Von krummen Gurken und Möhren mit zwei Beinen

Die Welt ist schon komisch. Es gibt Gesetze, die festlegen, wie ein Gemüse aussehen soll. Zwar dürfen Gurken seit 2008 auch krumm sein, aber Zucchini müssen bestimmte Größen einhalten und werden je nach Aussehen in Klassen sortiert, für Äpfel, Gemüsepaprika und anderes Obst und Gemüse gilt Ähnliches. Eine Mohrrübe, die sehr gebogen ist oder sich gar in zwei „Beine“ aufteilt, hätte bei vielen Kunden keine Chance, ein winziger Apfel mit Beule oder die eigenwillig geformte Paprika wie anderes krummes Gemüse vermutlich auch nicht – selbst wenn sie genauso schmecken wie die äußerlich perfekten Artgenossen.

Krummes Gemüse als Geschäftsidee

Genau mit diesem Thema beschäftigen sich „Culinary Misfits“ („kulinarische Außenseiter“).  Dahinter verbergen sich die Berlinerinnen Lea Brumsack und Tanja Krakowski, die eine Vorliebe für Gemüse-Charakterköpfe haben. Bei ihnen landen krumme Möhren und gebogene Gurken im Kochtopf. Der Hintergedanke dabei:  Nachhaltigkeit. Irgendwann fiel den beiden auf, dass es Obst und Gemüse gibt, das aus Neuseeland nach Berlin gebracht wird und gleichzeitig so manches heimische Gewächs direkt auf dem Müll landet, bloß weil es krumm gewachsen ist.  Produkte aus ihren bizarr geformten Gemüsesorten haben sie schon bei ministeriellen Veranstaltungen serviert, demnächst wollen sie in Berlin einen Laden mit angegliedertem Restaurantbereich eröffnen.

Stadt macht satt. Oder?

In eine ähnliche Richtung geht die Ausstellung des Projekts „Stadt macht satt“ von Anja Fiedler und Sabine Hilscher. In der KochKunstGalerie Zagreus, die Kunst und Essen verbindet, kann man noch bis 28. März eine Rauminstallation bewundern, dazu kocht Uli Kraus aus dem krummen Gemüse, das aus der Berliner Stadtnatur, von Stadtbauernhöfen und Berliner Märkten stammt, ein leckeres Menü. Das Projekt denkt aber noch weiter und entwickelt Ideen, wie man in Berlin auf kleinstem Raum Lebensmittel herstellen kann. Urban Gardening heißt der Trend, den ich ziemlich gut finde. Tomaten oder Salat gedeihen schließlich auch auf dem kleinsten Balkon.

Erst Anfang des Jahres wurde eine Studie veröffentlicht, die erschreckende Zahlen genannt hat: Von den vier Milliarden Tonnen Lebensmitteln, die jährlich weltweit produziert werden, landen bis zu 50 Prozent auf dem Müll! Und gleichzeitig  leiden Millionen Menschen an Hunger. Da sollte die nicht perfekte Form einer Möhre nun wirklich kein Grund sein, sie in den Abfall zu werfen. Schließlich schmeckt krummes Gemüse genauso gut!

Ausstellung und Menü im Zagreus, Brunnenstr. 9a (2. Hinterhof): bis 28. März jeweils Mi/Fr, Sa, Anmeldung unter Tel. 030/28 09 56 40. Das Menü kostet 32 Euro

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