Wildnis auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf

Südwestkirchhof Stahnsdorf
Südwestkirchhof Stahnsdorf

Zu den ganz besonderen Orten direkt vor den Toren Berlins gehört für mich der Südwestkirchhof Stahnsdorf. Das liegt daran, dass dort die Natur eine genauso große Rolle spielt wie die Menschen, die auf ihm begraben sind. Dieser Friedhof ist aus gutem Grund ein Denkmal. Und ein reizvolles Ziel auch für Leute, die es normalerweise nicht so mit Friedhöfen haben.

Südwestkirchhof Stahnsdorf: Ein Friedhof vor den Toren Berlins

Entstanden ist der Stahnsdorfer Südwestkirchhof 1909 als Berliner Begräbnisstätte. In der großen Stadt war einfach kein Platz mehr für Friedhöfe, weshalb man vor die Tore ausweichen musste. Das, was dort entstand, war wirklich außergewöhnlich: ein Waldfriedhof ohne durchnummerierte Felder, mit einer Holzkapelle, die aussieht wie eine norwegische Stabkirche, mit schmalen und breiten Wegen und viel Platz für die Natur. Und mit S-Bahn-Anschluss, denn sogar eine Bahnlinie vom Bahnhof Wannsee vor die Tür des Kirchhofs wurde gebaut, was ihr schnell den Spitznamen „Witwenbahn“ einbrachte. Heute muss man auf anderem Wege kommen, denn die Bahn fuhr nur bis zum Mauerbau 1961, danach wurde sie eingestellt.

Lovis Corinth und Engelbert Humperdinck

Wer heute über den 206 Hektar großen Friedhof geht, der macht gleichzeitig einen Prominentenbesuch. In eindrucksvollen Mausoleen fanden Berühmtheiten wie die Politiker Rudolf Breitscheid und Otto Graf Lambsdorff, der Maler Lovis Corinth, der Komponist Engelbert Humperdinck, der Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau, der Industrielle Werner von Siemens, der Verleger Louis Ferdinand Ullstein und der Maler Heinrich Zille die letzte Ruhe. Neben vielen anderen, die Liste der Berühmtheiten ist lang. Seit kurzem ist hier auch der Berliner Schauspieler Manfred Krug begraben.

Wildnis und morbider Charme

Zwischen den Gräbern ist viel Platz, einige Grabsteine sind umgefallen und überwuchert, was dem Friedhof einen besonderen Reiz verleiht. Das Areal wird sehr behutsam erhalten – zum Glück geht es darum, diese besondere Atmosphäre zu erhalten und keinen „normalen“ Friedhof mit akkurat gepflegten Wegen und Gräbern daraus zu machen.

Südwestkirchhof Stahnsdorf: Lebensraum für viele Tierarten

Blickfänge auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf sind Engelsfiguren, Putten (Foto) und andere Skulpturen – und mit etwas Glück kann man Tiere sehen. 40 Vogelarten vom Schwarzspecht bis zum Waldkauz, Füchse und Fledermäuse leben auf dem großen eingezäunten Gelände – von den ungeliebten Wildschweinen ganz zu schweigen. Dazu kommen ungefähr 200.000 Bäume und teilweise seltene Gräser und Blumen. Eine herrliche Wildnis, die übrigens im Winter einen ganz eigenen, morbiden Charme hat.

  • Adresse: Bahnhofstraße, 14532 Stahnsdorf
  • Öffnungszeiten: 1.4.-30.9., 7-20 Uhr; 1.-31.10., 7-18 Uhr: 1.11.-28.2., 8-17 Uhr;  1.-31.3., 7-18 Uhr
  • Veranstaltungen und Führungen: www.suedwestkirchhof.de/veranstaltungen.html

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