Steinkauz: Kleine Eule mit großen Ansprüchen

Steinkauz
Steinkauz

Der Steinkauz ist mit seinen 21 Zentimetern Körpergröße eine eher kleine Eule. Aber der Vogel hatte schon im antiken Griechenland eine große Bedeutung.  Und wird auch heute noch häufiger erwähnt, als man sich so vorstellen könnte. Leider ist er selten geworden.

Der Steinkauz und eine Redewendung

Dem Steinkauz ist vermutlich der Begriff „Komischer Kauz“ zu verdanken – eine Bezeichnung für etwas sonderbare Menschen. Was wohl damit zusammenhängt, dass der Vogel ziemlich zurückgezogen lebt. Das mit dem antiken Griechenland erkläre ich später.

Offene Landschaften mit Hecken

Lebensraum der kleinen Eule mit den gelben Augen und dem braun-weiß gefleckten Gefieder ist offenes Land mit Sitzwarten, von denen aus sie die Umgebung überblicken können. Sie benötigt Bruthöhlen und meidet Bereiche mit hoher Vegetation. In Wüsten kann sie ebenso leben wie in Weinbergen und auf extensiv bewirtschafteten Viehweiden oder Streuobstwiesen und andere kleinräumig gegliederte Landschaften mit Hecken und Feldgehölzen.

Jagd auf Mäuse

In solchen Gebieten findet der Steinkauz seine Beutetiere: Käfer, kleine Vögel, Amphibien und, vor allem, die vom Menschen als Schädling so gefürchteten Feldmäuse. Nach ihnen jagt er vor allem nachts oder in der Dämmerung. Mit seinen scharfen Augen kann er die Beute von seinem Ansitz aus gut sehen, er ist aber auch in der Lage, die Bewegungen der Tiere zu hören. Er fliegt dicht über dem Boden und folgt seinem Beutetier  danach im Laufen oder Hüpfen. Das ist der Grund, warum er stark bewachsene Untergründe meidet – dort kann er sich nicht so schnell zu Fuß bewegen.

Standorttreuer Vogel

Interessant ist die Standorttreue des Steinkauzes. Vor ein paar Jahren erzählte mir eine Freundin von einer Scheune im Süden Brandenburgs, auf dessen Dach häufig ein Steinkauz sitzt. Sie hatte eine Zeichnung mit dem Sitzplatz. Das Lustige: Der Vogel saß tatsächlich auf dem Dach – und zwar exakt an der Stelle, die auf der Zeichnung vermerkt war.

Kraulen, Knabbern und Singen als Paarungs-Ritual

Die Paarungszeit beginnt beim Steinkauz schon im Winter. Und sie ist eindrucksvoll. Da wird gesungen, gekrault und aneinander geknabbert und Männchen beschenken ihr Weibchen mit Beutetieren. Anschließend beziehen die Paare die Bruthöhlen in Bäumen.

Der Nachwuchs bleibt in der Nähe

Der Nachwuchs des Steinkauzes kommt nach etwa einem Monat Brutzeit zur Welt und schon mit weniger als einem Monat verlassen die Jungen zum ersten Mal die Höhle. Sobald sie ausgewachsen sind, suchen sie ihr eigenes Revier, das meist nicht weit entfernt ist.

Sinnbild der Göttin Athene

Der Steinkauz war schon vor Urzeiten bekannt und spielte eine Rolle in der Mythologie. Die Griechen sahen in ihm ein Sinnbild der Göttin Athene (er trägt sie sogar in seinem wissenschaftlichen Namen: Athene noctua). Und die Griechen bildeten ihn sogar auf ihren antiken Drachmen ab.

Was der Mensch tun kann

Vor dem Verlust seines Lebensraumes hat dieser Ruf den Steinkauz leider nicht bewahrt. Das Fällen von alten Obstbäumen und Kopfweiden vertreibt ihn ebenso wie intensive Landwirtschaft. Deshalb ist es eine große Aufgabe, dem Vogel wieder bessere Lebensbedingungen zu bieten. In der Nuthe-Nieplitz-Niederung zum Beispiel ist man schon seit 1992 dabei, Landnutzung zu extensivieren.

Steinkauz in der Nuthe-Nieplitz-Niederung

Streuobstwiesen und die Beweidung durch Schafe wurden wiederbelebt, Hecken und Sträucher gepflanzt. Außerdem wurde begonnen, die Vögel nachzuzüchten und den Nachwuchs auszuwildern. Das Ziel ist ehrgeizig: 150 Brutpaare sollen einmal im Naturpark leben. Erste Erfolge gibt es schon.

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5 thoughts on “Steinkauz: Kleine Eule mit großen Ansprüchen”

  1. Hallo und vielen Dank für den schönen Artikel!
    Dieser kleine Kauz ist mit seinem lustigen Gebahren und seinem Aussehen ein echter Sympathieträger… 🙂
    Es wäre wirklich schön, wenn wir ihn in Deutschland nicht verlieren würden. Deshalb möchte ich darauf aufmerksam machen, dass es beim Steinkauzprojekt in der Nuthe-Nieplitz (beim Landschafts-Förderverein) auch die Möglichkeit gibt, Steinkauz-Pate zu werden und selbst zum Schutz beizutragen…und dem Kauz dabei auch mal ein bisschen näher zu kommen.

  2. Hallo,
    bei uns im Pferdestall hat sich vor vielen Jahren ein Steinkauz angesiedelt. Er sitzt in der Zwischendecke und hat auch schon mehrfach Junge gehabt. In diesem Jahr waren es sogar mindestens 3 von denen eines es allerdings nicht geschafft hat.Im Stall sind im Sommer auch Schwalben ansässig worüber wir uns auch immer sehr freuen.Waren es früher meist ca. 3 Pärchen ist es seit einigen Jahren nur noch eins.Nun beobachten wir auch das in vereinzelten Sommern (oft nach der ersten Brut)keine Schwalbe mehr da ist. Kann es sein das der Steinkauz nachts die Schwalben fängt? Und wenn dem so ist gibt es eine Möglichkeit die Schwalben zu schützen?Liebe Grüße Marion

    1. Liebe Marion,
      das ist eher unwahrscheinlich. Eine Freundin von mir, die sich gut mit Steinkäuzen auskennt, hat mir gesagt, dass die Käuze zwar auch Vögel jagen, aber nur sehr kleine (kleiner als Schwalben). Außerdem sind Steinkäuze dämmerungs- und nachtaktiv, während Schwalben tagsüber fliegen. An die Schwalbennester dürfte der Kauz eigentlich nicht gehen, denn er jagt meistens am Boden. Ich könnte mir allenfalls vorstellen, dass sich die Schwalben einen anderen Brutplatz gesucht haben. Auf einigen Nabu-Internetseiten (https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/artenschutz/schwalben/13712.html und https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/helfen/nistkaesten/01086.html) habe ich Tipps gefunden, wie man Schwalben, die ja leider auch sehr selten geworden sind, helfen kann, zum Beispiel mit Nisthilfen. Ich finde es jedenfalls toll, dass Ihr Pferdestall so vogelfreundlich ist, und ein Steinkauz ist wirklich ein ganz besonderer Hausgast!
      Herzliche Grüße von Silke

  3. Hallo Silke, vielen Dank für die Antwort. Ich denke allerdings schon das es der Steinkauz ist,da ich schon selbst gesehen habe das er einen Vogel erbeutet hat der der Größe einer Schwalbe entsprach, zudem habe ich den Kauz, wieder einmal kurz vor dem Verschwinden der Schwalben, direkt im Stall „tagsüber“ überrascht.Vermutlich liegt es daran wieviel Nachwuchs er zu versorgen hat. Wenn es denn dann so ist,ist es auch nicht schlimm ,da wir beide Arten mögen. Ich überlege allerdings nächstes Jahr mal eine Kamera zu installieren, und schau,ob ich einen sogenannten „Panikroom“ für Schwalben“ baue :-). Eine kleine Idee habe ich schon. Vielen Dank. Herzliche Grüße von Marion

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