Auszeit in der Feldberger Seenlandschaft

Feldberger Seenlandschaft, Schmaler Luzin
Schmaler Luzin in der Feldberger Seenlandschaft

Die Feldberger Seenlandschaft im Süden Mecklenburg-Vorpommerns gehört für mich zu den schönsten Regionen in Deutschland. Weil sie so lieblich ist und es, wie es scheint, pro Einwohner mindestens einen See. Dazu kommen hübsche Orte und überaus gastfreundliche Menschen. Und das alles ist nur etwa zwei Stunden von Berlin entfernt!

Feldberger Seenlandschaft und Schmaler Luzin

Hauptort in der Feldberger Seenlandschaft ist Feldberg, das etwa auf halber Strecke zwischen Neustrelitz und Prenzlau liegt. Und gleich mit mehreren Seen verbunden ist. Das Städtchen zieht sich halb um den Haussee herum, und ein kleines Stück östlich, wunderbar zu Fuß zu erreichen, liegt mit dem Schmalen Luzin ein See, dessen türkisgrüne Farbe für Staunen sorgen kann.

Mit der Seilfähre ans andere Ufer

150 bis 300 Meter breit und sieben Kilometer lang ist der Schmale Luzin, der im Naturschutzgebiet Hullerbusch liegt und von steilen Hängen umgeben ist. Wenn man sich ihm von oben nähert (am Ende des Luzinweges, der von der Fürstenberger Straße aus zu erreichen ist, gibt es einen Parkplatz), leuchtet er so kräftig durch die Bäume, dass man ganz unbedingt sofort baden möchte.

Aber vorher gibt es noch einiges zu erleben. Etwa die Fahrt mit der Seilfähre ans andere Ufer. Die ist gleich aus mehreren Gründen ein Erlebnis: Einmal, weil man den See so gut sehen kann. Außerdem ist Fährmann Tom ein echtes Original und bringt mit seinem trockenen Humor auch Griesgrame zum Grinsen.

Besuch bei Hans Fallada

Auf einem schmalen Pfad geht es nach oben und dort auf einer Straße durch die idyllische Landschaft bis nach Carwitz. Das Fischerdorf begeisterte einst den Schriftsteller Hans Fallada so sehr, dass er es zu seiner Wahlheimat machte. Sein Roman „Kleiner Mann – was nun?“ hatte ihm Ruhm und Wohlstand gebracht, und so kaufte er sich das Häuschen, in dem er 14 Romane verfasste, darunter „Wer einmal aus dem Blechnapf frisst“, „Wolf unter Wölfen“, „Jeder stirbt für sich allein“ und „Geschichten aus der Murkelei“.

Heute ist das Haus ein Museum (Bohnenwerder 2, April bis Oktober, tgl. außer Mo., 10-17 Uhr; November bis März, tgl. außer Mo. 13-16 Uhr, Eintritt 4 Euro, www.fallada.de), in dem es regelmäßig kulturelle Veranstaltungen gibt.

Baden im Schmalen Luzin

Anschließend geht es auf der Carwitzer Straße weiter, vorbei an kleinen Häusern, vorbei auch am alten Friedhof auf der rechten Seite, wo Hans Fallada seine letzte Ruhe fand. Wenig später biegt ein kleiner Weg rechts ab – die erste Badestelle ist erreicht. Aber es gibt noch viele Möglichkeiten, denn der kleine Weg führt direkt am Wasser vorbei. An einigen Stellen kann man auf dem Gewässergrund Muscheln sehen – ein sicheres Zeichen, dass der Schmale Luzin sauber ist. Der Weg führt bis zur Fähre, immer mit Blick auf den See.

Wer ihm weiter folgt, der erreicht irgendwann den Breiten Luzin, der mit seinen 3,3 Kilometern Länge und 1,8 Kilometern Breite deutlich größer ist als sein schmaler Bruder.

Uralte Buchen im Naturschutzgebiet Heilige Hallen

Naturliebhaber zieht es anschließend noch ein Stück weiter westlich. Dort, am Rand des Feldberger Ortsteils Lüttenhagen, liegt das Naturschutzgebiet Heilige Hallen. Der Großteil des Waldes, der von einigen Quellen als Deutschlands ältester Buchenwald bezeichnet wird, ist Totalreservat, aber ein sehr schöner Rundweg (Start ist am Parkplatz kurz hinter Lüttnhagen) führt Besucher ziemlich nahe heran an die Bäume, die bis zu 350 Jahre alt und über 50 Meter hoch sind. Besonders reizvoll ist ein Pfad, der direkt durch den Urwald führt.

Zwar sind die meisten Bäume hier jünger, aber man bekommt einen guten Eindruck von einem alten Wald. Mit allem, was dazu gehört: Moospolster, Totholz, Zunderschwämme und unzählige Vögel und Insekten. Wer sich über den Namen Heilige Hallen wundert: Die mächtigen Stämme der Buchen erinnern ein bisschen an Säulen in gotischen Kirchen, und das dichte Blätterwerk wirkt wie ein hohes Dach.

Traumhafte Natur im Serrahn

Noch mehr ganz besondere Natur kann man bei Zinow sehen, das man von Lüttenhagen über Dolgen, Grünow und Carpin erreicht. Jetzt sind wir streng genommen nicht mehr in der Feldberger Seenlandschaft, aber die Entfernung ist gering und der Weg lohnt sich. Ein Schild weist auf den Serrahn, ein Teilgebiet des Müritz-Nationalparks hin. Von Zinow aus führt ein sehr liebevoll eingerichteter Walderlebnispfad durch das Gebiet, das (wie der Grumsin in Brandenburg) zum Unesco-Weltnaturerbe Alte Buchenwälder gehört.

Seit 1990 Teil des Müritz-Nationalparks

Dass die Landschaft so ungestört wachsen konnte, ist den Großherzögen von Mecklenburg-Strelitz zu verdanken, die dort gerne jagten und das Gebiet nicht forstwirtschaftlich nutzen ließen. Der Serrahn ist Teilgebiet des 1990 gegründeten Nationalparks und bietet Tieren wie der Rohrdommel und dem Kranich Rückzugsmöglichkeiten.

Liebevoll gestalteter Natur-Erlebnispfad

Auf dem schmalen Weg, der sich durch die herrliche Kiefern- und Buchenwaldlandschaft schlängelt, weisen Schilder auf besondere Baum- und Tierarten hin. Es gibt zwei Hängematten, auf denen man den Wald aus einer ganz anderen Perspektive sehen kann, eine Lauschecke in einem Totholzstamm, in der man die Geräusche des Waldes besonders intensiv wahrnehmen kann, und einen Aussichtsturm mit Blick über den zugewachsenen einstigen Großen Serrahnsee.

Spaziergang in die Moorlandschaft

Und ein Stück weiter kann man auf einem Bohlenweg ein Stück in die Moorlandschaft hineinwandern und viele Pflanzen (von der Drachenwurz über den Fieberklee bis zum Sonnentau) und Tiere (zum Beispiel den Großen Kolbenwasserkäfer) sehen. Die Landschaft ist still – es sei denn, man hört einen Raben rufen, oder ein Eichelhäher warnt vor den menschlichen Eindringlingen. Die aber sind so gebannt angesichts der Natur, dass sie das Keckern kaum wahrnehmen. Der Serrahn ist ein Gebiet, das Menschen zum andächtigen Schweigen bringt.

Kultur in Feldberg und Umgebung

Wer von hier zurückfährt in die Feldberger Seenlandschaft, dem kommt das Städtchen Feldberg beinahe trubelig vor. Und tatsächlich ist hier und in den Ortsteilen einiges los – die Region ist auch kulturell sehr reizvoll. In Wittenhagen lockt die Kunsthalle mit 600 Quadratmetern Ausstellungsfläche (Zansenweg 4, OT Wittenhagen, www.kunsthalle-wittenhagen.de), in Feldberg selbst kann man in der Heimatstube, die im einstigen Spritzenhaus sitzt, viel über die Entstehung der Landschaft erfahren (Amtsplatz 36, geöffnet Mai-September, Mo/Mi/Fr, 14-16 Uhr; Sa, 10-12 und 14-16 Uhr, Eintritt frei). Das Forum Figura Lichtenberg ist den Künsten von Dorothea und Uwe Maroske gewidmet, es gibt Ausstellungsbereiche in der Scheune und im Freiraum vor den Ateliers (Am Roßbauer 1, OT Lichtenberg, geöffnet tgl. nach Absprache).

Die Feldberger Seenlandschaft und ihre Künstler

In Carwitz lädt der Scheunen-Laden zu Ausstellungen ein, mehr über das Werk der Schriftstellerin Ruth Werner zu lernen (Carwitzer Str. 33, OT Carwitz, Mai-September, tgl. außer Mo 14-16 Uhr). Außerdem stellen sich im Kunstverein Feldberger Land regelmäßig einheimische und überregionale Künstler vor (Strelitzer Str. 42).

In Thomsdorf schließlich gibt es einen Kunsthandwerkerhof, in dem elf Künstlerinnen töpfern, weben, tischlern, schneidern, schmieden, nähen, Buch binden, malen und mit Glas arbeiten (Adresse: Thomsdorf 36 a, 17268 Boitzenburger Land, www.kunsthandwerkerhof-thomsdorf.de).

  • Infos Feldberger Seenlandschaft: www.feldberger-seenlandschaft.de/
  • Infos Unesco-Weltnaturerbe: www.weltnaturerbe-buchenwaelder.de/de/weltnaturerbe-buchenwaelder/alte-buchenwaelder-deutschlands/mueritz-nationalpark.html
  • Infos Müritz-Nationalpark: www.mueritz-nationalpark.de/cms2/MNP_prod/MNP/de/Urlaub/Besuchereinrichtungen/Naturerlebnispfade/index.jsp

Anreise: B 96 bis Ravensbrück, weiter bis Lychen und von dort bis Feldberg, Anreise auch über die A20 bis Prenzlau

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