Uralte Maulbeerbäume und Seide aus Berlin

Maulbeerbaum
Maulbeerbaum

Die Früchte dieses Baumes sehen ein bisschen aus wie weiße Brombeeren, schmecken sehr lecker und könnten eigentlich wunderbar eine Karriere als Obst machen. Aber der Mensch hat etwas anderes mit ihnen vorgehabt – und so wurde die Maulbeere beinahe zum Abfallprodukt, während der Baum Wohnung für einen Schmetterling wurde. Und noch einiges mehr. In der Berliner Natur ist er nicht heimisch, aber an verschiedenen Stellen kann man ihn sehen.

Was die Maulbeere mit Seidenraupen zu tun hat

Die Weiße Maulbeere kommt ursprünglich aus China. Der Baum kann mehr als 15 Meter hoch werden, hat herzförmige Blätter und längliche weiße Früchte. Es gibt auch noch eine schwarze Variante des Baums, aber in dieser Geschichte geht es um die weiße. Denn die kam nicht wegen ihrer süßen Früchte nach Europa. Sondern weil sie eine tragende Rolle in der Seidenraupenzucht spielt. In ihren Blättern wachsen die Raupen des Seidenspinners heran. Die spinnen nach vier Häutungen einen Kokon um sich, der aus einem bis zu 900 (!) Meter langen Faden besteht.

Konventionelle Seidenproduktion ist grausam

Die Prozedur, mit der aus dem Kokon Seidengarn erzeugt wird, ist grausam: Die Puppen werden mit kochendheißem Wasser getötet, der Faden abgewickelt und dann weiterverarbeitet.  Es gibt allerdings auch alternative Methoden: Man wartet ab, bis der Schmetterling schlüpft. Dabei ätzt das Insekt mit einer körpereigenen Flüssigkeit ein Loch in den Kokon. Einen Endlosfaden wie bei der herkömmlichen Prozedur gibt es dabei deshalb nicht, sondern viele kurze Fadenstücke, die versponnen werden müssen. Diese Wildseide hat eine etwas unregelmäßige, leicht genoppte Oberfläche, die sehr edel aussehen kann.

Friedrich der Große ließ Maulbeerbäume pflanzen

Schon vor Jahrhunderten wurden in Deutschland Maulbeerbäume für die Seidenraupenzucht angepflanzt. Friedrich der Große ordnete den Anbau der Bäume 1742 sogar hochoffiziell an – er wollte Preußen von den Seidenimporten unabhängig machen. Zeitweise gab es in Preußen mehr als eine Million Maulbeerbäume! In Zernikow, Kummersdorf und Alt-Töplitz gibt es noch heute Bäume. Auch in Berlin stehen noch einige. Etwa ein 200 Jahre altes Exemplar an der Friedrichstraße 129 in Mitte (Ecke Claire-Waldoff-Straße, im hinteren Bereich der einstigen Hugenottensiedlung).

Attraktion in Zehlendorf

Oder auf dem alten Kirchhof in Zehlendorf, wo die Fotos entstanden sind: Die drei sehr knorrigen Bäume sind ungefähr 200 Jahre alt und haben Stammumfänge von bis zu vier Metern. Ein weiterer Baum steht auf dem Althoffplatz nahe des S-Bahnhofs Rathaus Steglitz. Sie alle erinnern an die Zeiten, in denen in Preußen Seide produziert wurde. Heute sind sie nur noch Blickfänge mit leckerer Fracht: Die abgefallenen Früchte der Schwarzen Maulbeere färben manchmal den ganzen Boden unter den Bäumen. Falls sie nicht vorher aufgegessen worden sind…

Japanpapier aus der Maulbeere

Übrigens werden die Holzfasern der Weißen Maulbeere, Kozu genannt, auch zur Herstellung von Japanpapier und anderen handgeschöpften Papieren eingesetzt. Weil das Holz sehr hart und haltbar ist, findet es außerdem auch als Rohstoff für Weinfässer Verwendung. Ein ziemlich eindrucksvoller Baum, oder?

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One thought on “Uralte Maulbeerbäume und Seide aus Berlin”

  1. es stehen auch maulbeerbäume in friedrichshagen, eine gründung von fII.
    gaststätten dort führen d. maulbeere im namen.
    in erkner gibt es einen beeindruckenden baum i.d. friedrichstrasse! und neupflanzungen an der brücke.
    und am oder-spree-kanal stehen auch ein paar bäume, die aber wohl aus adolfs zeiten stammen. auch er wollte unabhängig sein u. z.b. fallschirm-seide produzieren…
    das thema ist nicht ausgeschöpft!
    freundliche grüsse
    jo hartmann

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