Warum der Ziesel „Männchen“ macht

Manche meinen, der Europäische Ziesel sei das seltenste Tier Deutschlands. Was stimmen könnte, denn es gibt vermutlich nur einen einzigen Ort, an dem der kleine Nager lebt. Nein, dieser Ort liegt nicht in Berlin oder Brandenburg. Aber weil der Ziesel ohne menschliche Hilfe in Deutschland wohl bald ganz verschwunden sein wird, ist es höchste Zeit, mal ein bisschen auf ihn aufmerksam zu machen.

Der Ziesel und das Eichhörnchen

Der Ziesel ist so groß wie eine Ratte (etwa 25 Zentimeter einschließlich dem buschigen Schwanz) und sieht ein bisschen aus wie ein sehr klein geratenes Murmeltier. Er gehört zur Familie der Hörnchen, ist also mit dem Eichhörnchen und dem Streifenhörnchen verwandt. Sein Fell ist graubraun und am Bauch etwas heller. Die Ähnlichkeit mit dem Murmeltier bemerkt man an seiner typischen Haltung: dem „Männchen“.

In Deutschland beinahe ausgestorben

Lebensraum des kleinen Nagers sind Steppen und Graslandschaften, vor allem auf dem Balkan, aber auch in der Türkei und der Ukraine. In Deutschland kam er bis etwa 1980 im Osterzgebirge nahe der tschechischen Grenze vor. Seither galt er als ausgestorben. Seit 2005 gibt es in dem Gebiet ein Wiederansiedlungsprojekt, die ersten fünf Tiere wurden zwei Jahre später in die Freiheit entlassen. Leider überlebte nur eines, vier fielen dem Habicht bzw. dem Hermelin zum Opfer.

Eine Wohnung in der Erdhöhle

Es ist eine Herausforderung, das Aussterben des Ziesels zu verhindern. Denn Trockenrasengebiete, der Hauptlebensraum des Nagers, gehören zu den am meisten gefährdeten Biotopen. Kulturland wie Parks und Gärten meidet er, Zersiedelung und intensive Landwirtschaft verdrängen ihn. Der Ziesel benötigt tiefgründige und nicht zu feuchte Böden, denn er gräbt sich seine Wohnung unter der Erde, die einen Meter tief liegt und bis zu fünf Eingänge hat. Tunnelröhren dienen als Fluchtwege.

Pfeifen und „Männchen“ machen

Ziesel sind tagaktiv und nur bei trockenem und warmem Wetter außerhalb der Höhlen unterwegs. Die schon erwähnte „Männchen-Haltung“ nehmen sie ein, um ihre Umgebung zu beobachten. Bei Gefahr stoßen sie ein schrilles Pfeifgeräusch aus und flüchten in den Tunnel.

Nahrung der Tiere sind Samen, Wurzeln, Gras, Kräuter, aber auch Insekten. Vorräte legen sie nicht an, sie können aber Futter in ihren Backentaschen aufbewahren.

Im April beginnt die Paarungszeit

Sobald die Ziesel aus dem Winterschlaf erwacht sind (etwa im April), beginnt die Paarungszeit, wenig später bringt das Weibchen zwei bis zehn Junge zur Welt. Der Nachwuchs ist anfangs blind und nackt und wird mit Muttermilch ernährt. Aber schon nach sechs bis sieben Wochen trennen sich die Jungen von der Mutter und den Geschwistern.

Fettreserve für den Winterschlaf

Wichtigste Aktivität der kleinen Nager ist: fressen, fressen und fressen. Denn sie müssen sich möglichst schnell ausreichend Fettreserven anlegen, weil sie schon Ende August mit dem Winterschlaf beginnen. Der dauert damit beinahe so lange wie der des Siebenschläfers, des Feldhamsters und der Haselmaus.

Ziesel im Osterzgebirge

Noch ist nicht sicher, ob die Wiederansiedlung des Ziesels nahe dem Ort Fürstenwalde im Osterzgebirge wirklich klappt. Sollte sich der Bestand der Tiere stabilisieren, plant der  BUND den Bau einer Aussichtsplattform, von der aus man den Zieseln beim „Männchen-Machen zusehen kann.

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