Wunder der Natur: Spektakuläre Pflanzen

Kussmundpflanze
Kussmundpflanze mit Früchten Foto: Gesche Hohlstein

Diese Pflanzen sind originelle Wunder der Natur. Und passen damit bestens in die Faschingszeit. Denn sie sehen ein bisschen aus, als hätten sie sich verkleidet. Womit endgültig bewiesen wäre, dass die Natur Humor hat. Das erkennt man schon an den Namen: Affenorchidee, Kussmundpflanze, Tanzende Mädchen, Wickelkindorchidee, Fliegende Ente oder Bienenragwurz heißen sie und man muss bei vielen von ihnen nicht viel Phantasie haben, um zu ahnen, wie diese Namen zustande gekommen sind. Neugierig geworden?

Wunder der Natur: die Kussmundpflanze

Wer die knallroten Deckblätter von Psychotria elata (bzw. poeppigiana) zum ersten Mal sieht, macht garantiert große Augen, denn sie sehen wirklich aus wie ein Kussmund. Was dem zu den Brechsträuchern gehörenden Gewächs den sehr passenden Spitznamen Kussmundpflanze beschert hat. Der Strauch ist in den Regenwäldern Zentral- und Südamerikas heimisch, in den englischsprachigen Ländern wird er auch Hot Lips genannt. Übrigens ändert die Pflanze nach einer Weile ihr Aussehen. Irgendwann nämlich bilden sich kleine weiße Sternblüten zwischen den wachsartigen roten „Lippen“.

Blütezeit ist zwischen Dezember und März, und um die Bestäubung kümmern sich Schmetterlinge, aber auch Kolibris.

Tanzende Mädchen aus Ostafrika

Warum Impatiens bequaertii auch als Tanzende Mädchen bezeichnet wird, kann man sofort sehen. Die weißen, etwa 1,27 Zentimeter langen Blüten sehen aus wie Mädchen im Rock und mit anmutig erhobenen Armen. Die Pflanze kommt aus den Regenwäldern in Ostafrika und gehört zu den Springkräutern (damit ist sie eine Verwandte des bei uns heimischen Großen Springkrautes).

Ein bunter Papagei

Aus der gleichen Gattung (Impatiens) stammt die Papageienblume, die auch als Kongo-Lieschen bekannt ist. Wobei das mit dem Papagei viel besser passt, denn die Blüte von Impatiens niamniamensis erinnert tatsächlich an einen rot-gelben Vogel. Das Lieschen bezieht sich auf die Verwandtschaft mit dem Fleißigen Lieschen, das auf vielen mitteleuropäischen Fensterbänken steht. Die wunderschöne Papageienblume ist in Ostafrika zuhause, wo sie in feuchten Bergwäldern wächst.

Das Kind in der Wiege

Die Familie der Orchideen hat viele spektakuläre Blüten. Eine davon ist Anguola uniflora (bzw. die sehr ähnliche Anguloa eburnea, siehe Foto unten), die ursprünglich aus den kolumbianischen Anden kommt. Die cremefarbenen Blüten haben die Form einer Kinderwiege – samt gewickeltem Kind. Ein Wunder der Natur, das man auch mit wenig Phantasie erkennen kann. Die Blüten erscheinen im Frühling und duften sehr angenehm.

Phalaenopsis und die Nachfalter

Zu den häufigsten Orchideen-Gattungen, die man im Gartencenter kaufen kann, gehört die Phalaenopsis. Ihr englischer Name erklärt, woran die Blüten erinnern: „Nachtfalter-Orchidee“ (moth orchid) wird sie auch genannt. Das Exemplar auf dem Foto unten hat aber viel mehr Ähnlichkeit mit einem grimmig guckenden Gesicht… Die  meisten der Pflanzen aus dem Gartencenter sind Hybriden, aber wild gibt es die Gattung Phalaenopsis natürlich auch. Heimisch ist sie vor allem in Asien, etwa auf den Philippinen und in Südchina. Sie liebt hohe Luftfeuchtigkeit und halbschattige Standorte.

Der Dracula aus dem Pflanzenreich

Dracula gibt es wirklich – und auch er gehört zu den Orchideen. Die drei äußeren Blütenblätter dieser Gattung, so heißt es, erinnern ein bisschen an fliegende Fledermäuse, was den Namen erklärt. Bei Dracula simia gibt es aber noch ganz andere Assoziationen: Die Blüten sehen nämlich exakt aus wie Affen-Köpfe. Was der Pflanze auch den Namen Affen-Orchidee beschert hat. Die Blüten der seltenen Schönheit, die wild nur in den Gebirgsregionen Equadors vorkommt, sind hellbraun, rotbraun oder cremefarben und das Gesicht hat, wie es sich für einen Affen gehört, zwei Augen, eine Nase und ein Maul mit Bart.

Darth Vader und die Pilze

Beim Namen Baumartige Pfeifenblume (Aristolochia arborea) waren die Wissenschaftler wenig humorvoll. Denn die Pfeifenblume aus den tropischen Regenwäldern Südamerikas sieht aus wie ein Totenkopf. Wie Darth Vader. Oder ein Außerirdischer mit riesigen Augen -auch wenn die nicht bei allen Exemplaren gut zu sehen sind. Die Pflanze ist eine Täuschblume, die den Fruchtkörper eines Pilzes imitiert, um damit bestimmte Mücken anzulocken. Diese zu den Osterluzeigewächsen gehörende Pflanze gibt es übrigens auch im Großen Tropenhaus im Botanischen Garten Berlin.

Woher die Fliegende Ente ihren Namen hat

Caleana major ist eines der besonders originellen Wunder der Natur. Die Blüte sieht nämlich exakt aus wie eine Ente beim Losfliegen (wenngleich das auch nicht alle Fotos so schön zeigen). Das hat der extrem seltenen Orchidee aus Australien auch ihren Namen“Flying Duck Orchid „eingebracht. Die zarte Blüte in Pink, Lila, Gelb und Grün imitiert die Ente wirklich perfekt – mit erhobenem Kopf, geschlossenem Schnabel und flatternden Flügeln. Erstaunlicherweise schafft sie es in ihrem natürlichen Lebensraum, mit der Umgebung zu verschmelzen und sich unsichtbar zu machen.

Pantoffeln, die Kälte lieben

Bizarr sehen die Blüten der „Zapatito de la Virgen“ (zu deutsch: Frauenschuh) aus, einer Pflanze, die offiziell Darwins Pantoffelblume heißt. Mit der Frauenschuh-Orchidee, die es auch in Deutschland gibt, ist sie nicht verwandt, sie gehört zu den Lippenblütlern. Das Gewächs, dessen Blüten nicht nur aussehen wie Schuhe, sondern ein bisschen auch wie kleine Wesen mit langem Gewand und ausgestreckten Ärmchen, ist in Feuerland heimisch – in einem Gebiet, das auf der Reiseroute von Charles Darwin lag. Die Pflanze bevorzugt deshalb ein kühles Klima.

Weißer Vogel aus Japan

Ein zauberhaftes Geschöpf in Schneeweiß ist die Japanische Vogelblume (Pecteiris bzw. Habenaria radiata). Der Name passt perfekt – die Blüten sehen aus wie ein flatterndes weißes Vögelchen. Ursprünglich kommt die etwa 40 Zentimeter hohe Orchidee mit den drei Zentimeter großen Blüten aus Japan, wo sie auf feuchten Wiesen steht. Weil die auch in Japan immer mehr verschwinden (sie müssen zum Beispiel Reisfeldern weichen), ist die Vogelblume sehr selten geworden.

Wunder der Natur – aus Deutschland

Natürlich gibt es noch viel mehr Blüten, die Tieren, Gesichtern oder anderem ähnlich sehen. Und nicht alle kommen aus exotischen Ländern: Auch in Deutschlands Natur kann man solche Pflanzen sehen: Das sehr seltene Affen-Knabenkraut zum Beispiel zeigt eine Figur mit Armen und Beinen. Auch beim Ohnhorn und dem Kleinen Zweiblatt (ebenfalls Orchideen) erkennt man Gestalten. Die Bienen-, Spinnen-, Fliegen- und Hummel-Ragwurz ähneln den Insekten, nach denen sie benannt sind (die Pflanzen locken damit männliche Insekten als Bestäuber an und sind deshalb gute Beispiele für Mimikry). Und wer bei den Ragwurz-Orchideen genau hinguckt, der entdeckt oft genug auch noch lachende Gesichter an diesen Wundern der Natur…

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Tarnen und Täuschen in der Natur

Ein Video auf YouTube mit einigen der genannten und noch anderen originellen Pflanzen

 

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