Der Gesang des Zaunkönigs

Zaunkönig
Zaunkönig Foto: Wolfgang Kühn

Der Zaunkönig hat einen großen Namen, dabei ist er winzig klein.  Gerade einmal elf Zentimeter misst er und ist noch dazu so gut getarnt, dass man ihn in der Natur glatt übersieht. Aber wenn er die Stimme erhebt, dann zeigt der kleine König Größe.

Der Zaunkönig kommt auf 90 Dezibel

Sein Gesang ist richtig laut – und das, obwohl der Zaunkönig (Troglodytes troglodytes) nur etwa neun Gramm wiegt. Bis zu 90 Dezibel erreicht er, was etwa dem Geräusch entspricht, das ein Lkw verursacht. Hören kann man den Gesang einen halben Kilometer weit.

Singender Schneekönig

Der Vogel trillert in hohen Tönen, die in ein hartes „trrr-trrr-trrr“ übergehen, wenn er sich aufregt oder Alarm schlägt. Und sogar im Winter singt er, was ihm früher den Namen „Schneekönig“ eingebracht hat (und den Menschen die Redewendung „er freut sich wie ein Schneekönig“).

Der Winzling und die Fabel

Der Zaunkönig gehört zu den kleinsten Vögeln Europas. Nur das Sommer- und das Wintergoldhähnchen sind noch kleiner. Die Größe ist es also nicht, die dem Zaunkönig den adligen Namen einbrachte. Woher er ihn hat, ist nicht sicher, aber es gibt eine schöne Fabel von Äsop, die ein bisschen etwas erklärt. Sie handelt davon, dass die Vögel einst den Entschluss fassten, den Artgenossen zum König zu küren, der am höchsten fliegt.

„König bin ich“

Der Adler überholte alle, aber er bemerkte nicht, dass sich der Zaunkönig in seinem Gefieder versteckt hatte. Als der Adler begann, wieder in Richtung Erde zu fliegen, kam der Zaunkönig hervor, flog weiter nach oben und rief: „König bin ich.“

Märchen, Sagen und Druiden

Dass seine List aufflog und er zur Strafe in ein Mauseloch gesperrt wurde (aus dem er wieder entkommen konnte), ist eine andere Geschichte. Auf alle Fälle taucht der kleine Vogel in vielen Märchen und Sagen auf. Druiden sollen seinen Ruf zum Wahrsagen genutzt haben und sogar in Gemälden findet er sich.

Unauffälliges Gefieder

Es ist nicht einfach, den Zaunkönig zu beschreiben, denn er ist wirklich unauffällig. Sein Körper ist rundlich, und den Schwanz trägt er oft hoch erhoben. Das Gefieder ist rötlich-braun, am Bauch etwas heller. An den Seiten trägt er ein dunkelbraun-helles Muster und über den Augen einen hellen Streifen.

Lebensraum Hecke

Lebensraum des Zaunkönigs, der zur Ordnung der Sperlingsvögel gehört (sie hat fast 6000 Arten, die hierzulande bekannteste ist der Spatz), sind Hecken und Gebüsche in Wäldern, Parks und naturnahen Gärten. Er mag die Nähe von Gewässern. Wichtig ist genug Unterholz, in dem er sich verstecken und auf Jagd gehen kann.

Fleißiger Insektenvertilger

Der kleine Vogel ernährt sich von Spinnen, Nachtfaltern, Ameisen, Stechmücken und Fliegen, gelegentlich frisst er auch Samen und Beeren. Auf Beutezug geht er überwiegend dicht über dem Boden, und er ist bewegt sich sehr geschickt durchs Unterholz. Mit seinem langen Schnabel stochert er in Rinden-Löchern nach Insekten.

Ein Zwerg, der Katzen vertreiben kann

Übrigens sind zumindest Zaunkönig-Männchen ziemlich furchtlos. Wenn Gefahr droht, ertönt ihr lauter Alarm-Ruf, mit dem sie sogar Katzen vertreiben können. Auch Artgenossen werden verscheucht, wenn sie in ein fremdes Revier eindringen.

Der Zaunkönig ist ein Nestbau-Künstler

Beim Nestbau ist der kleine Sänger einfallsreich. Er baut es in ovaler Form mit Eingang an der Seite. Moos, Blätter, kleine Äste, Blätter und Wurzeln dienen ihm als Baumaterial. Nur das Männchen baut das Nest. Wenn der Rohbau fertig ist (meist sind es sogar mehrere Rohbauten), beginnt das Männchen mit dem Balzgesang. Sobald ein Weibchen Interesse zeigt, führt ihm das Männchen eines der Nester vor, und wenn es ihr gefällt, signalisiert sie Paarungsbereitschaft.

Das Männchen lockt weitere Weibchen an

Sie ist es dann später, die das Nest auspolstert. Dass das Männchen in der Zwischenzeit weitere Nester fertigstellt und noch weitere Weibchen anlockt, weiß sie glücklicherweise nicht…

Eierschalen werden weit weggebracht

Fünf bis acht Eier brütet ein Zaunkönig-Weibchen aus, und es kümmert sich auch überwiegend allein um den Nachwuchs. Dabei ist es sehr sorgfältig. Die Eierschalen werden weit entfernt entsorgt und den Kot der Jungen trägt die Mutter auch aus dem Nest. Wenn die kleinen Zaunkönige das Nest verlassen können, hilft das Männchen bei der Fütterung.

Zaunkönig im naturnahen Garten

Der kleine Vogel, der früher gern in Käfige gesteckt wurde (das Fangen ist heute glücklicherweise verboten), ist in Deutschland nicht gefährdet, aber auch er leidet unter dem Verlust von Lebensraum. Wer einen Zaunkönig beherbergen möchte, sollte sich einen naturnahen Garten mit Hecken, Büschen und einem Reisighaufen zulegen. Und kann dann dem Gesang des Zaunkönigs lauschen…

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