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Die Kiefer in Berlins Wäldern

Dichter haben für die Kiefer eine romantischere Bezeichnung gefunden: „Föhre“ nennen sie den Baum, ohne den der Grunewald um einiges anders aussehen würde. Als Weihnachtsbaum ist er nicht die erste Wahl, aber ich finde, dass er etwas mehr Aufmerksamkeit verdient.

Kiefer: Ersatz für Kriegs-Kahlflächen

Viele Bäume wurden nach dem Zweiten Weltkrieg gesetzt – in den Kriegsjahren hatte Berlin beinahe die Hälfte an Wald verloren: 3500 Hektar kahle Fläche waren entstanden. Zwischen 1949 und 1959 wurde kräftig aufgeforstet. 66,7 Millionen Pflanzen und 3650 Zentner Laubholzsamen wurden gesetzt, viele Kiefernsamen stammten aus einer Spandauer Plantage.

Vorliebe für trockene, sandige Böden

Die Waldkiefer (Pinus sylvestris, auch als Gemeine Kiefer bekannt) fühlt sich auch heute in Berlin wohl, in Brandenburg sowieso. Der trockene, sandige märkische Boden macht ihr keine Probleme. Ihre Wurzeln sind so lang, dass sie trotzdem die tief liegenden Wasserschichten erreichen kann.

Lange Nadeln

Mit ihren langen blaugrünen Nadeln und dem oft knorrigen Wuchs kann man die Kiefer kaum mit anderen Nadelbäumen verwechseln. Ihre Rinde ist rotbraun und bei älteren Bäumen rissig. Die Nadeln bleiben auch im Winter am Baum (das gilt übrigens für alle Nadelbäume mit Ausnahme der Lärche). Sie sind fest und oft mit einer wachsartigen Schicht überzogen.

Die Nadeln haben eine wichtige Aufgabe für den Baum: Sie sorgen für die Belüftung und Verdunstung, außerdem verlaufen in ihnen Harzkanäle. Die lange spitze Form dient der Taubildung – auf diese Weise verschafft sich der Baum zusätzliches Wasser.

Symbiose mit Pilzen

Zu Füßen der Wald-Kiefer stehen häufig Fliegenpilze – kein Wunder, die beiden Gewächse gehen gern eine Symbiose (genannt Mykorrhiza) ein. Der Pilz liefert dem Baum Wasser und Nährsalze, der Baum revanchiert sich mit Enzymen.

Blüte im April

Im Frühling (etwa im April und Mai) sollte man sich die Kiefern mal genauer ansehen. Dann nämlich beginnen sie zu blühen. Anfangs sind die kugelförmigen männlichen Blüten gelbgrün, später dehnen sie sich auf zwei Zentimeter Länge aus und werden rötlich-braun.

Die weiblichen Blüten sind rötlich und werden bis zu acht Zentimeter lang – aus ihnen bilden sich später die Zapfen, die anfangs grün sind und im Winter dann die typische graubraune Zapfenfarbe annehmen.

Pollensegen für Bienen

Wer im Frühling in Berlin unterwegs ist, dem fallen manchmal die gelben Staubschichten auf, die zum Beispiel in Pfützen zu sehen sind. Es sind die Pollen der Kiefer, die sich über die Stadt verteilen. Allergiker sind nicht so glücklich darüber, aber für Bienen ist diese Zeit das reinste Fest, denn der Pollen ist eine wichtige Nahrungsquelle für sie.

Samen reifen über mehrere Jahre

Die Zapfen sind kein Zufallsprodukt: In ihnen wachsen die Samen heran. Sie lassen sich viel Zeit, erst nach drei Jahren lösen sie sich. Es sind kleine Kügelchen, die an länglichen Flügeln hängen. Und sie sind so an den Flughilfen aufgehängt, dass sie vom Wind weit weggeweht werden können. Auf diese Weise sichert die Kiefer ihre Verbreitung, falls nicht Eichhörnchen oder Vögel diese Aufgabe übernehmen.

Kiefer: Problematische Monokultur

Interessant ist, dass die Wald-Kiefer in Deutschland gar nicht unbedingt häufig wäre, wenn nicht der Mensch nachgeholfen hätte – er baut den Baum großflächig an und hat dafür gesorgt, dass er nach der Fichte in Deutschland die zweithäufigste Baumart ist. Leider wird er sehr oft in Monokultur angebaut, und Monokulturen sind besonders anfällig gegen Schädlinge und Unwetter. Aus diesem Grund ist man mittlerweile dabei, solche Flächen in naturnahe Misch- und Laubwälder umzugestalten.

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