Die Geheimnisse des Vogelzugs im Ökowerk

Storch Vogelzug
Der Storch gehört zu den Langstreckenfliegern beim Vogelzug

Der Vogelzug ist in vollem Gange – oft genug kann man die Schwärme sogar in Berlins Außenbezirken beobachten. Kraniche, Gänse und Enten ziehen in großer Zahl in Richtung Süden, und gleichzeitig machen sich ganz weit im Norden Vögel auf, um den Winter in Mitteleuropa zu verbringen. Wer mehr über den Vogelzug wissen möchte, der sollte am Sonntag ins Ökowerk kommen.

Vogelzug: Wer fliegt wie weit?

Der bekannte Umweltaktivist Dr. Ernst Paul Dörfler erklärt den Besuchern, welche Vögel allein fliegen, welche als Familie und welche im Schwarm unterwegs sind. Er weiß auch, wer am Tage fliegt und wer den Schutz der Nacht bevorzugt. Und erläutert, wie sich die Tiere orientieren und wie sie es schaffen, teilweise sehr große Distanzen zurückzulegen.

Von Kurz-, Mittel- und Langstreckenziehern

Wissenschaftler unterscheiden zwischen Kurz-, Mittel- und Langstreckenziehern. Kurzzieher sind Arten, die sich im Schnitt weniger als 2000 Kilometer von ihren Brutgebieten entfernen. Dazu gehören der Hausrotschwanz, die Mönchsgrasmücke, die Singdrossel und die Feldlerche. Sie zieht es überwiegend in das Mittelmeergebiet.

Die Küstenseeschwalbe legt 30.000 Kilometer zurück

Langstreckenzieher fliegen in eine ganz andere Klimazone und legen dafür meist mehr als 4000 Kilometer zurück. Viele von ihnen nutzen die Nacht, und einige starten schon im Spätsommer, wenn es noch warm ist. Zu den bekanntesten heimischen Langstreckenziehern gehören Gartenrotschwanz, Mauersegler, Rauchschwalbe, Kranich, Kuckuck, Nachtigall, Neuntöter und Storch. Zu den Extremfliegern gehört die Küstenseeschwalbe (sie legt auf ihrem Weg zwischen Nord- und Südpolarregion 30.000 und mehr Kilometer zurück).

Mittelstreckenflieger ziehen in Etappen

Mittelstreckenzieher liegen zwischen Kurz- und Langstreckenziehern, und sie legen ihre Strecken in Etappen zurück. Der Zilpzalp und viele Drossel-Arten gehören dazu.

Schnell und ausdauernd

Nicht nur die Streckenlänge ist erstaunlich. Die Tiere sind auch sehr schnell. Manche Singvogelart bringt es auf 50 Stundenkilometer, Gänse sind sogar doppelt so schnell. Und Schwalben schaffen 1000 Kilometer pro Tag! Dabei überfliegen sie Gebirge, Wüsten und große Gewässer.

Die Vögel haben einen Kompass im Bauch

Dabei finden die Tiere beim Vogelzug instinktiv ihr Ziel. Sie orientieren sich an Flüssen und Bergen, nach Mond und Sonne, es ist, als trügen sie einen Kompass im Bauch. Ältere Tiere erinnern sich an die Route und geben das Wissen an die Jungen weiter.

Energiesparender Flug

Vor dem Abflug fressen sich viele Vogelarten eine Energiereserve an (deshalb sieht man im Moment viele Kraniche auf Feldern). Unterwegs versuchen sie, so wenig Energie wie möglich zu sparen. So fliegen einige Arten in V-Formation (das tun zum Beispiel die Kraniche) – so können schwächere Tiere im Windschatten fliegen. Auch Aufwinde und Rückenwind nutzen die Vögel unterwegs. Und die Tiere sind in der Lage, Energie im Fettspeicher zu binden. Die Tiere verkleinern ihre Organe, unterwegs verbrennen sie dann Eiweiß aus den Muskeln.

Wintergäste aus dem hohen Norden

Während viele Vögel Mitteleuropa in Richtung Süden verlassen, kommen alljährlich etwa 60 Vogelarten aus nördlichen Gebieten nach Deutschland. Dazu gehören der Seidenschwanz, der Singschwan und der Tannenhäher.

Teilzieher und Daheimgebliebene

Übrigens gibt es auch Vogelarten, bei denen nicht alle Tiere ziehen – einige bleiben in ihren Brutgebieten. Diese Vogelarten nennt man Teilzieher. Strichvögel wiederum sind Tiere, die ihr Brutgebiet verlassen, aber in ihrem Breitengrad bleiben. Und dann gibt es Standvögel, das sind jene Arten, die das ganze Jahr über in ihren Brutgebieten bleiben.

Amsel, Kohlmeise und Grünspecht gehören dazu, auch der Spatz und das Rotkehlchen (bei dem, um es kompliziert zu machen, es wie bei anderen Vogelarten auch Exemplare gibt, die zu  Kurzstreckenzieher sind). Sie sparen sich zwar den weiten Flug, aber sie müssen den Winter überstehen, eine Zeit, in der Nahrung knapp ist. Einen Vorteil aber haben sie: Im Frühling gehören sie zu den ersten, die mit der Brut beginnen.

Vogelzug – Infos zur Veranstaltung im Ökowerk

  • Termin: Sonntag, 9. Oktober, 15 bis 16.30 Uhr
  • Adresse: Ökowerk, Teufelsseechaussee 22, 14055 Berlin
  • Eintritt: 4, Kinder 3 Euro
  • Tipp: von 13 bis 14.30 Uhr informiert Dr. Dörfler ebenfalls im Ökowerk über häufige und seltene Vogelarten

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