Weißdorn ist die Arzneipflanze des Jahres 2019

Weißdorn
Weißdorn

Der Weißdorn gehört zu den Pflanzenarten, die es zum Glück noch einigermaßen häufig gibt. Er wächst in Gebüschen und Wäldern, in Parks und auch in Gärten und ist mit seinen kleinen weißen Blüten im Frühling ein echter Blickfang. Dass er aber auch noch ziemlich eindrucksvolle Heilkräfte hat, ist weniger bekannt. Das sollte sich jetzt ändern, denn der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Uni Würzburg hat das Gewächs zur Arzneipflanze des Jahres 2019 gekürt.

Weißdorn gehört zu den Rosengewächsen

Weißdorn ist ein Strauch oder kleiner Baum mit anfangs glatter, im Alter schuppiger Rinde und den namensgebenden Dornen, die bis zu 2,5 Zentimeter lang werden können. Die zu den Rosengewächsen gehörende Pflanze (verwandt mit der Heckenrose, der Schlehe und unzähligen Früchten von der Birne über die Quitte bis zur Erdbeere) gibt es in Deutschland in drei Arten, die nur von Experten unterschieden werden können.

Die Früchte kann man essen

Die Blätter des Weißdorns (Crataegus monogyna) sind dreiteilig und glänzend, die wunderschönen Blüten weiß oder zartrosa. Im Mai und Juni sehen die über und über mit Blüten bedeckten Sträucher manchmal so aus, als sei Schnee gefallen. Später bilden sich runde rote Früchte, die man essen kann (der Geschmack ist süßsäuerlich und lassen sich gut zu Gelee verarbeiten).

Dornröschen und die Hoffnung

Die Menschen haben dem Weißdorn schon vor über 1000 Jahren besondere Fähigkeiten zugeschrieben. So soll das Gewächs den hundertjährigen Schlaf von Dornröschen verursacht haben. Es wird gesagt, dass die Dornenkrone Jesu aus Weißdornzweigen bestanden haben soll. Gleichzeitig gilt die Pflanze als Zeichen für Hoffnung.

Pflanze voller Mythen und Legenden

In einigen Gegenden wurden sie zur Abwehr von bösen Geistern genutzt, in anderen galten sie als Wohnung der Elfen. Kein Wunder, dass sich auch Künstler inspirieren ließen. Richard Wagner erwähnt die Pflanze (er nennt sie Hagedorn) in seiner „Götterdämmerung“, Bertolt Brecht in der „Dreigroschenoper“ und Marcel Proust gibt ihr in „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ sogar eine tragende Rolle.

Kraftvolle Heilpflanze

Allerdings ranken sich nicht nur Mythen und Gedichte um den Weißdorn – er wurde schon in der Antike als Heilmittel genutzt. Und seine Kräfte sind eindrucksvoll: Man verwendete ihn gegen Durchfall und Bauchschmerzen, zur Blutstillung und gegen Herzschwäche. Als Herzmittel dient er immer noch – Weißdornextrakte helfen unter anderem bei Herzmuskelschwäche, bei Rhythmusstörungen und Durchblutungsstörungen des Gehirns.

Gut fürs Herz

Die Pflanze, die die Zulassung als traditionelles pflanzliches Heilmittel hat, hilft auch gegen nervöse Herzbeschwerden, Stress und zur Vorbeugung einer Herzschwäche. Verwendet werden die Blätter und Blüten, beide enthalten oligomere Procyanide (das sind spezielle sekundäre Pflanzenstoffe), Flavone und Gerbstoffe. Die Inhaltsstoffe stärken die Kontraktionskraft des Herzens und erweitern die Gefäße, wodurch der Herzmuskel besser mit Sauerstoff versorgt wird. Das Mittel gilt als gut verträglich, man muss es aber einige Wochen einnehmen, bis es wirkt.

Weißdorn kann sehr alt werden

Ein Weißdornstrauch kann bis zu 500 Jahre alt werden. Und er gilt als sehr wertvolle Pflanze, denn er ist gleichzeitig Lebensraum und Nahrungsspender für viele Tierarten. Es heißt, dass 150 Insekten- und 30 Singvogelarten von ihm leben!

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