Geselliger Winzling: die Zwergfledermaus

Die Zwergfledermaus macht ihrem Namen wirklich alle Ehre. Wenn sie ihre Flügel anlegt, passt sie in eine Streichholzschachtel! Bei einer Fledermausführung zu Halloween kann man ihr jetzt im Fort Hahneberg begegnen. Am gleichen Abend lohnt sich außerdem ein Besuch des Fledermauskellers in der Zitadelle Spandau.

Die Zwergfledermaus bevorzugt städtische Gebiete

Im Fort Hahneberg kann man nicht nur die Zwergfledermaus, sondern auch den Großen Abendsegler und andere Fledermausarten sehen, die in Berlin wohnen. Auf dem Gelände stehen die Chancen gut, denn es gibt sowohl Wald (den der Abendsegler bevorzugt), als auch Stadtgebiet (wo man die Zwergfledermaus antreffen kann). Die Gebäude des Forts bieten den Tieren Unterschlupf für die Sommer- wie für die Winterzeit.

Eines der kleinsten Säugetiere in Europa

Die Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) ist in Europa die wohl am meisten verbreitete Fledermausart und gleichzeitig eines der kleinsten Säugetiere. Maximal fünf Zentimeter lang wird sie und kommt auf gerade einmal fünf Gramm. Ihre Ohren sind dreieckig und an der Spitze abgerundet, das Fell ist an der Oberseite dunkel- und an der Unterseite graubraun.

Übrigens gibt es eine Art, die noch ein bisschen kleiner, dafür aber kaum bekannt  ist: Sie heißt Mückenfledermaus.

Auf Jagd in Parks und an Gewässern

Die Zwergfledermaus jedenfalls teilt sich ihren Lebensraum mit den Menschen. In Städten und Dörfern kann man sie in der Dämmerung sehen, wenn sie in Parks oder in der Nähe von Teichen auf Jagd geht. Meistens fliegt sie nur drei bis fünf Meter hoch. Mit einem Vogel verwechseln kann man sie kaum, denn sie hat den typischen Zickzack-Flug der Fledermäuse. In der Luft wirkt sie deutlich größer – immerhin hat sie eine Flügelspannweite von 25 Zentimetern.

500 Insekten in einer Stunde

Besonders gern jagt sie zwischen Bäumen oder unter Brücken. Und sie ist äußerst erfolgreich: 500 Insekten kann sie in einer Stunde erbeuten, in einer Nacht kommt sie auf ein Drittel ihres eigenen Körpergewichtes.

Wohnen in Hausspalten

So klein wie sie selbst ist auch die Wohnung der Zwergfledermaus. Sie zieht sich in Spalten in den Wänden von Scheunen, Dachböden oder Kirchtürmen zurück oder sucht Hohlräume hinter Wandverschalungen oder zwischen Ziegeln. Ein fingerbreiter Spalt wird zum Einflugloch.

Gesellige Flattertiere

Im Sommer finden sie Platz in den Spalten der Bauten, im Winter suchen sie ebenfalls trockene Hohlräume und Spalten in Gebäuden, auch in Kellern. Oftmals überwintern Hunderte oder mehr Tiere an einem Ort. Meistens sind Sommer- und Winterquartiere nur wenige Kilometer voneinander entfernt.

Nachwuchs kommt im Juni zur Welt

In den Zwergfledermaus-Wochenstuben leben im Sommer oft 50 Fledermausmütter mit ihren Jungtieren auf kleinster Fläche zusammen. Der Nachwuchs, der ungefähr im Juni auf die Welt kommt, braucht aber nur sehr wenig Platz: Eine neugeborene Zwergfledermaus ist nur etwa so groß wie eine Biene!

Paarungszeit ist im September, danach beginnt der Winterschlaf – die Weibchen „speichern“ den Samen während des Winters in ihrem Körper, die Tragezeit beginnt erst im nächsten Frühling.

Zuviel Ordnung bedroht den Lebensraum der Fledermäuse

Was die Zwergfledermaus und viele andere Fledermausarten bedroht, ist das Verschwinden der Schlafplätze durch allzu sorgfältiges Abdichten und Renovieren von Speichern und Scheunen. Plätze wie das Fort Hahneberg und die Zitadelle Spandau sind deshalb besonders wichtig. Übrigens richten  Zwergfledermäuse in ihren Unterschlüpfen keinerlei Schaden an – wer ihnen helfen will, dichtet sein Dach nicht restlos ab oder lässt Ritzen in der Scheune ungefüllt und gibt den Winzlingen die Chance, einen Unterschlupf zu finden.

Führung im Fort Hahneberg

Bei der Führung im Fort Hahneberg gibt es viele Informationen über das Leben der Fledermäuse, ihre Jagdweise, das Ortungssystem, mit dem sie jagen, und ihre Lebensräume. Dabei wird gezeigt, wie man den Ruf der Tiere für menschliche Ohren hörbar macht (Termine: 30. und 31. Oktober, jeweils 19.30-21 Uhr, Fort Hahneberg, Hahnebergweg 50. Anfahrt Reimerweg (Busse 137, M37, M49, X49), Parkplätze an der Heerstraße/Ecke Bergstraße (von dort 500 Meter Fußweg). Kosten: 5 Euro, Kinder bis 14 J. 1 Euro. Bitte mitbringen: Taschenlampe, feste Schuhe. Anmeldung erforderlich (Namen und Zahl der Personen angeben – bitte anfragen, ob noch Plätze frei sind): fledermaus@forthahneberg.de.

Zwergfledermaus & Co. in der Zitadelle Spandau

Sehr lohnend ist auch der Besuch des Fledermauskellers auf der Zitadelle Spandau. In dem Schaugehege leben tropische Fledertiere, außerdem gibt es dort eine sehr spannende Ausstellung über Fledermäuse und ihre Lebensweise. Zusätzlich werden regelmäßige Führungen zu den Schlafplätzen angeboten (31. Oktober: 17 Uhr; 6./7./14. November, 17 Uhr). Der Fledermauskeller ist am 31. Oktober von 17 bis 22 Uhr geöffnet, Eintritt 2, erm. 1 Euro. Adresse: Zitadelle Spandau, Haus 4, Fledermauskeller, Am Juliusturm, Spandau. Info: www.bat-ev.de

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