Das Geheimnis des Rotmilans

Rotmilan
Rotmilan (Gabelweihe)

Wenn man in einer Familie aufwächst, in der die Natur ein wichtiges Thema ist,  kann es schon mal sein, dass am Küchentisch über Orchideen oder gute Beobachtungsorte für Kraniche gesprochen wird. Und beim Spaziergang alle den Kopf recken, um zu sehen, was für ein Greifvogel da am Himmel kreist. Zwei Greife tauchen dabei regelmäßig auf: der Rotmilan, auch Gabelweihe genannt, und der Schwarzmilan. Sie sind elegante Flugkünstler, die manchmal mit lautem „Wiiii“ auf sich aufmerksam machen.

Wie man den Rotmilan erkennt

Man kann die beiden Arten leicht verwechseln, obwohl der Rotmilan größer ist, größer sogar als ein Mäusebussard – aber am Himmel kann man mit Größenunterschieden wenig anfangen. Aber einen deutlichen Unterschied gibt es, den man gerade beim Flug sehr gut sehen kann: Die Schwanzfedern des Rotmilans sind gegabelt (auf dem Foto ist das gut zu sehen, danke, lieber Wolfgang Kühn!).

Das brachte dem Vogel auch den Spitznamen Gabelweihe ein. Der Schwarzmilan dagegen hat nur eine sehr undeutliche Gabelung.

Lebensraum Europa

Der Rotmilan (Milvus milvus) gehröt zur Familie der Habichtartigen, und er kommt hauptsächlich in Europa vor. Sein bevorzugter Lebensraum sind offene Landschaften mit kleinen Wäldern oder Gebüschen. Anders als der Schwarzmilan braucht er nicht unbedingt die direkte Nähe von Gewässern.

Lange Flügel und eine klagende Stimme

Abgesehen vom gegabelten Schwanz sind typische Merkmale des Rotmilans die langen Flügel und die rötlichbraune Farbe. Die Flügel sindweiß, grau und schwarz und der Kopf bei erwachsenen Tieren weiß. Ihre Stimme hört man eigentlich nur während der Balzzeit – ein langgezogenes, klagendes „wiiiii“.

Zug in Richtung Süden

Viele Rotmilane ziehen im Winter in Richtung Süden, aber es gibt immer noch eine große Zahl, die das ganze Jahr im Brutgebiet verbringt. Das gilt vor allem für Vögel, die in Frankreich und Spanien brüten, in Deutschland sie die Tiere überwiegend Kurz- oder Mittelstreckenzieher.

Der Vogel jagt kleine Säuger

Lieblings-Nahrung des Rotmilans sind kleine Säugetiere wie Feldmäuse und Maulwürfe und Vögel. Meist erbeutet er Stare, aber auch Tauben und Rabenvögel gehören zu seinen Beutetieren. Meist sind es verletzte oder kranke Tiere, die er fängt. Wo größere Beute fehlt, nimmt er auch Käfer und Amphibien, und auch Aas steht auf seinem Speiseplan.

Beute wird im Flug ergriffen

Wenn er jagt, kann man den Rotmilan gut beobachten. Er fliegt dann langsam über offene Landschaften, und wenn er ein Tier sieht, nimmt er es vom Boden auf, ohne zu landen. Aber auch Felder, auf denen gerade gemäht wird, ziehen ihn an, denn dort kommt er leichter an seine Beute heran.

Brutplatz auf dem Baum

Gebrütet wird meist auf Bäumen, und zwar meist hoch oben. Besonders gerne mag der Rotmilan Bäume, die an Klippen oder Abhängen stehen. Das Weibchen legt meist drei Eier und brütet sie etwa einen Monat lang aus, während es vom Männchen versorgt wird. Die Jungen fliegen nach etwa 50 Tagen aus.

Der Rotmilan ist selten geworden

Sehr häufig ist der Rotmilan nicht, seine Zahl sinkt beständig. Das liegt nicht nur daran, dass viele Jungvögel nicht überleben, sondern vor allem daran, dass nicht mehr genug Nahrung zur Verfügung steht. Ein Grund ist die intensive Landwirtschaft, die Insekten verschwinden lässt (und damit auch kleine Vögel und Säuger, die von den Insekten leben).

Dazu kommen Todesfälle durch vergiftete Beutetiere, vorsätzliche Vergiftung und auch durch Windkraftanlagen und Hochspannungsleitungen. Dabei können Rotmilane sehr alt werden: Es wurden schon Vögel gefunden, die fast 30 Jahre alt waren!


6 thoughts on “Das Geheimnis des Rotmilans”

  1. Hallo, habe gerade Heute über dem Britzer Garten 2 Pärchen gesichtet, eines davon scheint in einem der grossen Bäume zu nisten! Sie sind dort häufig zu sehen, amüsant ist der Umstand das sie offensichtlich, im Flug von Krähen „attackiert“ werden!

    Gruss vom Naturfreund

  2. Im Sauerland (NRW) hab ich schon immer Rotmilane gesehen. In diesem Jahr sehe ich sie aber sehr oft. Sie fliegen über unseren Garten, am benachbarten Waldrand und auch weiter verteilt in der Gegend. Im Urlaub habe ich den Vogel auch in Blaubeuren gesehen. Nach der Häufigkeit der Sichtung erscheint er mir gar nicht so selten. Viel seltener sehe ich z.B. Schwarzstörche oder Neuntöter, die ja auch in unserer Gegend leben. Etwas seltener sehe ich Kolkraben, deren Zahl aber auch wieder zunimmt. Das Häufigkeit der Sichtungen kann natürlich am Wohnort oder der Lebensweise der Vögel liegen.

    1. Lieber Herr Sonnemeyer,
      herzlichen Dank für Ihren Hinweis!
      Es gibt tatsächlich regionale Unterschiede. Ich habe gelesen, dass die Zahl der Brutpaare in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern am höchsten ist, in Berlin dagegen ist der Rotmilan selten. Das liegt u.a. daran, dass er offene Landschaften bevorzugt, von denen es hier nicht allzu viele gibt.
      Aber ich freue mich sehr, dass Sie ihn in NRW so häufig sehen, das ist auf alle Fälle eine gute Nachricht!
      Herzliche Grüße von Silke Böttcher

  3. Ich lebe in Meersburg a. Bodensee und sehe täglich Rot- und Schwarzmilane um unser Haus und den Bäumen ringsherum fliegen. Ich wollte genau wissen, wen nennt man Gabelweihe. Ich unterscheide sie vom Bussard durch die Schwanzfedern und die rote Farbe wenn das Licht drauf fällt. Danke, dass ich jetzt mehr weiß über Essgewohnheit und dass sie auch Zugvögel sind.

    MfG
    Gerda Brauer

  4. mit Interesse habe ich Ihren Beitrag über Gabelweihen gelesen
    Sind diese Vögel Zugvögel?
    Wir beobachten sie in unserem Garten nur in der warmen Jahreszeit.

    Mfg
    S. Rautenberg

    1. Ja, sie sind tatsächlich Zugvögel, die im Oktober in die Winterquartiere in Frankreich, Spanien oder Portugal fliegen, gelegentlich auch nach Nordafrika. Allerdings gibt es immer wieder Rotmilane, die in Deutschland bleiben. Das passiert vor allem in schneearmen Wintern und dort, wo das Nahrungsangebot sehr hoch ist. Herzliche Grüße von Silke Böttcher

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