Seidenschwänze vor dem Heimflug in den Norden

Seidenschwanz Vogel
Seidenschwänze beim Trinken Foto: Eberhard Müller

Der Vogelzug ist schon wieder in vollem Gange. Selbst die ersten Störche wurden schon in Brandenburg gesehen, und andere Zugvögel wie der Kranich, der Kuckuck, die Nachtigall und der Kiebitz sind auch längst unterwegs. Das gilt aber auch für die Vogelarten, die sich Deutschland als Winterwohnung ausgesucht haben – sie machen sich wieder auf den Weg in den Norden.

Seidenschwänze in Balzstimmung

Ein Beispiel ist der exotische Seidenschwanz, der in diesem Jahr bei der Stunde der Wintervögel in Berlin auf Platz 76 gelandet ist. Er gehört zu den ganz seltenen Gästen in der Stadt – in Brandenburg konnte man ihm häufiger begegnen. Bei dem milden Winter in diesem Jahr ist es umso erstaunlicher, dass immer noch einige hier sind. Allerdings ist der Vogel, wie man auf dem Foto unten sehen kann, offensichtlich schon in Balzstimmung: Einige Paare scheinen sich bereits gefunden zu haben. Die Fotos sind nur ein paar Tage alt (herzlichen Dank an Eberhard Müller!).

Lieblingsspeise im Winter sind Ebereschen-Beeren

Die geselligen Wintergäste sitzen gerne auf Bäumen, an denen noch ein paar Früchte hängen – Wegzehrung für die Strecke, die jetzt vor ihnen liegt. Lieblingsspeise im Winter sind die Beeren der Eberesche. Und das Foto oben zeigt, wie sie ihren Durst stillen. In der Pfütze hockte gleich eine ganze Gruppe von Seidenschwänzen.

Eindrucksvolle Federhaube

Mit ihrem schwarzen Kinn, dem schwarzen Streifen am Auge, den rostbraunen Flecken an Stirn und Wange und der Federhaube oben auf dem Kopf sind die etwa starengroßen Vögel nicht nur wunderschön, sondern auch äußerst spektakulär. Ihr Bauch ist hellgrau mit rötlichem Einschlag, die Flügel sind grau mit gelben, weißen und roten Flecken, der Schwanz hat eine schwarz-gelbe Bänderung.

Der Vogel kommt nicht jedes Jahr

Lebensraum des Seidenschwanzes ist die Taiga. Im Winter aber zieht er in südlichere Gefilde – nach Deutschland, zum Beispiel. Allerdings kommt er längst nicht in jedem Jahr. Ich habe gelesen, dass Ebereschen darüber entscheiden: Wenn die Früchte im Brutgebiet der Seidenschwänze in einem Jahr fehlen, ziehen die Familienverbände weiter weg. Wenn dann noch Schnee hinzukommt, dann gibt es manchmal regelrechte Massenfluchten.

Seidenschwänze und der Winter

Das hat dem Seidenschwanz nicht nur Sympathien eingebracht. Früher sah man ihn als Vorboten für einen strengen Winter. Pestvogel nannte man ihn – und diesen Namen trägt er zum Beispiel in den Niederlanden immer noch. Dabei hat er weder etwas mit der Pest zu tun, noch ist er ein Wetterprophet. Und wer den exotischen Vogel mit dem charakteristischen Ruf (manche sagen, der Gesang klinge ein bisschen wie ein rasselndes Schlüsselbund) sieht, der sollte sich freuen. Bald ist er zurück im hohen Norden – und wer weiß, wann er zum nächsten Mal bei uns auftaucht…

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