Wermut-Kraut: Eine Heilpflanze voller Mythen

Wermut-Kraut
Wermut-Kraut

Es gibt Pflanzen, um die sich Legenden ranken. Eine davon ist das Wermut-Kraut, ein Gewächs, aus dem ein Getränk hergestellt wird, das auch als „Grüne Fee“ bekannt ist. Und dem viele sehr berühmte Menschen verfallen waren. Doch der Reihe nach.

Wermut ist mit dem Beifuß verwandt

Wermut-Kraut (Artemisium absinthum L.) gehört zur Familie der Korbblütler und ist u.a. mit Beißuß, Eberraute und Estragon verwandt. Es wird meist um 50 Zentimeter hoch und verbreitet einen intensiven ätherischen Duft. Die Blätter sind gelappt – ein bisschen Ähnlichkeit haben sie mit denen der Glatten Petersilie. Und mit dem des Beifuß‘ auch.
Die gelben Blüten mit hängenden Köpfchen sitzen in Rispen an kurzen Stielen. Sie werden von Insekten, aber auch mit Hilfe des Windes bestäubt. Blütezeit ist zwischen Juli und September.

Vorliebe für trockene Böden

Ursprünglich kommt das Wermut-Kraut in Indien und Nordafrika vor. Es hat eine Vorliebe für trockene und sandige Böden, zum Beispiel auf Schuttflächen, neben Wegen und am Rand von Autobahnen. Letzteres könnte daran liegen, dass die Pflanze salzhaltige Untergründe mag – in diesen Bereichen wird gelegentlich im Winter Salz gestreut.

Mittel gegen Verdauungsprobleme

Wermut wird als Heilpflanze zur Appetitanregung und bei Verdauungsproblemen wie Magenschleimhautentzündung oder Blähungen genutzt. Auch die Lebertätigkeit soll es anregen. Grund sind die in der Heilpflanze enthaltenen Bitterstoffe. Verwendet werden die Zweigspitzen, die zu alkoholischen Auszügen verarbeitet werden. Auch als Tee kann man sie nutzen (Vorsicht, er schmeckt sehr bitter!). In der Homöopathie wird Wermut gegen Erregungszustände eingesetzt.

Hildegard von Bingens Maitrunk

Schon vor Jahrhunderten kannten die Menschen die besonderen Heilkräfte des Wermutskrautes. Hildegard von Bingen nutzte es es Maitrunk, der aus Wermutsaft, Honig und etwas Weißwein besteht und die Eingeweide reinigen und die Verdauung fördern soll.

Gegen Mäuse und Motten

In der Antike setzten die Menschen Wermut-Kraut ein, um den Appetit und die Verdauung anzuregen und Entzündungen zu bekämpfen. Und damit nicht genug: Es ist auch als Abtreibungsmittel bekannt, soll Mäuse von Büchern fernhalten (Mönche mischten es früher in ihre Tinte) und Motten von Kleiderschränken fernhalten. Das Gewächs hatte für die Menschen solch eine Bedeutung, dass es in Griechenland der Jagdgöttin Artemis und in Ägypten der Fruchtbarkeitsgöttin Bastet gewidmet wurde.

Ein Wermutstropfen

Es soll gegen Hexen und Dämonen gewirkt haben. Und gegen Schlaflosigkeit ebenfalls. Auch in die Poesie fand Wermut seinen Weg: Der Begriff „Wermutstropfen“ ist Synonym für etwas Schmerzhaftes und steht dafür, dass auch in einer schönen Erfahrung ein bisschen Bitterkeit stecken kann.

Zutat für Absinth

Allerdings hat Wermut auch eine dunkle Seite. Er enthält nämlich Thujon, das bei Überdosierung Benommenheit, Übelkeit und sogar Nierenschäden und Störungen des zentralen Nervensystems verursachen kann. Die Pflanze ist Zutat für Absinth, in dem auch noch Anis, Fenchel und Melisse stecken. Er war schon Anfang des 19. Jahrhunderts sehr populär – Berühmtheiten wie Ernest Hemingway, Vincent van Gogh, Oscar Wilde, Charles Baudelaire und andere waren begeisterte Absinth-Trinker. Manche behaupten, dass sich Vincent van Gogh im Absinth-Rausch ein Ohr abgeschnitten haben soll.

Wermut als Heilpflanzensaft

Wegen seines Thujon-Gehalts stand das Wermut-Getränk lange im Verdacht, abhängig zu machen – in vielen Ländern war es deshalb verboten. Heute ist Absinth fast überall wieder erlaubt, weil vermutet wurde, dass die gesundheitlichen Schäden früher durch die schlechte Qualität des Alkohols verursacht wurden. Inzwischen gibt es eine Obergrenze für den Gehalt von Thujon im Absinth. Wer die Heilkräfte des Wermuts alkoholfrei nutzen möchte, der kann es als naturreinen Heilpflanzensaft kaufen. 

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