Das Weiße Waldvögelein ist die Orchidee des Jahres 2017

Weißes Waldvögelein
Weißes Waldvögelein

Das Weiße Waldvögelein ist eine der Orchideen, die sich vollständig unsichtbar machen können. Und das, obwohl sie absolut spektakulär ist. Gerade wurde sie zur Orchidee des Jahres 2017 erklärt. In Deutschland ist sie zumindest in einigen Bundesländern wie in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Bayern noch relativ häufig, aber in Brandenburg sieht man sie nur noch sehr selten.

Das Weiße Waldvögelein liebt Buchenwälder

Die Schönheit, die mit dem Roten Waldvögelein verwandt ist, hat eine Vorliebe für Buchenwälder mit kalkhaltigem Boden, Biotope, in denen auch Waldmeister, Aronstab, Ästige Graslilie und Orchideenarten wie die Vogel-Nestwurz und der Frauenschuh. Überhaupt sind diese Wälder, die auch als Kalk- oder Orchideen-Buchenwald bezeichnet werden, äußerst artenreich. Und das gilt nicht nur für Pflanzen, sondern auch für Tiere. Vogelarten wie der Schwarzstorch, Waldkauz, Waldlaubsänger und die unterschiedlichsten Spechte und Greifvögel finden ebenso Rückzugsflächen wie Fledermäuse und der seltene Siebenschläfer.

Vorliebe für Wälder

Das Weiße Waldvögelein kommt mit Schatten gut zurecht, manchmal wächst sie auch in dichten Gebüschen. Je nach Boden und Licht wird sie zwischen etwa zehn und 60 Zentimeter hoch. Ihre Blätter sind schmal und länglich – solange die Pflanze nicht blüht, ist sie tatsächlich komplett unsichtbar. Die Blüten entwickeln sich zwischen Mai und Juni in den Achseln der oberen Blätter und sind manchmal reinweiß, manchmal cremefarben, die Lippe leuchtet in einem intensiven Gelb.

Eine Blüte wie ein kleiner Vogel

Wenn man sich die Blüten so ansieht, dann ahnt man, woher der Namensteil „Vögelein“ kommt: Ein bisschen erinnern sie tatsächlich an einen kleinen Vogel (okay, ein bisschen Phantasie braucht man schon, aber wer würde es den Botanikern übelnehmen, dass sie ein bisschen Poesie ins Spiel gebracht haben?).

Landeplatz für Insekten

Bestäuber braucht das Weiße Waldvögelein (Cephalanthera damasonium) nicht, obwohl die leuchtende Lippe ein idealer Landeplatz für Insekten ist. Aber die Blüten sind meist halb geschlossen, sie öffnen sich erst bei Sommertemperaturen ab 25 Grad. Weil sich die Staubbeutel aber schon in der geschlossenen Blüte öffnen, gibt es bei dieser Orchidee meistens Selbstbestäubung.

Samen werden mit dem Wind verbreitet

Nach der Büte entwickeln sich die Früchte, die etwa im Oktober reif sind. Es sind längliche Kapseln, die trocken werden und an den Seiten aufspringen, sobald die Samen reif sind – und diese sind so winzig, dass sie mit dem Wind verbreitet werden.

Das Geheimnis der Mykorrhiza

Wie die meisten Orchideen lebt das Weiße Waldvögelein in einer Symbiose mit einem Wurzelpilz (diese Verbindung wird Mykorrhiza genannt – das Wort setzt sich zusammen aus „mukes“ für Pilz und rhiza für Wurzel). Pflanze und Pilz tauschen auf diese Weise Nährstoffe aus und schützen einander vor Schadstoffen). Dieses System ist höchst effektiv, aber nur, wenn das Biotop nicht oder zumindest nicht intensiv bewirtschaftet wird.

Das Weiße Waldvögelein steht unter Naturschutz

Der Einsatz großer Maschinen und das Zwischenpflanzen von Nadelhölzern gefährden Orchideen. Hinzu kommen Menschen, die die Pflanzen ausgraben, um sie in den Garten zu setzen. Dabei stehen die Pflanzen unter strengem Naturschutz – mal ganz abgesehen davon, dass sie zuhause ziemlich sicher eingehen würden. Also bitte unbedingt stehenlassen, man kann sich nämlich auch im Wald sehr über den Anblick eines Weißen Waldvögeleins freuen!

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