Rehe in der Großstadt

Reh
Reh

Rehe gehören zu den heimlicheren Großstädtern. Sie haben es nämlich nicht so mit den Menschen – beim ersten Blick nehmen sie Reißaus. Sehen aber kann man sie in Berlins Natur durchaus. In den Außenbezirken zum Beispiel, wo sie an Waldrändern oder auf Feldern gerne mal auf Futtersuche sind.

Großstadt-Rehe sind dämmerungs-aktiv

In der Stadt passen sich Rehe an den Rhythmus des Menschen an – oder eher umgekehrt. Sobald er sich in die Häuser zurückzieht, wagen sie sich vor. Meistens sieht man sie deshalb in der Dämmerung, obwohl Rehe eigentlich tagaktiv sind. Am Tage aber wäre es den Tieren in menschlicher Nähe zu unsicher. Abends trauen sie sich dann auch schon mal in die Parks.

In Brandenburg heißt es für Autofahrer: Aufpassen!

Wer mit dem Auto in Brandenburg unterwegs ist, sollte unbedingt auf Wildwechselschilder achten, denn flüchtende Rehe springen manchmal unvermittelt auf die Straße. Das führt immer wieder zu Unfällen, die auch für den Menschen tödlich enden können.

Rehkitze bitte nicht anfassen

Die kleinste Hirschart Mitteleuropas wird ungefähr 1,20 Meter lang und 55 bis 85 Zentimeter hoch. Die Tiere haben  ein rotbraunes Fell, das im Winter dunkler wird. Das Rehkitz erkennt man an den vielen weißen Punkten, die es im hohen Gras fast unsichtbar machen. Denn während erwachsene Tiere bei der kleinsten Störung aufspringen und im nächsten Gebüsch Deckung suchen, bleibt der Nachwuchs im Gras sitzen und hofft, nicht bemerkt zu werden. Wer ein Jungtier entdeckt, sollte es auf keinen Fall anfassen – meist ist die Mutter nicht weit. Menschengeruch an ihrem Kind würde sie so abschrecken, dass sie ihr Kitz nicht mehr annimmt.

Das Reh und der Hirsch

Dass das Reh nicht das Weibchen vom Hirsch ist, war ja schon Thema dieses Blogs. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, der mit dem Disney-Film „Bambi“ zu tun hat. Disney hatte die Rechte an der Geschichte vom österreichischen Schriftsteller Felix Salten abgekauft, der über ein Rehkitz namens Bambi geschrieben hatte. Das Buch erschien auch in Amerika – und weil es dort keine Rehe gibt, machte man einen Weißwedelhirsch aus dem kleinen Rehbock. Als der aus dem Buch entstandene Film in den fünfziger Jahren in die deutschen Kinos kam, wurde Bambi in der Synchronfassung wieder zum Rehkitz, sein Vater aber blieb ein Weißwedelhirsch. Seither glauben viele Deutsche, dass das Reh der weibliche Hirsch ist. Um es endgültig zu klären: Das männliche Reh heißt Rehbock, das weibliche wird Ricke genannt.

Der Nachwuchs kommt im Mai zur Welt

Die Paarung der Rehe ist intensiv, aber weniger laut als die der Hirsche, sie findet im Sommer statt. Das befruchtete Ei aber fängt erst im Winter an zu wachsen – und so kommt der Nachwuchs genau dann zur Welt, wenn es genug Nahrung gibt: im Mai.

„Bambi“ sorgte für die erste große Tierschutzkampagne

Mit seinen großen Augen ist das Reh ein echter Sympathieträger – den „Bambi“-Film hätte es vermutlich gar nicht gebraucht. Es strahlt so viel Unschuld aus, dass Jäger mit Ärger rechnen müssen, wenn sie zur Flinte greifen. Als im Film ein Jäger Bambis Mutter erschoss, gab es nach Informationen des Nabu nicht nur heftige Proteste, sondern die erste große Tierschutzkampagne wurde angeschoben.

Rehe und ihre Vorliebe für zarte Baumtriebe

Zu den gefährdeten Tierarten zählt das Reh nicht. Im Gegenteil. Wenn in einem Wald sehr viele Rehe leben und es sonst wenig Pflanzen gibt, kann ihre Vorliebe für zarte Triebe von Bäumen sogar Schaden anrichten, wenn junge Bäume nicht vor Verbiss geschützt werden. Bei hohem  Pflanzenangebot äsen Rehe Heidelbeeren, Efeu, aber auch Getreide und Raps, Pilze und Früchte.

Wer ein Reh sieht, sollte einfach stehenbleiben. Vielleicht hat er dann die Chance, es ein Weilchen zu beobachten. Falls es sind ungestört fühlt…

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