Warum die Wilde Malve auch Käsepappel heißt

Wilde Malve
Wilde Malve

Die Wilde Malve gehört zu den Pflanzen, die auch im Oktober noch blühen. Und keine allzu großen Ansprüche an ihren Lebensraum stellen. Deshalb wird sie gern mit Unkraut verwechselt. Dabei hat sie so erstaunliche Eigenschaften, dass man sie eigentlich extra im Garten anbauen sollte.

Die Wilde Malve blüht noch im Oktober

Die Pflanze, die zwischen 30 und 100 Zentimeter hoch wird und fünfteilige Blätter hat, bildet ihre violetten Blüten zwischen Mai und Ende September bzw. Anfang Oktober. Sie haben fünf eingekerbte Blütenblätter mit dunkelvioletten Streifen.

Es gibt noch mehr Malvengewächse, und zumindest zwei davon haben große Ähnlichkeit mit der Wilden Malve: der Echte Eibisch (dessen Blüten allerdings weiß oder zartrosa sind) und die Weg-Malve.

Wenig Ansprüche an ihren Standort

Bevorzugter Standort der Wilden Malve (Malva sylvestris) sind Brachflächen, Straßenränder und lichte Wälder. Sie liebt trockene und nährstoffreiche Böden, und wo sie wächst, sind auch Bienen, Hummeln und Schwebfliegen nicht fern. Die Pflanze bietet ihnen reichlich Nektar und die Insekten übernehmen im Gegenzug die Bestäubung.

Die Früchte und der Regen

Wenig später bilden sich die Früchte. Sie sind nierenförmig und wie ein Ring angeordnet. Für die Verbreitung brauchen sie Regenwetter. Dann nämlich quillt der Kelch auf und öffnet sich, und die Regentropfen trennen die aneinanderhängenden Samen voneinander. Verbreitet werden sie zum Beispiel am Fell von Tieren.

Futterpflanze für viele Schmetterlingsarten

Es gibt viele Gründe, die Wilde Malve stehen zu lassen, wenn man sie im Garten entdeckt. Einer ist natürlich, dass sie sehr apart ist. Aber sie ist außerdem Futterpflanze für mehrere Schmetterlingsarten, Rüsselkäfer und die sehr seltene Langhornbiene, die ausschließlich von Malven lebt.

Käselaib und Kinderbrei

Die Pflanze ist außerdem ein gutes Küchenkraut und hat sogar Heilkräfte. Das alles hat ihr den Namen Käsepappel eingebracht: Den ersten Teil des Namens verdankt sie den käselaibförmigen Früchten und den zweiten deren Nutzung – sie wurden früher zu Kinderbrei (genannt „Papp“) verarbeitet. Mit der Pappel ist sie trotz ihres Spitznamens nicht verwandt. A propos Spitznamen: Man nennt die Wilde Malve unter anderem auch Rossmalve, Katzenkäse, Hanfpappel und Pissblume.

Leckere Salat-Zutat

In der Küche finden die Blätter Verwendung als Salat-Zutat. Auch die unreifen Samen kann man essen, sie haben einen angenehm nussigen Geschmack. Auch die Blüten passen in Salate. Früher wurden die Blätter außerdem als Verdickungsmittel für Suppen genutzt.

Heilmittel gegen Entzündungen

Und die Pflanze kann noch mehr. Ihre Blüten dienen als Farbstoff (sie färben gelb und grün) und der Gehalt an Schleimstoffen macht sie zum Heilmittel gegen Erkältungen, Halsentzündungen und Magen-Darm-Erkrankungen. Man bekommt die Pflanze als Tee, sie ist aber auch in einigen Haut- und Haarpflegeprodukten enthalten.

Die Wilde Malve: von wegen Unkraut!

Angesichts der vielen positiven Eigenschaften ist es kein Wunder, dass sich auch einige Mythen um die Pflanze ranken. Sie sollte Kindersegen voraussagen und wurde in einigen Gebieten als Weihpflanze für die Festlichkeiten zu Mariä Himmelfahrt im August verwendet – die Kräuter sollten die Menschen vor Krankheiten und ihre Häuser vor Blitzschlag schützen. Ob es geholfen hat, ist nicht überliefert. Aber es zeigt, dass die Menschen die Wilde Malve schon früher zu schätzen wussten. Unkraut ist sie also nun wirklich nicht!

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