Wie Zugvögel ihren Weg finden

Weißstorch
Weißstorch im Tiefflug Foto: Wolfgang Kühn

Der Vogelzug ist ein faszinierendes Phänomen. Woher wissen die Tiere, wohin sie fliegen müssen? Woran orientieren sie sich? Und wie schaffen sie es, unglaubliche Entfernungen zurückzulegen? Bei einem Vortrag des Nabu Berlin am 5. Dezember kann man viel darüber erfahren.

Zugvögel haben mehrere Flugrouten

Die europäischen Vogelzugrouten verlaufen an der Straße von Gibraltar und entlang des Rift Valley in Israel. Und die Tiere finden ihren Weg selbst dann, wenn sie ihn noch nie geflogen sind. Als Orientierung dienen ihnen Küstenlinien und Flüsse, der Sonnenstand, die Sterne am Himmel und sogar das Magnetfeld der Erde. Ein Navigationssystem, das perfekt funktioniert – ohne jegliche Technik.

Auf dem Weg in den Süden

Der Vogelzug bringt viel Bewegung ins Tierreich und ist nicht weniger eindrucksvoll als die großen Tierwanderungen in den Schutzgebieten in Afrika. Da verlassen pro Jahr etwa 100 Millionen Vögel Deutschland in Richtung Süden (etwa Kraniche und Weißstörche – Foto). Andere, darunter Seidenschwänze, Saatgänse und Singschwäne kommen aus dem hohen Norden zu uns. Manche Kurzstreckenzieher wie die Wacholderdrossel sind noch da und suchen nach den letzten Früchten und Beeren, bevor sie sich auch auf den Weg machen. Nicht ganz so weit, aber immerhin.

Ost- und Westroute

Viele Vögel fliegen auf der östlichen, andere auf der westlichen Route in Richtung Afrika. Vorbei geht es an der Straße von Gibraltat (Westroute) und der östlichen Mittelmeerküste (Ostroute). Einige Artenaus Asien kommen über den Bosporus und fliegen vorbei am nördlichen Ende des Roten Meeres bei Eilat (Israel) und über die arabische Halbinsel nach Afrika.

Gewaltige Entfernungen

Die Entfernungen, die manche Vogelarten dabei zurücklegen, sind unglaublich. Langstreckenzieher wie der Mauersegler, der Storch und der Gartenrotschwanz fliegen meist mehr als 4000 Kilometer weit, ich habe aber auch von deutlich längeren Routen gelesen. Der nordamerikanische Steinschmätzer zum Beispiel, der etwa so groß ist wie eine Amsel, kommt auf über 15.000 Kilometer. Eine Rekordhalterin ist die Küstenseeschwalbe, die an Grönlands Küsten brütet und in der Antarktis überwintert – um ihr Winterquartier zu erreichen, legt sie über 20.000 Kilometer zurück!

Flughöhen bis 8000 Meter

Auch die Flughöhen sind eindrucksvoll. Die meisten Zugvögel fliegen in 1000 Metern Höhe, aber zum Beispiel Singschwäne und Mauersegler schrauben sich in über 8000 Meter Höhe. Störche schaffen immerhin 4800 Meter.
Viele Zugvögel sieht man nie – sie sind überwiegend nachts unterwegs. Das liegt daran, dass es in diesen Stunden meist windärmer ist. Dabei fliegen besonders größere Vögel gern in V-Formationen, um Kraft zu sparen. Die Vögel an der Spitze wechseln sich regelmäßig ab.

Vortrag von Andreas Meißner

Bei dem Vortrag erfahren die Zuhörer, wie in den Forschungsstationen entlang der Zugwege die Zahl der Vögel ermittelt wird. Dr. Andreas Meißner von der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg erzählt vom Vogelzug über der Straße von Gibraltar und sagt, wie das vom Land Brandenburg unterstützte spanische Forschungs- und Wiederansiedlungsprojekt Fundación Migres (www.fundacionmigres.org – Seite nur Spanisch) über das Zugverhalten von Greifvögeln und Störchen forscht.

Dazu gibt es wunderschöne Bilder des Berliner Naturfotografen und Journalisten Thomas Krumenacker (www.krumenacker.de) über den Vogelzug am Rift Valley in Israel.

Vogelzug – Infonachmittag

  • Termin: Sonnabend, 5. Dezember, 16 Uhr (Dauer: etwa 4 Stunden)
  • Ort: Nabu Berlin, Geschäftsstelle Wollankstraße 4, Wedding
  • Eintritt: frei, Spenden willkommen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Copyright © 2012-2017 Silke Böttcher · Wildes Berlin · All Rights Reserved

Facebook
thomas davisthomas davis