Einsiedler in der Baumhöhle: der Eremit

Eremit
Eremit

Der Käfer auf dem Foto ist ein Eremit. Und der Name passt perfekt, denn man sieht ihn so gut wie nie. Er lebt sehr zurückgezogen. Wie ein Einsiedler eben. Nur dass der Käfer Baumhöhlen als Wohnung wählt. In der Berliner Natur habe ich ihn noch nie gesehen. Aber in Brandenburg: Das Foto ist in der Nähe von Caputh entstanden, in einem Gebiet mit vielen alten Bäumen und reichlich Totholz. Ein Paradies für Käfer.

Der Eremit ist extrem selten

Auf den ersten Blick hat der Eremit (Osmoderma eremita) ein bisschen Ähnlichkeit mit dem Mistkäfer. Aber man sieht ihn sehr viel seltener, denn das Insekt steht in ganz Deutschland auf der Roten Liste – in der Kategorie 2, die die sehr gefährdeten Arten enthält. Das Insekt ist ungefähr vier Zentimeter lang und hat einen braunschwarzen, leicht glänzenden Körper, dessen Oberfläche ein bisschen uneben ist.

Eine Wohnung in der Baumhöhle

Der Eremit gehört zur Familie der Blatthorn- und der Unterfamilie der Rosenkäfer. Sein bevorzugter Wohnort sind, wie eingangs schon erwähnt, Baumhöhlen. Die verlässt er nur sehr selten. Am größten sind die Chancen, ein Männchen zu sehen, wenn es bei an heißen Sommertagen vor der Höhle auf ein Weibchen wartet. Um es anzulocken, wendet er einen Trick an.

Intensiver Sexuallockstoff

Manche kennen den Eremiten nämlich auch als Juchtenkäfer – den Namen verdankt er der Tatsache, dass das Männchen einen Sexuallockstoff verströmt, dessen Duft an Juchtenleder erinnert. Wobei ich, ehrlich gesagt, keine Ahnung habe, wie Juchtenleder riecht. Irgendwo im Internet stand aber auch, dass der Eremit ein bisschen nach Aprikose duftet. Überprüft habe ich es nicht, denn wir haben erst zuhause herausgefunden, welcher Käfer uns da überhaupt begegnet ist.

Der Käfer wird nur wenige Wochen alt

Die Paarung vollziehen die Käfer in der Höhle. Danach legt das Weibchen bis zu 80 Eier in den Mulm (so nennt man das zerfallende Holz in alten, noch lebenden Bäumen) ab. Die Larven, die wenig später schlüpfen, ernähren sich von den Holzfasern, aber auch von dem Pilz, der den Baum zersetzt. Es dauert bis zu vier Jahre, bis aus den Larven neue Eremiten geworden sind!  Danach aber endet ihr Leben sehr schnell: Die Männchen werden nur drei Wochen, die Weibchen drei Monate alt.

Ein Leben in der Baumhöhle

Dass man den Eremit so selten sieht, liegt daran, dass er vor allem in hoch gelegenen trockenen Baumhöhlen lebt. Und dass es nur noch wenige Wälder mit alten Bäumen gibt – die Begegnung bei Caputh war also ein richtiger Glücksfall.  

Schutzgebiete für einen Käfer

Es sind besonders Eichen- und Auwälder, in denen man den Käfer sehen kann, jene naturnahen Gebiete, die sehr selten geworden sind. Aber es gibt Hoffnung: Sobald in einem Gebiet ein Eremit auftaucht, muss es laut FFH-Richtlinie unter Schutz gestellt werden. Bäume mit Höhlen und Faulstellen dürfen dann nicht mehr gefällt werden. Sollten sie einsturzgefährdet sein, müssten notfalls sogar Wanderwege umgeleitet werden.

Anspruchsvoll und standorttreu

Das ist auch sinnvoll, denn der Käfer entfernt sich meist nicht weit von seiner einstigen Kinderstube. Der Eremit ist ein echter Wärmeliebhaber, der unter 25 Grad nicht fliegt. Und wenn er es bei wärmeren Temperaturen doch tut, dann nie mehr als 200 Meter. Meistens bleibt er, und so gibt es Bäume, in denen sehr viele Eremiten leben – und das schon seit langer Zeit.

Der Eremit und “Stuttgart 21”

Etwas bekannter wurde der Eremit übrigens bei den Diskussionen um Stuttgart 21. Er sorgte Ende 2011 für einen zeitweiligen Stopp des Bauprojekts, weil mehrere alte Bäume im Schlossgarten gefällt werden sollten. Bäume, in denen der Käfer lebt…

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