Unkraut: Ein Ehrentag für ungeliebte Pflanzen

Löwenzahn
Löwenzahn Foto: Silke Böttcher

Haben Sie schon mal etwas vom Ehrentag des Unkrauts gehört? Doch, den gibt es. Und auch wenn er zu den kuriosen Feiertagen gehört wie der Tag der Ravioli am 20. März und der Ohne-Hose-Tag am 2. Mai (fragen Sie nicht…), finde ich ja, dass Unkraut ein bisschen Aufmerksamkeit absolut verdient hat. Am 28. März wird sie ihm zuteil.

Unkraut: Eindringlinge im Gartenbeet

Der Ehrentag wurde 2003 von Gartenbloggern begründet. Vielleicht, weil viele Gartenbesitzer die Nase rümpfen, wenn sie das Wort Unkraut hören. Und die Pflänzchen oft ganz schnell ausgerupft werden, wenn sie sich im Beet niedergelassen haben. Schließlich hat man sie nicht gesät oder gepflanzt, was sie zu unerwünschten Eindringlingen macht.

Ungeliebte Brennessel

Die Brennessel gehört dazu, der Löwenzahn und die Gewöhnliche Vogelmiere ebenfalls. Giersch gilt sogar als Gärtnerschreck, weil er viele unterirdische Triebe bildet und man ihn nur schwer wieder los wird. Die Liste der Unkraut-Pflanzen ist aber noch viel länger.

Insekten lieben Unkrautpflanzen

Interessant ist, dass Schmetterlinge und Bienen vermutlich ganz andere Pflanzen auf ihre persönliche Unkraut-Liste setzen würden. denn gerade Brennessel, Löwenzahn & Co. sind wertvolle Futter-, Nektar- und Eiablagepflanzen für sie. Und Klatschmohn, Acker-Kratzdistel, Hirtentäschel, Persischer Ehrenpreis, Kletten-Labkraut und Greiskraut ebenfalls.

Unkraut – Wildkraut – Beikraut

Ich selbst mag den Begriff Unkraut nicht – Wildkraut ist mir lieber, auch wenn er botanisch nicht ganz korrekt ist (er benennt wildwachsende krautige Pflanzen, die man essen kann). Manche sagen deshalb Beikraut dazu. Wobei die Bezeichnung eigentlich unwichtig ist. Die Abneigung des Menschen gegen diese Gewächse hatte jedenfalls Folgen – viele Pflanzen sind heute stark gefährdet. Grund ist der Einsatz von Herbiziden, zum Beispiel gegen den Wildpflanzenbewuchs am Rand vieler Äcker.

Viele Pflanzen sind selten geworden

Viele Pflanzen sind deshalb selten oder sehr selten geworden. Darunter die Kornrade (vom Aussterben bedroht), das Sommer-Adonisröschen (gefährdet), der Kleine Frauenspiegel (stark gefährdet), der Acker-Goldstern (gefährdet), die Kleinblütige Malve (gefährdet), der Lämmersalat (stark gefährdet), der Großkelchige Mannsschild (ausgestorben), die Ästige Sommerwurz (stark gefährdet), die Wilde Tulpe (gefährdet) und der Drüsige Ehrenpreis (stark gefährdet). Selten geworden, aber bisher glücklicherweise noch nicht gefährdet sind der Acker-Gauchheil, der Dolden-Milchstern und der Bunte Hohlzahn. Alle übrigens echte Schönheiten.

Viele Unkräuter sind wertvolle Heilpflanzen

Es ist eine Ironie des Schicksals, dass viele der Gewächse, die den Stempel „Unkraut“ tragen, sehr wertvolle und gefragte Heilpflanzen sind, die sich in vielen Natur-Medikamenten und Teemischungen finden. Zum Beispiel die Brennessel (hilft gegen Rheuma, Frühjahrsmüdigkeit, Gicht und Bluthochdruck) und der Löwenzahn (wirkt blutreinigend und gegen Nierensteine, Allergien, Gelenk- und Hauterkrankungen).

Giersch gegen Gicht

Hirtentäschel ist bekannt für seine blutstillenden, blutdruckregulierenden und verdauungsfördernden Eigenschaften. Der ungeliebte Giersch (Foto unten) ist ein Mittel gegen Gicht, Rheuma und Blasenentzündungen, die Acker-Kratzdistel heilt Erkrankungen des Darmes, der Galle und der Leber, Ehrenpreis wird gegen Juckreiz, Erkältungen, Blasenentzündungen, Akne und zur Anregung des Stoffwechsels eingesetzt. Kletten-Labkraut ist ein Mittel gegen Probleme des Verdauungssystems und der Haut. Die Liste ließe sich noch weiter fortsetzen.

Ehrentag des Unkrauts

Angesichts solcher Heilkräfte und der wichtigen Dienste, die diese Gewächse für Insekten und die Artenvielfalt leisten, finde ich einen Ehrentag des Unkrauts sehr angemessen. Oder am besten einen ganz neuen Begriff ohne „un“ am Anfang. Diese Pflanzen haben wirklich mehr Anerkennung verdient!

Tipps für Gartenbesitzer

Übrigens: Wer die Un- bzw. Beikräuter im Garten wirklich nicht haben will, sollte ihnen auf keinen Fall mit Chemie zu Leibe rücken. Auszupfen (am besten kurz nach einem Regenguss) oder Übergießen mit heißem Wasser hilft, man kann aber auch ein Unkrautvlies, Mulch oder Stroh aufs Beet legen, um den Wildwuchs zu verhindern. Hausmittel wie Essig oder Salzwasser sind nicht zu empfehlen – im Beet vernichten sie auch Gartenpflanzen und auf gepflasterten Flächen sind sie sogar verboten, weil die Flüssigkeiten in die Kanalisation geraten und dort Schaden anrichten können.

Unkraut im Naturgarten

Mancher Naturgärtner reserviert einen Platz für Unkraut-Pflanzen im Garten – sie kommen von ganz allein (mit ihnen ziemlich schnell viele Insekten) – und eine reiche Heilkräuter-Ernte bringen sie auch noch ein.


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