Der Waldziest liebt Wasser und Schatten

Waldziest
Waldziest Foto: Silke Böttcher

Manche verwechseln den Waldziest mit der Brennessel (wegen der Blätter). Andere mit einer Orchidee (wegen der Blütenform). Die Pflanze ist aber weder das eine, noch das andere. In manchen Wäldern in Berlin und Brandenburg kann man sie sehen.

Der Waldziest: Wo er wächst

Der zu den Lippenblütlern gehörende Waldziest liebt feuchte Bereiche an Waldrändern. Auch an Gräben mit ausreichend Schatten, an Wegen und in  Hecken wächst er gerne. Das Exemplar auf dem Foto hatte sich eine halbschattige Stelle direkt neben einem Bach mitten im Wald gesucht.

Die Blätter der Pflanze sind länglich-oval und bilden zum Stengel hin ein Herz. Am Rand tragen sie Zacken wie Brennessel-Blätter, und sie sind oft mit einem zarten Haarflaum bedeckt.

Blüten mit auffälligem Muster

Die wunderschönen Blüten, die zwischen Juni und September zu sehen sind, sitzen direkt am vierkantigen Stängel, sie bilden eine Art Ähre (um es kompliziert zu machen: Botanisch ist es eine Scheinähre, weil der Aufbau des Blütenstandes bei dieser Pflanze anders gestaltet ist als bei einer „richtigen“ Ähre). Auf Höhe der Blüten gibt es nur noch sehr kleine Blätter. Auffällig ist das Muster auf der Unterlippe der weinroten, manchmal auch violetten oder rosafarbenen Blüten. Bestäubt werden sie vor allem von Bienen und Schwebfliegen, gelegentlich bestäuben sie sich aber auch selbst.

Ähnlichkeit mit dem Sumpfziest

Die bis zu 1,20 Meter hohe Pflanze (das Exemplar auf dem Foto brachte es auf etwa 50 Zentimeter) hat große Ähnlichkeit mit dem Sumpfziest, der zudem einen ziemlich vergleichbaren Lebensraum hat. Allerdings sind die Blüten des Waldziests um einiges dunkler. Kompliziert wird es, wenn sich beide Arten kreuzen (was immer wieder vorkommt) – dann ist es sehr schwer, die Art zu bestimmen.

Eiförmige Früchte

Nach der Blütezeit bleiben nur noch die Ähren mit den Kelchblättern stehen, und darin bilden sich sogenannte Spaltfrüchte (Früchte, die mit der Reife in mehrere Teilfrüchte zerfallen – das gilt zum Beispiel auch für Doldenblütler und Storchschnabel-Gewächse). Die einzelnen Früchte des Waldziests werden etwa zwei Millimeter lang und sind braun und eiförmig.

Der Waldziest hat aber auch noch eine andere Art der Verbreitung: Er bildet unterirdische Ausläufer. Deshalb sieht man häufig viele der Pflanzen an einem Platz.

Waldziest: Spannendes über seinen Namen

Das Wort „Ziest“ stammt übrigens aus dem Sorbischen, die Urform lautet „čisćik“. Der botanische Name Stachys erklärt mehr: Er wird hergeleitet vom lateinischen Wort spica (Ähre) – was mit den Scheinähren zusammenhängt, die die Pflanze bildet. Mit vollem Namen heißt der Waldziest übrigens Stachys sylvatica, und auch das lässt sich erklären: Das Wort „sylvatica“ ist Teil vieler Pflanzennamen und bedeutet schlicht „waldbewohnend“. Was auf den Waldziest nun wirklich zutrifft!

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