Unscheinbare Sensation im Botanischen Garten

Verarmte Segge Foto: M. Meyer/Bot. Garten u. Bot. Museum Berlin-Dahlem
Verarmte Segge Foto: M. Meyer/Bot. Garten u. Bot. Museum Berlin-Dahlem

Das ist doch bloß Gras…  Von wegen – es ist eine Sensation. Die Pflanze auf dem Foto ist eine Verarmte Segge, und in ganz  Deutschland gibt es in freier Natur nur noch ein einziges Exemplar! Damit ist sie die wohl seltenste Pflanzenart im ganzen Land. Aber jetzt gibt es gute Nachrichten – und die kommen aus Berlin. 

Die Verarmte Segge galt als ausgestorben

40 Jahre lang galt die Verarmte Segge als ausgestorben, bis ein Botaniker das einzelne Exemplar 2011 im Sauertal in Rheinland-Pfalz entdeckte. Schon das war eine Sensation.  Vor einiger Zeit nahmen Experten des Botanischen Gartens Berlin von der Pflanze einen Ausläufer – und hatten Erfolg mit ihrem Vermehrungsversuch: Jetzt bilden die Berliner Ableger die ersten Blüten und Früchte. Und damit ist das endgültige Aussterben der Verarmten Segge verhindert. Was nun wirklich eine große Sensation ist.

Vermehrung gelungen

Die Früchte werden jetzt in die Saatgutbank gebracht und werden irgendwann am Fundort des letzten wildlebenden Exemplars in den Boden gesetzt, wo sie sich dann weiter vermehren sollen. Was aus der Sensation ein Happy-End machen könnte – und es hoffentlich auch tut.

Anspruchsvolles Gewächs mit Vorliebe für lichte Wälder

Ich hatte von der Verarmten Segge bisher ehrlich gesagt noch nichts gehört. Und selbst mein Pflanzenbestimmungsbuch musste passen. Es ist gar nicht so leicht, etwas über die anspruchsvolle Pflanze herauszufinden. Sie gehört zur Familie der Sauergrasgewächse, wird zwischen 30 und 60 Zentimeter hoch und verdankt ihren ungewöhnlichen Namen der Tatsache, dass ihre Blütenstände weniger Blüten bilden als andere Seggenarten. Sie bevorzugt artenreiche, lichte Laubwälder in warmen Gebieten und ihre Samen sind sehr lange keimfähig – die Verarmte Segge kann schnell reagieren, wenn plötzlich im Wald ein Baum umfällt und eine lichte Stelle entsteht. Und darin liegt gleichzeitig auch ihr Problem, denn bewirtschaftete Wälder sind meist sehr dicht bewachsen und zu schattig für die Segge.

Im Botanischen Garten wurden schon mehrfach gefährdete Pflanzenarten vermehrt. Dazu gehören neben heimischen auch exotische Gewächse: Seit einiger Zeit wächst im Tropenhaus die seltene und höchst eindrucksvolle Seychellen-Kokosnuss.

298 total views, 1 views today


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Copyright © 2012-2017 Silke Böttcher · Wildes Berlin · All Rights Reserved

Facebook
thomas davisthomas davis