Giersch: „Unkraut“ mit erstaunlichen Kräften

Giersch
Giersch

Giersch ist eine der Pflanzen, die die meisten Gartenbesitzer nur sehr ungerne sehen. Das liegt daran, dass man Giersch dort, wo er wächst, nur sehr schwer wieder los wird. Aber wer das Gewächs einfach nur als lästiges Unkraut betrachtet, dem entgeht einiges.

Giersch ist unverwüstlich

Giersch teilt sich seine Unbeliebtheit mit Pflanzen wie Brennessel und Vogelmiere – alle sind gleichermaßen unverwüstlich. Dass sie gleichzeitig auch wertvolle Heilpflanzen und leckere Wildkräuter sind, wird aber gern vergessen.

Ein Geißfuß, der Gicht heilen kann

„Geißfuß“ wird der Giersch im Volksmund auch genannt – die Form der Blätter brachte die Menschen auf diesen Namen. Die Botaniker haben ihn dann in der Gattungsbezeichnung „Aegopodium podagraria“ übernommen: „Aegopodium“ wird abgeleitet vom griechischen Wort aigeos („von Ziegen“), podos bedeutet „Fuß“. Im zweiten Namen steckt auch noch die Heilkraft der Pflanze: „podagraria“ ist ein Hinweis darauf, dass der Giersch schon seit Urzeiten als Mittel gegen Gicht („Podagra“) und Rheuma genutzt wurde.

Vorliebe für Gebüsche

Die etwa 70 Zentimeter hohe Pflanze, die im zeitigen Frühling manchmal ganze Teppiche bildet, liebt feucht-schattige Gebüsche, Wälder und Gärten – vor allem Gebiete mit stickstoffreichem Boden. Seine länglichen zwei- oder dreiteilig gefiederten Blätter haben einen gezackten Rand. Im späten Frühling erscheinen die Blütenstände des Doldenblütlers mit ihren unzähligen winzigen weißen Sternen. Blütezeit ist zwischen Juni und Juli – in dieser Zeit landen unzählige Insekten auf den großen Dolden.

Wuchernder Wurzelstock bringt Gartenbesitzer zur Verzweiflung

Später reifen die Samen heran, die ein bisschen an die des Kümmels erinnern. Aber Giersch hat auch noch andere Möglichkeiten der Verbreitung: Er bildet einen wuchernden Wurzelstock mit vielen Ausläufern. Das macht es Gartenbesitzern schwer, ihn loszuwerden. Selbst Herbizide helfen meist nicht – aber sie sind meiner Meinung nach ohnehin die schlechteste Wahl. Am wirkungsvollsten ist es tatsächlich, die Pflanze immer wieder samt Wurzeln herauszureißen.

Gesundes und leckeres Wildkraut

Oder man arrangiert sich mit ihr. Klostergärten haben sie früher sogar extra angebaut. Giersch enthält viele Vitamine – sein Vitamin-C-Gehalt ist viermal höher als der von Zitronen. Auch Kalium, Magnesium, Zink, Karotin und Eisen stecken in der Pflanze, und überhaupt viele Mineralien und Spurenelemente. Sein Geschmack erinnert ein bisschen an eine Mischung aus Möhre und Petersilie. Die Blüte schmeckt ein bisschen süßlicher, die Früchte haben eine leichte Schärfe. Stiele sollte man entfernen, denn sie sind bitter und zäh.

Salat, Limonade und Pesto

Besonders lecker ist Giersch als Salat oder aber auch als Würze in Suppen, Saucen oder Pesto (drei Handvoll Giersch im Mixer zerkleinern und mit einer gewürfelten und kurz angebratenen Zwiebel in eine Schüssel geben. Drei Esslöffel Sesam anrösten und dazugeben. Mit Salz und Olivenöl abschmecken, vermischen und pürieren). Aber auch als Limonadenzutat (zwei Handvoll Giersch, einen Zweig Pfefferminze und einen Liter Apfelsaft in ein Gefäß geben und sechs Stunden stehen lassen. Dann die Kräuter herausnehmen und einen halben Liter Sprudelwasser und den Saft einer Zitrone dazugeben) ist die Pflanze geeignet.

Tee aus Zipperleinskraut

Auch die Heilkräfte des Gierschs sind eindrucksvoll. Nicht ohne Grund wird er auch als Zipperleinskraut bezeichnet. Seinen Einsatz gegen Gicht habe ich schon erwähnt, man hat ihn aber auch gegen Rheuma und Arthritis, Blasenentzündung, Verdauungsschwäche und Wunden verwendet. Genutzt werden die Blätter – als Tee (zwei Esslöffel Kraut mit einem Viertelliter Wasser übergießen, fünf Minuten ziehen lassen und abseihen, Umschlag, Badezusatz oder Frischsaft.

Verwechslungsgefahr

Wer Giersch sammeln will, sollte bedenken, dass Doldenblütler einander oft sehr ähnlich sehen und es einige sehr giftige Arten gibt (etwa den Gefleckten Schierling, der allerdings sehr intensiv nach Mäuse-Urin riecht). Ein Erkennungsmerkmal gibt es aber: Die Blattstiele des Gierschs sind dreikantig.

Meerschweinchen lieben Giersch

Übrigens: Wer den Giersch aus dem Garten verbannen will und gleichzeitig ein Meerschweinchen oder ein Kaninchen hat, der kann die Blätter an die Tiere verfüttern: Sie lieben den Geschmack!

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One thought on “Giersch: „Unkraut“ mit erstaunlichen Kräften”

  1. Eigentlich habe ich hierher gefunden, weil ich den Natternkopf suchte. Jetzt blättere ich hier herum und kann es nicht lassen, ich muss ein bißchen plaudern.

    Den Giersch kenne ich natürlich auch, besonders die Blüte ist sehr hübsch. Bei mir in Falkensee auf dem Sandboden wächst der Giersch nur sehr mickerig, was nicht unbedingt von Nachteil ist. Aber in Schleswig-Holstein habe ich mal ein Pesto aus Giersch gemacht und leider muss ich gestehen, ich finde ihn NICHT besonders geschmackvoll. Vielleicht ist mein Geschmacksempfinden nicht so sensibel, aber mir schmeckt er eher etwas langweilig.
    Viel interessanter ist ein Frischkäse mit Gundermann. (Das nur am Rande).
    Ich suche hier mal den Gundermann. Herzliche Grüße

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