Seltene Berlinerin: die Kreuzotter

Manche Wunder geschehen klammheimlich. Eines ist die Kreuzotter, die in Berlin ausgestorben war. Bis – ja, bis sie ganz plötzlich wieder da war. Es sind nur ganz wenige Tiere, die irgendwo am Rand der großen Stadt leben, an einem Standort, der streng geheim gehalten wird.

Die Kreuzotter und andere Reptilien in der Stadt

Mit der zurückgekehrten Kreuzotter gibt es in Berlin fünf Reptilienarten (die Zauneidechse, die Ringelnatter, die Blindschleiche und die Schlingnatter). Die Schmuckschildkröte, die man manchmal in Berliner Gewässern sieht, lasse ich weg, denn sie ist in Europa nicht heimisch – die Tiere kommen aus Terrarien und wurden ausgesetzt. Die Europäische Sumpfschildkröte, die in Brandenburg einige Vorkommen hat, gibt es in der Hauptstadt nicht.

Die Schlange wurde gnadenlos verfolgt

Aber zurück zur Kreuzotter. Sie ist sehr, sehr selten. Das liegt nicht nur daran, dass sie hohe Ansprüche an ihre Umgebung hat – wie Schlangen allgemein hat sie keinen guten Ruf, und weil sie auch noch eine der beiden Giftschlangen Deutschlands ist (neben der in Teilen Süddeutschlands heimischen Aspisviper), wurde sie gnadenlos verfolgt. Heute ist sie so selten, dass sie in ganz Deutschland unter Schutz steht.

Die Kreuzotter ist sehr scheu

Die Panik vor der Kreuzotter ist unbegründet. Das scheue Reptil hat nämlich viel mehr Angst vor dem Menschen als er vor ihr und flüchtet  sofort, wenn sich einer nähert. Wenn jemand zu nah kommt, zischt die Schlange laut. Aber nur wenn sie sich extrem bedroht fühlt, beißt sie zu. Meist setzt sie dabei wenig Gift ein. Wer gebissen wurde, sollte trotzdem sicherheitshalber zum Arzt gehen, denn das Gift kann, am ehesten bei Kindern und alten Menschen, zu Lähmungen und Atemnot führen. Aber wie schon gesagt, die Wahrscheinlichkeit, gebissen zu werden, ist für Menschen äußerst gering.

Mit Gift gegem Beutetiere

Das Gift ist die „Jagdwaffe“ der Kreuzotter, die sich von Fröschen, Eidechsen und Mäusen ernährt.  Sie verharrt im Gebüsch und wenn sich ein Beutetier nähert, beißt sie zu und injiziert das Gift, das das Tier lähmt.

Auffälliges Zickzackmuster auf dem Rücken

Erkennen kann man die Kreuzotter am auffälligen dunklen Zickzackmuster auf dem sonst hellgrauen Rücken. Die Schlange wird maximal 75 Zentimeter lang, die Weibchen sind ungefähr zehn Zentimeter länger als die Männchen.

Die Kreuzotter liebt Feuchtgebiete

Lebensraum der Schlange sind kühle und feuchte Regionen mit ausreichend kleinen Hecken und Gebüschen – Moorgebiete zum Beispiel und Wälder. Wobei sie sich dort immer die wärmsten und sonnigsten Bereiche sucht. Bei Wind und anderen Störungen  sucht sie Schutz unter Steinen, mittags kann man sie gelegentlich beim Sonnenbad sehen.

Bester Schutz vor Fressfeinden wie Greifvögeln, dem Fuchs oder dem Dachs ist die Färbung, die die Kreuzotter fast unsichtbar werden lässt. Den Winter übersteht das Reptil in einer Kältestarre, die in kalten Regionen bis zu acht Monate andauern kann.

 

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2 thoughts on “Seltene Berlinerin: die Kreuzotter”

  1. Kleine Korrektur. Was die europäische Sumpfschildkröte angeht gibt es mindestens 2 Areale. Eins was nicht zugänglich ist und eins woran niemand glaubt, dass sie dort lebt.
    Beide areale haben aber was gemeinsam, wer weiß das sie dort existiert, redet nicht drüber. Das hilft einigen Arten oft länger in dieser Stadt zu überleben.

    Allerdings frage ich mich gerade, wo in Berlin die Schling- bzw. Glattnatter lebt.

    1. Danke für den Hinweis! Ich wusste nicht, dass es die Sumpfschildkröte in Berlin gibt, nach Auskunft des Nabu Berlin ist sie hier seit 1900 ausgestorben. Aber es ist eine schöne Nachricht und ganz sicher besser, dass die Areale geheim gehalten werden. Dasselbe scheint auch für die Schlingnatter zu gelten, denn der Nabu sagt, dass es sie in Berlin gibt, allerdings sehr selten.
      Herzliche Grüße
      Silke Böttcher

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