Was die Stechpalme mit Hollywood zu tun hat

Stechpalme
Stechpalme

Wussten Sie, dass es auch in Mitteleuropa Palmen gibt? Die Europäische Stechpalme, auch als Ilex bekannt, ist tatsächlich eine heimische Art. In Deutschland allerdings ist sie zumindest in der wilden Natur selten, in Parks und Gärten dagegen kann man sie häufiger sehen.

Die Stechpalme bleibt im Winter grün

Im Winter fällt das Gewächs besonders auf. Denn anders als die meisten Pflanzen behält der Ilex seine Blätter. Und gelegentlich sieht man auch die orangeroten Früchte, die im Herbst entstanden sind.

Strauch oder Baum

Die Europäische Stechpalme (Ilex acquifolium) ist meistens ein Strauch, sie kann aber auch zum Baum mit bis zu 15 Metern Höhe werden. Wer einmal eine Begegnung mit ihr hatte, der vergisst sie nicht so schnell, denn sie macht ihrem Namen alle Ehre: Die länglichen, gezackten Blätter sind mit eindrucksvollen Stacheln bewehrt. Lediglich bei Exemplaren, die zum Baum ausgewachsen sind, fehlen die Stacheln. Die Blätter sind dick und ledrig – wie auch die Stacheln ein guter Schutz vor Tieren.

In Deutschlands Natur steht die Pflanze unter Schutz

Lebensraum der Stechpalme sind Gebiete, in denen es nicht zu kalt wird, vor allem am Mittelmeer ist sie relativ häufig. In Deutschland dagegen ist sie so selten, dass sie unter Naturschutz steht. Im Darßwald zum Beispiel habe ich sie schon gesehen, aber es kann sein, dass es Exemplare sind, die sich aus Gärten verbreitet haben. Allerdings findet sie dort gute Bedingungen, denn sie liebt Buchen-(Misch-)Wälder.

Vögel lieben die Samen

Im Frühling bildet die Stechpalme kleine weiße Blüten mit vier Kronblättern, anschließend – etwa im Oktober – entstehen die runden Früchte, die bei Vögeln wie Amseln und Rotkehlchen sehr beliebt sind. Allerdings müssen sie erst Frost abbekommen, um für die Tiere essbar zu werden. Weil die Früchte am Strauch hängen bleiben, sind sie ein willkommenes Winterfutter für Vögel. Die Tiere ziehen sich auch gern in den Schutz der wehrhaften Hecken zurück.

Vorsicht, giftig!

Menschen dagegen sollten sich fernhalten von den Früchten. Denn die sind, ebenso wie die Blätter, ziemlich giftig. 20 bis 30 der roten Beeren können einen Erwachsenen töten. Ab und zu findet man einzelne Stängel der Stechpalme auch an Weihnachts-Sträußen – Familien mit Kindern sollten lieber darauf verzichten und auch lieber keine Stechpalme im Garten anpflanzen.

Mittel gegen Verstopfung und für saubere Schornsteine 

Trotz der Giftigkeit fanden die Beeren früher Einsatz in der Naturmedizin, man verwendete sie gegen Verstopfung und Magenschwäche und überbrühte die gerösteten Samen als Kaffee-Ersatz. Die Zweige mit den harten, dornigen Blättern verwendeten sie wiederum, um den Schornstein zu reinigen.

Goethes Spazierstock

Auch das Holz des Ilex wurde schon früher eingesetzt. In der Tischlerei war dank seiner Aufnahmefähigkeit für dunkle Lacke als Ersatz für Ebenholz beliebt. Schon Goethe wusste das feste Holz zu schätzen und ließ sich einen Wanderstock daraus anfertigen. Wer mag, kann die Gehhilfe im Goethehaus in Weimar bewundern.

Schutz vor dem Bösen

Allerdings war die Stechpalme auch früher schon ziemlich selten, was sie zum Stoff für Mythen machte. Das Gewächs, das im Winter die Blätter behält, regte schon die Phantasie der Kelten und Germanen an, die ihre Häuser mit den Zweigen schmückten. Und weil Stechpalmen-Hecken beinahe undurchdringlich dicht wachsen können, sah man in der Pflanze auch einen Schutz vor dem Bösen.

Die Stechpalme und der Palmsonntag

Die roten Beeren symbolisierten außerdem Hoffnung und Liebe. Und so ist es kein Wunder, dass noch heute am Palmsonntag in Mitteleuropa (in Ermangelung von „richtigen“ Palmzweigen) gerne die Zweige der Stechpalme verwendet werden.

Harry Potter und Hollywood

Kein Wunder, dass sich auch Künstler inspirieren ließen. So besteht Harry Potters Zauberstab aus Stechpalmenholz, und J. R.R. Tolkien nannte das Herkunftsland der Elbenringe „Land Hulsten“. Letzteres versteht man, wenn man weiß, dass die Stechpalme in Deutschland auch als „Hülse“ oder „Hülstbaum“ bekannt ist. Und übrigens auch im Namen der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff steckt. Auch einige Ortsnamen enthalten den Begriff, der auf Englisch „Holly“ heißt. Und wer jetzt stutzt, hat Recht: Auch Hollywood verdankt seinen Namen der Stechpalme!

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