Schneller Berliner: der Wanderfalke

Wanderfalke
Wanderfalke

Wenn Sie mal wieder die Laufschuhe anziehen, stellen Sie sich doch mal vor, gegen tierische Spitzenreiter anzutreten. Und damit meine ich Geschöpfe, die Ihnen auch in der Berliner Natur begegnen können. Am Boden und in der Luft. Einer davon wohnt auch in Berlin: der Wanderfalke.

Der Wanderfalke schafft Tempo 320

Ein kleiner Exkurs in die sportlichen Leistungen der Tiere: Richtig schnell sind zum Beispiel die Libelle, die es auf 50 Stundenkilometer bringt, der Gepard, gegen den sogar der Sprintstar Usain Bolt ziemlich alt aussehen würde (das Tier kommt auf 110 Stundenkilometer), die Taube (160 km/h) und die Kakerlake (5,4 km/h – auf die Körpergröße des Menschen umgerechnet wären das stolze 330 Stundenkilometer). Aber der Wanderfalke kann mehr als mithalten: Im Sturzflug bei der Jagd ist er 320 Stundenkilometer schnell!

In Berlin heimisch

Und auch im normalen Geradeaus-Flug würde er, wenn er einen Läufer begleiten würde, ganz schön trödeln müssen, damit der Mensch mithalten kann. Der Greifvogel fühlt sich in Berlin sehr wohl, weil die großstädtischen Häuser ganz wunderbare Hochsitze für ihn sind. In der freien Natur brütet er an Steilküsten, in der Großstadt kann es auch schon mal das Rote Rathaus sein, wo Naturschützer Nisthilfen für den Wanderfalken angebracht haben.

Der Nachwuchs verlässt das Nest nach 40 Tagen

Mit der Balz fangen die Greife schon im Februar an. Im März legen die Weibchen die Eier – Nester bauen sie nicht, sondern suchen Höhlen oder borgen sich verlassene Nester anderer Vögel. Der Wanderfalken-Nachwuchs ist schnell erwachsen: Schon nach ungefähr 40 Tagen verlässt er das Nest. Wenn ihm nichts passiert, kann er bis zu 15 Jahre alt werden.

Der Vogel fängt seine Beute im Flug

Weil sie in der großen Stadt an vielen Türmen und Dächern Platz finden, gibt es viele Wanderfalken – kein Wunder, dass der Vogel der wohl bekannteste Greif überhaupt ist. Manchmal sieht man ihn am Himmel segeln und hört sein klagendes „iiek-iek-iiek“. Von dem Tempo, zu dem er fähig ist, merkt man dann nichts. Eilig hat es der dunkelgraue Vogel mit der weißen Brust erst dann, wenn er jagt. Seine Beute sind kleine Vögel und früh fliegende Fledermäuse,  die er in der Luft fängt. Er segelt über ihnen und nutzt den Überraschungsmoment, um sich auf sie zu stürzen – bei seinem Jagdtempo haben die Beutetiere keine Chance.

DDT hätte den Wanderfalken beinahe ausgerottet

Dass der Wanderfalke heute wieder ziemlich häufig ist, ist ein großes Glück. Denn er stand lange am Rand der Ausrottung. Schuld waren die Verfolgung durch Taubenzüchter und das Insektizid DDT. Immerhin sorgte die hohe Todesrate bei den Wanderfalken schließlich dafür, dass DDT verboten wurde. Und heute? Ist der Vogel nicht mehr gefährdet. Bloß mit dem vielen Glas in Großstädten kommt er nicht so recht klar. Die Folgen sind tragisch: Jedes Jahr stirbt ein Drittel der jungen Wanderfalken beim Flug gegen Glasfassaden.


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