Die Skorpionsfliege ist das Insekt des Jahres 2018

Skorpionsfliege
Skorpionsfliege

Die Skorpionsfliege sieht ziemlich martialisch aus mit ihrem nach oben gebogenen Stachel am Hinterleib. Allerdings ist die Ähnlichkeit mit einem Skorpion eine Laune der Natur, denn stechen kann die Fliege damit nicht. Und weil kaum jemand etwas von ihr weiß, obwohl sie gar nicht selten ist, wurde sie vom Senckenberg Deutsche Etymologische Institut in Müncheberg jetzt zum Insekt des Jahres 2018 gekürt.

Die Skorpionsfliege ist kaum bekannt

„Wir wollen mit der Wahl die Aufmerksamkeit auf die Besonderheiten der Skorpionsfliege lenken und deren Wahrnehmung stärken“, so Prof. Dr. Thomas Schmitt, Direktor des Instituts. Wer sie sehen möchte, sollte in Gebüschen, an Waldrändern, auf Wiesen und auf Brennesseln nach ihnen Ausschau halten.

Mundwerkzeuge wie ein Schnabel

Es ist ein kleines Insekt mit vier Flügeln, die eine Spannweite von 2,5 bis 3,5 Zentimetern haben. Die Flügel sind netzartig gefleckt. Seine Mundwerkzeuge sehen aus wie ein Schnabel. Noch auffälliger aber ist der rote Hinterleib, der bei den Weibchen leicht nach oben gekrümmt ist und beim Männchen tatsächlich aussieht wie der Stachel eines Skorpions.

Was es mit dem Stachel auf sich hat

Allerdings ist dieser „Stachel“ keine Angriffswerkzeug, sondern er ist das Begattungsorgan des Insekts. Wenn das Männchen um ein Weibchen wirbt, setzt es den Hinterleib in Vibration, und es macht sie außerdem durch Flügel-Winken auf sich aufmerksam.

Hochzeitsgeschenk für das Weibchen

Und um ganz sicherzugehen, verströmt es auch noch einen Lockstoff und bietet dem Weibchen als Geschenk ein Sekrettröpfchen aus seinen Speicheldrüsen an. „Je umfangreicher dieses ,Hochzeitsgeschenk‘ ist und je häufiger ein solches übergeben wird, desto größer ist die Chance des Männchens, bei seiner Auserwählten zu ,landen‘ – und umso länger kann die Kopulation andauern“, so Prof. Schmitt.

Die Paarung kann zwei Stunden dauern

Das Männchen umfasst den Hinterleib des Weibchens mit seinem Begattungsorgan. Die Paarung kann bis zu zwei Stunden dauern. Anschließend legt das Weibchen, das sich meistens mit mehreren Männchen paart, bis zu 60 Eier an verschiedenen Orten unter der Erde ab. Die Larven schlüpfen nach zehn Tagen und sie müssen drei Häutungen überstehen, bis sie ausgewachsen sind.

Tote Insekten als Nahrung

Bevorzugter Lebensraum der Skorpionsfliege sind feuchte und dunkle Biotope wie Wälder. Dort ernährt sie sich von toten oder geschwächten Insekten. Auch in Spinnennetzen gefangene Insekten holt sie sich – und erstaunlicherweise lassen die Spinnen sie gewähren.

Die Skorpionsfliege ist sehr anpassungsfähig

Zuhause ist die Gemeine Skorpionsfliege (Panorpa communis) in ganz Mitteleuropa, und zurzeit gilt sie als ungefährdet. Das liegt Schmitt zufolge an ihrer ausgeprägten Anpassungsfähigkeit. Sie ist nicht sehr wählerisch bei ihrer Nahrung und ernährt sich nicht nur von den schon erwähnten Insekten, sondern auch von reifem Obst, Blütennektar und Pollen. Unsichtbar machen kann sie sich auch – auch wenn sie jetzt ein bisschen berühmt geworden ist…

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