Das Geheimnis der Seerose

Seerose
Seerose

Die Blüte der Seerose ist so groß, dass man wohl zwei Hände bräuchte, um sie zu umfassen. Falls man es schafft – denn wenn man sich ihr mit dem Boot nähert, dann scheint sie abzutauchen. In Berlin sieht man sie nicht nur in der Natur, sondern auch in Zierteichen. Kein Wunder: Die Blüte ist spektakulär. In diesem Jahr wird ihr besondere Aufmerksamkeit zuteil, denn der Verband Deutscher Sporttaucher hat sie zur Wasserpflanze des Jahres gekürt.

Die Seerose und ihre duftenden Riesenblüten

Das Foto der Weißen Seerose ist beim Ausflug in den Nationalpark Unteres Odertal entstanden, wo man mit dem Kanu sehr dicht an die Seerosen herankommt. Mindestens genauso eindrucksvoll wie die Blüten sind die großen glänzenden Blätter, die auf der Wasseroberfläche schwimmen. Der Rest aber schwimmt nicht: Würde man unter Wasser tauchen, könnte man den Stielen von Blatt und Blüte bis zum schlammigen Grund der Teiche folgen.

Die Blüte selbst ist nicht ganz weiß, sondern hat innen leuchtend gelbe Blütenblätter. Wer so nah an die Blüten herankommt, dass er die Nase hineinstecken kann (ohne mit dem Boot umzukippen…), wird feststellen, dass sie wunderbar duften.

Sie blüht nur bei schönem Wetter

Insekten, die die Seerosenblüte bestäuben, müssen schon etwas mutig sein, denn mit Wasser haben sie es eigentlich nicht so. Aber der Nektar scheint verlockend genug zu sein, um Hummeln, Fliegen und Käfer zu überzeugen. Allerdings klappt das nur bei schönem Wetter, denn die Blüten der Weißen Seerose schließen sich bei Regen und in den Abendstunden.

Wenn die Seerose verblüht ist, bilden sich kugelförmige Früchte, deren Samen von Wind und Wasser, aber auch von Wasservögeln verbreitet werden. Irgendwann sinken die Samen auf den Grund des Gewässers und beginnen dort zu keimen. Wenn alles gut geht.

Ein Platz an der Sonne für Frösche und Insekten

Frösche lieben die glatten, dicken Blätter der Seerose als Sonnenliege und Libellen und andere Insekten nutzen sie als Zwischenlandestation. Regentropfen prallen an ihnen ab, und auch Wellengang kann ihnen nichts anhaben.

Vorliebe für nährstoffreiche Gewässer

Die Weiße Seerose wächst vor allem dort, wo die Gewässer stehen oder nur sehr langsam fließen, nährstoffreich sind, einen schlammigen Boden haben und das Wasser maximal 1,50 Meter tief ist. Meist sieht man die Pflanze in Ufernähe und vor allem dort, wo selten Boote fahren. Der scharfe Kiel eines Kajaks kann die Stängel nämlich glatt abschneiden. Wer mit dem Paddelboot unterwegs ist, sollte es vermeiden, durch ein Seerosenfeld hindurch zu fahren – die Pflanze steht unter Schutz.

Was die Seerose mit Nymphen zu tun hat

Wenn man sich die schneeweiße Blüte einer Seerose so anschaut, wundert man sich nicht, dass sie früher mit Keuschheit in Verbindung gebracht wurde – Plinius empfahl sie einst als Mittel gegen wollüstige Träume. Vielleicht liegt es auch an diesen Vorstellungen, dass die Pflanze den botanischen Namen „Nymphea“ (Nymphe) trägt. Ein solcher weiblicher Naturgeist soll sich, so heißt es, in den griechischen Helden Herakles verliebt haben und an gebrochenem Herzen gestorben sein – die Götter ließen sie als Seerose wieder auferstehen…

Mythen um die schöne Wasserpflanze

Andere Sagen beschäftigen sich mit Nixen, denen vorgeworfen wurde, Schwimmer, die versuchten, eine Seerose zu pflücken, unter Wasser zu ziehen. Genährt wurde diese Überzeugung davon, dass tatsächlich immer mal wieder Seerosenpflücker ertrunken sind. Der Grund sind aber keine Nixen, sondern die dicken Stängel der Pflanze, an denen sich die Schwimmer so verhakt haben, dass sie ertranken. Aber wer würde heute schon eine Seerose pflücken und sie in eine Vase stellen?

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