Die Letzten ihrer Art – Ausstellung über Wildpflanzen

Bienen-Ragwurz
Bienen-Ragwurz Foto: Silke Böttcher

Es gibt unglaublich viele Pflanzen in Deutschland, die vom Aussterben bedroht sind. Warum das so ist und welche Rolle Botanische Gärten spielen können, zeigt die Ausstellung  „Die Letzten ihrer Art“, die gerade im Botanischen Garten Berlin zu sehen ist.

Wildpflanzen finden Asyl in Botanischen Gärten

Für viele Gewächse sind Botanische Gärten tatsächlich ein Asyl. In Berlin zählen die Arnika und das Breitblättrige Knabenkraut dazu – in der wilden Natur sind sie hier nur noch äußerst selten zu sehen. Die Ausstellung zeigt, was so alles verloren geht, wenn nichts unternommen wird. Neben vielen seltenen Pflanzen, die auf Roten Listen stehen und im Botanischen Garten eine neue Überlebenschance bekommen, gibt es reichlich Informationen, die sehr nachdenklich machen.

Die Letzten ihrer Art

Es gibt Arten, die deutschlandweit nur noch an ein, zwei Stellen wachsen. Etwa das Gelbe Galmeiveilchen, das schwermetallhaltige Böden benötigt und nur noch nahe Aachen einige Vorkommen hat. Oder der Stängellose Tragant. Das berühmte Edelweiß steht in der Roten Liste, weil immer noch gedankenlose Menschen es als Souvenir abpflücken, ähnlich ist es mit dem Frauenschuh, der leider häufig ausgegraben wird. Sie vor dem Aussterben zu schützen, ist eine große Aufgabe.

Spektakuläre und gefährdete Arten

Zu den spektakulären Arten, die sehr selten sind, gehören die Bocksriemenzunge (sie blüht zwischen April und Juni) und der Blattlose Widerbart, der 2014 Orchidee des Jahres war. Auch die Bienen-Ragwurz (Foto), eine wunderschöne Orchidee, gehört zu den stark gefährdeten Arten, in Berlin und Brandenburg gibt es sie gar nicht mehr. Auch ihre Blütezeit ist in diesem Jahr schon vorbei.

Pro Jahr sterben mehrere tausend Arten aus

Der Mensch trägt eine große Mitschuld am Verschwinden von Pflanzen. Mehrere tausend (!) Arten sterben pro Jahr aus, es heißt, dass bis zu 30 Prozent der einheimischen Blüten- und Farnpflanzen gefährdet und fast vier Prozent bereits ausgestorben und damit unwiederbringlich verloren gegangen sind. Damit hat Deutschland einen traurigen Spitzenplatz in Europa.

Geschädigte Ökosysteme und Umweltverschmutzung

Die Gründe sind vielfältig. So ist seit 1900 weltweit die Hälfte aller Feuchtgebiete zerstört worden. Zwölf Millionen Hektar Fläche werden pro Jahr zur Wüste, zwei Drittel aller Ökosysteme sind geschädigt. Zum Lebensraumverlust kommen Umweltverschmutzung, intensive Landwirtschaft, Begradigung von Flüssen und noch einige Gründe mehr.

Deutschlands Pläne bis 2020

Nur 0,57 Prozent der Fläche Deutschlands waren Anfang 2013 als Nationalpark geschützt, und Flächen wie Flussauen, große Waldgebiete und sandige Heidelandschaften sind weiterhin stark gefährdet. Immerhin hat sich Deutschland zum Ziel gesetzt, bis 2020 auf zwei Prozent der Landesfläche großräumige Wildnisgebiete zu schaffen. Ein Ziel: die Artenvielfalt zu sichern.

Bundesprogramm für Biologische Vielfalt

Schon 1992 wurde in Rio de Janeiro ein Übereinkommen über die biologische Vielfalt beschlossen, und es gibt eine Globale Strategie zum Schutz der Pflanzenwelt. 2011 hat Deutschland das Bundesprogramm Biologische Vielfalt festgelegt, und hier kommen unter anderen mehrere Botanische Gärten, darunter der in Berlin, ins Spiel. Geplant ist ein Schutzprogramm insgesamt 15 gefährdete Wildpflanzenarten – mit Sammlung von Saatgut, Vermehrungskulturen in den Gärten und Wiederansiedlung bzw. Stärkung der Populationen an ihren natürlichen Standorten.

Gefährdete Wildpflanzen – was Botanische Gärten tun

Die Ausstellung „Die Letzten ihrer Art – Gefährdete Wildpflanzen in Botanischen Gärten“, die im Botanischen Garten Berlin an zentralen Standorten am Hauptweg (nahe des Wassergartens) und in der Galerie des Botanischen Museums stattfindet, zeigt, wie das Schutzprogramm funktioniert und  wie geforscht und vermehrt wird. Und sie macht deutlich, wie wichtig Botanische Gärten auch sind, um den Menschen die Bedeutung der Pflanzenvielfalt zu erläutern. Auch die Folgen des Klimawandels sind ein Thema. Und natürlich gibt es viele der gefährdeten Wildpflanzen im Garten selbst zu sehen – mit einem speziellen Steckbrief.

Wildpflanzen-Ausstellung – Infos

  • Dauer: bis 30. August, tgl. 10-18 Uhr (bzw. Gartenöffnungszeiten, 9 Uhr bis Dämmerung)
  • Ort: Botanischer Garten (Hauptweg in der Nähe des Wassergartens) und in der Galerie des Botanischen Museums, Königin-Luise-Str. 6-8, 14195 Berlin
  • Eintritt: Erwachsene 2,50 €, ermäßigt 1,50 € (beim Garteneintritt 6 €, erm. 3 € ist der Museumseintritt inklusive)
  • Begleitheft zur Ausstellung als PDF unter dem blau unterlegten Link

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