Stachliger Überlebenskünstler: der Igel

Wenn Sie dieser Tage im Garten etwas schnaufen hören, dann könnte das ein Igel sein, der nach Insekten sucht. Er ist gerade aus dem Winterschlaf erwacht und hat Hunger. Kein Wunder – er hat vier Monate lang nichts gefressen. In der Zeit hat sein Körper Erstaunliches vollbracht: Er hat vier Monate lang nur noch viermal pro Minute geatmet, während sein Herz neun Schläge pro Minute tat (normal sind 200). In der Zeit hat er das Fettpolster, das er sich im Sommer angefuttert hatte, vollkommen aufgebraucht. Hätte das Polster nicht gereicht, wäre er noch im Winter aufgewacht und hätte auf Futtersuche gehen müssen. Was bei Schnee und Eis ein großes Problem ist.

Igel sind nachtaktiv

Die Igel, die jetzt durch die Berliner Natur wuseln, sind schmal geworden – die etwa 25 bis 30 Zentimeter langen Stacheltiere müssen sich nach dem langen Winter erst wieder ein neues Polster anfressen. Das tun sie am liebsten nachts oder in der Dämmerung.

Eine Kugel mit 5000 Stacheln

Eigentlich wohnen Igel am liebsten in der wilden Natur, wo es viele Hecken und Totholz gibt. Aber weil solche Flächen immer seltener werden, wandern sie auch in Dörfer und Städte, wo sie genug Unterschlüpfe und Nahrung finden. Gegen Angreifer wehren sie sich mit ihren Stacheln – bei Gefahr rollen sich die Tiere zur Kugel zusammen und stellen die 5000 Stacheln auf.

Und die sind wirklich spitz. Wie sehr, das habe ich vor ein paar Jahren gemerkt, als ich mal versucht habe, einen Igel von der Straße in einen Garten zu lotsen. Ein Hund jedenfalls würde sich eine blutige Nase holen, wenn er den Stachelball anstupst.

Igel-Todfeind Nummer 1: das Auto

Vor Autoreifen allerdings schützen die Stacheln nicht: Hunderttausende Igel sterben pro Jahr auf den Straßen, oftmals merken die Autofahrer den Aufprall noch nicht einmal. Andere fallen Rattengift und Schneckenkorn zum Opfer. Auch deshalb hat die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild den Igel 2009 zum Wildtier des Jahres erklärt.

Wer dem Igel helfen will, der irgendwann zwischen Juni und August Nachwuchs bekommt, der sollte im Garten unbedingt auf Gifteinsätze verzichten. Niedriges Buschwerk und Reisighaufen sind gute Unterschlupfmöglichkeiten für ihn. Der Nabu gibt weitere Tipps für Igel-Gärten.

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3 thoughts on “Stachliger Überlebenskünstler: der Igel”

  1. Hallo liebe Silke,
    ich habe seit ca. 5-6 Jahren Igel in meinem Garten die jedes Jahr Junge haben. Das freut mich natürlich sehr. Sie werden auch immer ein bisschen von mir „beigefüttert“ mit Katzenfutter, damit sie nicht zu weit laufen auf Nahrungssuche,eben wegen Staatsfeind Nummer 1 der Straße, sprich dem Auto. Nach diesem langen kalten Winter nun mache ich mir doch Sorgen um sie. Habe noch keinen gesehen oder gehört und lag gestern in meinem Garten “ auf der Lauer „. Hatte etwas Katzenfutter zum Anlocken bereit gestellt, aber es war kaum angerührt. Es ist jetzt Mai und sie müssen , wie du ja schreibst, sehr dünn und ausgehungert sein.Wo sind sie nur ?????
    Tatjana

    1. Liebe Tatjana,
      ich habe in diesem Jahr auch noch keinen gesehen, aber ich hoffe, dass sie gut durch den Winter gekommen sind – und drücke Dir die Daumen, dass Deine Igel auch bald im Garten auftauchen.
      Liebe Grüße von Silke

  2. Wir haben ihn endlich wieder in unserem Garten entdeckt. Unseren Freund, den Igel. Knisternd und schnaubend kam er durch die Büsche auf den Rasen, um dann (zu unser besonderen Freude) eine Schnecke zu verspeisen. Deshalb lieben wir ihn ganz besonders. Ist er doch einer der wenigen, der die Schnecken frisst, bevor diese wiederum unsere Blumen fressen.
    Als er da angelaufen kam, war ich ganz stolz, dass er mein Winterlager scheinbar angenommen hatte. Im Herbst hatte ich in der ruhigsten Ecke des Gartens zwischen einer Hecke und der Begrenzungsmauer (wo niemals ein Kind hinkommt) Äste und Laub angehäuft. Das musste also sein Lager sein.
    Am nächsten Tag dann aber die Enttäuschung, als ich die Slackline aufgebaut habe. Diese wird am einzigen großen Baum des Gartens befestigt. Das ist eine Tanne und sie steht mitten im Garten zwischen Spielturm und Sandkasten. Als ich unter den Baum gekrochen bin, um die Slackline zu befestigen, hörte ich ein lautes Schnarchen und Schnauben. Hier schläft er also, der Igel. Hier, wo ständig Kinder herumtoben. Wo er doch eine so schön ruhige Schlafstatt hätte haben können. Hat halt seinen eigenen Kopf, der Igel. Schön, dass Du da bist, lieber Igel und lass Dir die Schnecken schmecken…

    Liebe Grüße von Familie Müller

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