Woher die Tollkirsche ihren Namen hat

Tollkirsche, Blüte
Tollkirsche Foto: Silke Böttcher

Es gibt Pflanzen, um die sich richtige Legenden ranken. Die Tollkirsche ist eine davon. Ein eindrucksvolles Gewächs mit braun-violetten Glockenblüten und tiefschwarzen Beeren, von denen man sich unbedingt fernhalten sollte. Die Wahrscheinlichkeit, die Tollkirsche zu sehen, ist in Berlin und Brandenburg allerdings sehr gering, denn die kalkliebende Pflanze ist hier extrem selten.

Wunderschön und extrem giftig: die Tollkirsche

Schon der botanische Name der Tollkirsche sagt einiges über die schöne und sehr giftige Pflanze aus, die an Waldrändern wächst und zu den Nachtschattengewächsen gehört (was sie zu einer Verwandten des Bittersüßen Nachtschattens macht): Atropa Belladonna setzt sich zusammen aus Mythen. Atropos ist diejenige der drei griechischen Schicksalsgöttinnen, die dafür zuständig ist, den Lebensfaden zu zerschneiden (was die Tollkirsche tatsächlich kann – siehe nächster Absatz). Und Belladonna – „schöne Frau“ – könnte daher kommen, dass Frauen früher den Saft der Tollkirsche in ihre Augen getropft haben, um ihre Pupillen zu vergrößern (was ihren Anbetern Verliebtheit vorgaukeln sollte. Dass damit häufig Sehstörungen verbunden waren, steht auf einem anderen Blatt).

Der Genuss der Beeren kann tödlich enden

Und auch der deutsche Name der Tollkirsche lässt sich erklären: Das Gift in den Beeren führt erst zu einem pelzigen Gefühl im Mund, später zu Halluzinationen (Tollheit – ein altdeutscher Begriff für Tobsucht), Herzrasen, Atemlähmung und Schluckstörungen – und im schlimmsten Fall zum Tod. Verschiedene Alkaloide, darunter Atropin, sind in den Beeren enthalten, und für Kinder können schon drei bis fünf Beeren tödlich wirken, bei Erwachsenen ist die Dosis höher. Weil auch Gift in den Blättern enthalten ist, sollte man die Tollkirsche lieber nur angucken und Kinder unbedingt ganz fernhalten.

Die Tollkirsche als Heilpflanze

Schon in uralten Zeiten befassten sich die Menschen mit der Pflanze. Hildegard von Bingen und Hieronymus Bock erwähnten sie, die Frauen des Mittelalters verwendeten sie, wie schon erwähnt, um ihre Pupillen zu erweitern, und man schrieb ihr magische Kräfte zu. Ein bisschen stimmt das sogar: Die Tollkirsche, oder besser das Atropin, wird noch heute medizinisch genutzt – gegen Magen-Erkrankungen zum Beispiel. Und in der Intensivmedizin nutzt man die Eigenschaft des Alkaloids, die Speichel- oder Magensaftbildung zu reduzieren. Auch in der Homöopathie wird die Tollkirsche eingesetzt.

Telefon Giftnotrufzentrale Berlin: 030/192 40

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