (etwa der Pappelschwärmer oder der Pappelspanner). In Mitteleuropa ist die Espe die häufigste Pappelart, sie wächst gern in Nachbarschaft mit Eichen und Salweiden. Bevorzugter Lebensraum sind Brachflächen, Wegränder und Hecken – die Espe ist ein Pionierbaum, der nach Kahlschlägen zu den ersten Neubewohnern eines Gebietes gehört. Die Rinde, Blätter und Triebspitzen der Zitter-Pappel werden in der Heilkunde genutzt, weil sie Verbindungen von Salicylsäure enthalten – sie wirken entzündungshemmend und schmerzstillend.

So kann Pappel-Schnee genutzt werden

Und noch einmal zurück zum Pappel-Schnee: Der ist so weich und hat so feine Fasern, dass er als Kissenfüllung verwendet werden kann.  Die Fasern haben große Hohlräume, was für eine gute Wärme-Isolierung und für Atmungsaktivität sorgt. Dazu ist das Material sehr leicht und außerdem hypoallergen. Allerdings ist die Ernte mühsam, denn man muss dafür in den Baum klettern. Pro Baum kommt man auf etwa anderthalb Kilo Wolle, womit man drei Bettdecken füllen kann.

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