Unbeliebter Fischjäger: der Kormoran

Bei vielen Menschen hat der Kormoran nicht den allerbesten Ruf. Das liegt wohl hauptsächlich daran, dass sein Lieblingsessen – Fisch – auch bei uns sehr beliebt ist. Schon vor 200 Jahren wurde der Vogel gnadenlos verfolgt, selbst Soldaten zogen gegen den Kormoran ins Feld, und wer einen der Vögel erlegte, konnte zeitweise sogar mit einer Belohnung rechnen. Um 1900 war der Kormoran in Deutschland beinahe vollkommen ausgerottet.

Der Kormoran: Ansichten der Fischer

Das hat sich dank vieler Schutzmaßnahmen heute glücklicherweise geändert. In Brandenburg und Berlin gibt es wieder viele Kormorane. Der Vogel des Jahres 2010 hat aber immer noch mit menschlicher Anfeindung zu kämpfen. Besonders Fischer- und Anglerverbände werfen ihm vor, er dezimiere die Bestände unterschiedlicher Fischarten, besonders der Äsche. Außerdem, so wird oft weiter argumentiert, habe der Kormoran keine natürlichen Feinde, weshalb die Bestände unkontrolliert wüchsen.

Argumente der Naturschützer

Für beide Ansichten haben Naturschützer Gegenargumente. Zu den Fressfeinden des Kormorans gehören Waschbär, Habicht, Seeadler, Silbermöwe und Rotfuchs – wobei die vierbeinigen Räuber speziell nach bodennahen Nestern suchen. Und der Rückgang der Äsche, so der Nabu, hat hauptsächlich mit dem schlechten ökologischen Zustand der Gewässer zu tun und mit Schadstoffeinträgen. Außerdem kann das Einsetzen bestimmter, speziell gebietsfremder Fischarten in Teichwirtschaften Folgen für die Gewässer haben, weil schutzbedürftige Arten verdrängt werden können.

Vergrämen statt Abschießen

Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) zum Beispiel empfiehlt an Teichwirtschaften das Vergrämen der Vögel durch Drahtnetze und optische bzw. akustische Reize (außer Lasergeräten). Auch die Laichplätze bedrohter Fischarten könnten auf diese Art geschützt werden – in Zusammenarbeit zwischen Fischern und Naturschützern. An natürlichen Gewässern lehnen LBV und auch der Nabu Vergrämungsmaßnahmen ab, den Abschuss der Tiere überall.

Die Nahrung der Vögel

Der etwa gänsegroße Kormoran, den man an seinem schwarzglänzenden Gefieder mit hellen Spitzen und dem hellen Fleck am Kopf gut erkennen kann (Jungtiere sind graubraun), benötigt pro Tag etwa 350 Gramm Fisch. Bei der Jagd kann er bis zu 25 Meter tief tauchen und fängt den Fisch mit dem Schnabel. Die am häufigsten erbeuteten Fischarten, so der Nabu Schleswig-Holstein, sind Flussbarsch, Plötze, Stint und Kaulbarsch, die für Fischer interessanteren Arten wie Aal oder Maräne machen nur einen geringen Teil der Kormoran-Nahrung aus. Naturschützer können die Nahrungsgewohnheiten der Vögel anhand der Speiballen analysieren, die unverdauliche Nahrungsreste enthalten.

Kormorane in Berlin

Anfang März beginnt die Brutzeit des Kormorans, meist legen die Vögel ihre Nester in Kolonien in hohen Bäumen oder auf Klippen ab. Insgesamt gibt es in Deutschland ungefähr 24.000 Brutpaare. In Berlin kann man die geselligen Tiere auf der Insel Imchen sehen, in Brandenburg gibt es zum Beispiel eine Kolonie am Seddinsee, wo man sie beobachten kann.  Mehr über Kormorane verrät eine sehr informative Broschüre des Nabu.

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3 thoughts on “Unbeliebter Fischjäger: der Kormoran”

  1. Lieber Herr Winter, ich weiß gar nicht, ob die genauen Orte bekannt sind – ich werde mich aber mal erkundigen. Verfolgt wurden die Kormorane in ganz Deutschland.
    Herzliche Grüße
    Silke Böttcher

  2. Hallo,

    zum Konfliktthema Kormoran kann ich ergänzend zu der Nabu-Broschüre ein Buch empfehlen, welches in einem Kapitel einen – wie ich finde – sehr guten Über- und Einblick gibt:
    „Schwarzbuch Umweltpolitik in Brandenburg“ (2009)

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