Von Bäumen und Pilzen: Leben im Totholz

Pilze an Totholz
Pilze an Totholz Foto: Silke Böttcher

Von wegen Totholz ist tot! In einem umgefallenen Stamm oder an einem Baumstumpf wimmelt es nur so vor Leben. Unzählige Organismen, vom Käfer bis zum Baumpilz, sind unaufhörlich damit beschäftigt, das Holz zu zersetzen. Das kann manchmal Jahre dauern, aber irgendwann ist der Baum komplett verschwunden.

Totholz wird von unzähligen Pilzen besiedelt

Am auffälligsten sind die Pilze, die den toten Stamm besiedeln. Sie entziehen dem Holz zum Beispiel die Zellulose, was es brüchig macht, oder sie sorgen dafür, dass das Holz austrocknet. In einem Urwald gibt es 50 bis 200 Hektar Totholz pro Quadratmeter!

Riesige Zunderschwämme

In fast jedem gesunden Wald kann man Zunderschwämme sehen, die schon mal 30 Zentimeter groß werden und sich steinhart anfühlen. Diese Pilze wachsen übrigens nicht nur auf Totholz, sondern auch an kranken Bäume oder absterbenden Ästen. Und wer sich über den Namen wundert, der sollte wissen, dass Zunderschwämme früher sehr begehrt waren, weil man damit tatsächlich Feuer entfachen kann und weil man sie auf Wunden auflegen konnte, um Blutungen zu stillen.

Hexenbutter und Schwefelporling

Heutzutage nimmt die Zahl der Zunderschwämme ab, weil kranke oder tote Bäume aus vielen Parks entfernt werden.Das gilt auch für die anderen Baumpilze, die teilweise sehr eindrucksvolle Formationen bilden (siehe Foto). Es gibt unzählige Arten, die von Totholz leben, vom knallorangefarbenen Schwefelporling über die „Hexenbutter“ (die wirklich ein bisschen wie Butter aussieht) bis zum Austernseitling, der ein beliebter Speisepilz ist.

Viele Insektenarten leben in totem Holz

Neben Pilzen besiedeln die unterschiedlichsten Moose totes Holz im Wald, aber auch viele Insektenarten sind auf diesen Lebensraum angewiesen. Darunter Holzfliegen und Wildbienen, vor allem aber Käfer: Ein Viertel der heimischen Käfer lebt von Totholz – in Mitteleuropa sind 1340 verschiedene Arten in irgendeiner Lebensphase darauf angewiesen.

Seltener Bewohner im Wald: der Hirschkäfer

Der berühmteste ist gleichzeitig auch einer der seltensten: Der Hirschkäfer mit seinem eindrucksvollen Geweih kann bis zu siebeneinhalb Zentimeter groß werden. Die Aufräumaktionen im Wald sind Schuld daran, dass das Insekt des Jahres 2012 heute auf der Roten Liste der gefährdeten Arten steht.

Totholz als Lebensraum

Und wenn man jetzt auch noch an die anderen Tiere denkt, die abgestorbenes Holz nutzen – vom Vogel, der sich dort Höhlen baut, über den Baummarder bis zur Fledermaus -, dann wird klar, wie wichtig Totholz im heimischen Wald ist.


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