Peter Wohlleben und das geheime Netzwerk der Natur

Peter Wohlleben
Peter Wohlleben

Wenn Peter Wohlleben von der Natur erzählt, hängen ihm die Menschen an den Lippen. Er zeigt, dass ein Waldspaziergang ein echtes Abenteuer sein kann, vor allem aber, dass die Natur viel komplexer ist, als man bisher dachte. Und einige Erkenntnisse sind so erstaunlich, dass man es kaum glauben kann.

Peter Wohllebens spannende Erkenntnisse

Peter Wohlleben nennt in seinem aktuellen Buch „Das geheime Netzwerk der Natur“ viele Beispiele. Etwa dieses: Als im Yellowstone Nationalpark (USA) die Wölfe ausgerottet wurden, sorgte das dafür, dass die Flüsse ihren Lauf veränderten. Denn mit dem Verschwinden des Räubers vermehrten sich die Hirsche, und die haben eine Vorliebe für saftiges Grün.

Das wächst besonders an Flussufern – und war nach einiger Zeit aufgefressen. Die Folge: Ohne Halt durch die Pflanzen verstärkte sich die Erosion, und damit veränderte sich der Flusslauf.

Die Kraniche und der spanische Schinken

Veränderungen ganz anderer Art gibt es in der spanischen Extremadura. Jedes Jahr im Herbst ziehen Kraniche in dieses Gebiet an der Grenze zu Portugal, in dem es viele Eichen gibt. Deren Früchte teilt sich der Vogel des Glücks mit den dort lebenden Schweinen – den Lieferanten für spanischen Schinken.

Weil die Zahl der Kraniche in den letzten Jahren gestiegen ist, bleiben für die Schweine weniger Eicheln übrig – was wiederum dafür sorgt, dass es weniger Schinken gibt…

Buchen, die ihren Nachwuchs „stillen“

Und es geht noch weiter. Kaum bekannt ist, dass Buchen ihren Nachwuchs „stillen“, weil die Krone der großen Bäume kaum Licht an die kleinen Bäumchen heranlässt und sie ohne die mütterliche Zuwendung in Form von Nährlösungen keine Überlebenschancen hätten.

Salicylsäure gegen Rehe

Oder dass Bäume, die ja keine Dornen oder andere Abwehrmaßnahmen gegen Fraßfeinde haben, einen raffinierten Trick gefunden haben, sich gegen Rehe zu wehren: Nach einem „Angriff“ produzieren sie Salicylsäure, die die Blätter bitter schmecken lässt. Und sie informieren sogar ihre Nachbarbäume, die das dann vorbeugend ebenfalls tun!

Warnfarben bei den Insekten

Und auch Insekten haben Tricks, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Etwa indem sie sich von Pflanzen ernähren, die für andere Tiere giftig sind, und dadurch für die Jäger ungenießbar werden (sicherheitshalber legen sich viele aber auch noch eine Warnfarbe, etwa in Schwarz-Gelb, zu, damit die Angreifer auch merken, dass ihre potenzielle Beute giftig ist).

Ein Haar-Wald gegen Fledermäuse

Oder indem sie sich lange Haare zulegen. Nachtschmetterlinge wie der Braune Bär tragen ein dichtes „Fell“ nämlich, um Fledermäuse zu verwirren. Die Jäger nutzen Ultraschall, um ihre Beute auszumachen, und die Schallwellen werden nicht nur von Bäumen, sondern auch von den feinen Härchen abgelenkt. Zusätzlich stoßen die Schmetterlinge Störrufe aus.

Experiment mit Wildgans-Küken

All das erzählt Peter Wohlleben bei seinen Führungen, die er regelmäßig anbietet. Und er ist genauso begeistert wie seine Zuhörer. Schon immer habe er sich für die Natur interessiert, sagt er und erinnert sich daran, wie er als 13Jähriger Wildgans-Küken auf einem Heizkissen ausgebrütet hat, nachdem er Bücher von Konrad Lorenz gelesen hatte (es hat funktioniert).

Suche nach sanften Wegen

Da war es nur folgerichtig, Forstwirtschaft zu studieren. Er wurde Forstamtsleiter in der Eifel, stellte aber bald fest, dass die klassische Forstwirtschaft die Wälder nicht schützt, sondern ausbeutet. Und Peter Wohlleben suchte nach anderen, sanften Wegen.

Ein Revier auf dem Weg zum Urwald

Das Revier, in dem er heute arbeitet, ist auf dem Weg, zum Urwald zu werden. Mit Pferden statt Holzerntemaschinen, Buchen statt Fichten und dem Verzicht auf Kahlschläge und Chemie-Einsatz. Der „Baumflüsterer“ begann, Bücher zu schreiben („Das geheime Leben der Bäume“ wurde zum Bestseller) und gründete seine Waldakademie, in der er Menschen die Natur näherbringt.

Dem Wald gelingt es, sich zu regenerieren

Richtige Wildnis gibt es in Deutschland nicht, deshalb sind Gebiete, die dabei sind, sich wieder in einen Urwald zu verwandeln, so wichtig. 100 bis 500 Jahre, so Wohlleben, dauert es, bis ein Wald zum Urwald wird. Dem Wald, sagt er, gelingt es, sich zu regenerieren. Aber man muss ihn lassen.

Peter Wohlleben und sein neuestes Buch

Peter Wohlleben hat das Talent, die Dinge so zu erklären, dass man sie auch als Laie versteht. Das wissen die Menschen zu schätzen, die bei seinen Führungen dabei sind. Und es macht auch sein neuestes Werk, „Das geheime Netzwerk der Natur“, so lesenswert.

„Das geheime Netzwerk der Natur“, 19,90 Euro, Ludwig Verlag

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