Spannendes über den Schopftintling

Schopftintling Pilz Speisepilz
Schopftintling Foto: Silke Böttcher

Dass der Schopftintling mit dem Champignon verwandt ist, sieht man ihm nicht an. Und dass er ein ziemlich guter Speisepilz ist, auch nicht. Aber er ist eine eindrucksvolle Erscheinung – ein Pilz, der immer wieder anders aussieht.

Der Schopftintling scheint sich aufzulösen

Das fängt schon beim Hut an. Der ist beim jungen Pilz länglich-eiförmig, später nimmt er die Form einer Glocke an. Seine Haut ist anfangs schneeweiß und wird dann grau und schuppig, vor allem am Rand. Beim älteren Exemplar geschieht etwas Erstaunliches: Die Haut rollt sich am Rand ein bisschen nach oben (siehe Foto), reißt ein – und der Pilz scheint sich nach einiger Zeit förmlich aufzulösen.

Woher der Pilz seinen Namen hat

Dann erklärt sich auch der Name: Der Hut zerfließt nämlich zu einer tintenartigen Flüssigkeit, die sich zu seinen Füßen sammelt. Was einfach nur nach Zerfall aussieht, ist die Vermehrungsstrategie des Schopftintlings, denn die Sporen sitzen in der Tinte und werden so verbreitet. Übrigens wurde die schwarze Flüssigkeit früher tatsächlich als Zutat für Schreib-Tinte verwendet!

In kurzer Zeit von der Jugendform bis zum Zerfließen

Die Entwicklung des Schopftintlings ist sehr schnell: Manchmal braucht er nur wenige Stunden vom Aufgehen bis zum Zerfließen. Wer ein Foto von einem Exemplar machen will, sollte das nicht auf den nächsten Tag verschieben, denn manchmal ist dann nur noch der nackte Stiel zu sehen… Diese Form  erklärt dann auch, warum man den Schopftintling auch Spargelpilz nennt.

Vorliebe für gedüngte Rasenflächen

Sehen kann man den Schopftintling vor allem auf Wiesen und an Wegrändern, aber auch auf Schuttplätzen und in Gärten mit gedüngten Rasenflächen. Oft steht er in großen Gruppen. Im Grunewald habe ich einmal eine ziemlich akkurate Linie aus bestimmt 20 Schopftintlingen gesehen, die in einer Reifenspur standen.

Der Schopftintling „frisst“ Fadenwürmer

Interessant ist, dass Schopftintlinge Fleischfresser sind: Sie entwickeln kugelige Fangorgane, aus denen ein Gift entweicht, das winzige Fadenwürmer (Nematoden) bewegungsunfähig macht – der Pilz verdaut sie innerhalb einiger Tage.

Ausgezeichneter Speisepilz mit Heilkräften

Essen kann man den Schopftintling, solange er seinen Hut noch nicht ausgebreitet hat und seine Lamellen noch hell sind. Der ausgezeichnete Speisepilz, der außerdem heilende Kräfte hat (er enthält Magnesium, Eisen, Kupfer, Kalzium, Mangan, Zink, Kalium und die Vitamine B1, B2, B3 und C; die Natur- und die Traditionelle Chinesische Medizin setzen ihn gegen Hämorrhoiden und Verdauungsprobleme ein), duftet ein bisschen nach Rettich.

Schnell zubereiten

Allerdings sollte man ihn schnell zubereiten, weil er schnell verdirbt – er löst sich auf. Nur wenn sein Hut noch geschlossen ist, bleibt er haltbar. Auf Fäden aufziehen und Trocknen kann man ihn (anders als beispielsweise Steinpilz, Pfifferling und Marone) nicht, ich habe aber gelesen, dass das Trocknen mit einem Dörrgerät funktionieren soll.

Schopftintling selbst anbauen

Aber man kann ihn anbauen. Die sogenannte Pilzbrut kann man kaufen und setzt sie dann auf ein Substrat (z.B. Champignonsubstrat, auch das kann man fertig kaufen, im Internet zum Beispiel auf Heil- bzw. Vitalpilz-Seiten). In einer Kiste wächst der Schopftintling dann heran. Wie das genau funktioniert, erfährt man auf dem Beipackzettel. Wichtig sind Temperaturen von maximal 20 Grad und ausreichende Feuchtigkeit.

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