Kategorien
Allgemein Wald Wildes Berlin

Breitblättrige Stendelwurz: eine Orchidee in Berlins Wäldern

Wilde Orchideen in der Berliner Natur? Die gibt es, auch wenn man ein bisschen suchen muss. Wie viele Arten hier vorkommen, kann ich nicht sagen – aber eine habe ich schon gesehen: die Breitblättrige Stendelwurz. Sie gehört in Deutschland zu den wenigen noch halbwegs ungefährdeten Orchideenarten. Selten genug ist sie trotzdem. Und geschützt natürlich sowieso. Jetzt wird ihr eine besondere Ehre zuteil.

Breitblättrige Stendelwurz in der Stadt

Der Bochumer Botanische Verein hat die Pflanze zur „Stadtpflanze des Jahres 2025“ gewählt. Einer der Gründe ist, dass man in der Stadt nicht unbedingt damit rechnet, eine wilde Orchidee zu sehen. Früher war das anders: Noch vor 100 Jahren waren Orchideen überall weit verbreitet. Inzwischen sind alle gefährdet und stehen unter strengem Naturschutz. Bei der Breitblättrigen Stendelwurz ist das zum Glück noch nicht zu dramatisch – im Gegenteil: An einigen Orten ist sie heute häufiger als früher und sie breitet sich in Siedlungsräumen sogar aus. Inzwischen ist sie zu einer echten Stadt-Orchidee geworden! Allerdings ist sie in Berlin überwiegend in Wäldern zu sehen, dazu in Parks oder auf Friedhöfen.

Eine Pflanze, die sich unsichtbar machen kann

Man muss der Breitblättrigen Stendelwurz (Epipactis helleborine) schon ziemlich nahe kommen, um zu sehen, wie ungewöhnlich ihre Blüten sind. Die großen, mit feinen Linien durchzogenen Blätter der Orchidee sind erst einmal deutlich auffälliger als die Blüten, die im Juli und August zu sehen sind.

Schönheit für den zweiten Blick

Die auf den ersten Blick eher ein bisschen unscheinbaren Blüten haben mit ihren drei äußeren und drei inneren Blütenblättern, deren mittleres zur Lippe ausgebildet ist, die typische Form der einheimischen Orchideen. An der Lippe gibt es eine Art braunes Schüsselchen, die Blüte selbst ist grünlich bis zart rosa. Befruchtet wird die Orchidee von Bienen und Schwebfliegen.

Vorliebe für Wegränder

Nach der Blüte bilden sich längliche Kapseln, die sich irgendwann öffnen – und dann werden zehntausende winziger Samen mit dem Wind verbreitet. Sie können sehr weit fliegen, aber die größten Chancen, sich festzusetzen und zu keimen, haben sie auf Lichtungen, in lichten Wäldern oder an Wegrändern.

Die Breitblättrige Stendelwurz liebt Schatten

Die meisten Orchideen mögen es sonnig, aber die Breitblättrige Stendelwurz hat eine Vorliebe für Halbschatten. Trotzdem kommt sie auch mit Sonne oder relativer Dunkelheit im Wald zurecht und selbst an den Boden stellt sie wenig Ansprüche – was man von den anderen heimischen Orchideen nicht behaupten kann. Ihre relative Anspruchslosigkeit ist wohl auch der Grund, warum diese Pflanze noch einigermaßen häufig vorkommt. Ausgraben oder pflücken darf man sie aber natürlich nicht, denn sie steht wie alle wilden Orchideen unter strengem Schutz.

Weitere Artikel über Orchideen

Anzeige:

Loading

Teilen:

Eine Antwort auf „Breitblättrige Stendelwurz: eine Orchidee in Berlins Wäldern“

Oh cool, eine Orchidee erwartet man wirklich nicht unbedingt am Straßenrand. Aber es ist schon generell so, dass man viel entdeckt, wenn man aufmerksam durch die Gegend läuft 🙂 Vor allem sieht man, dass es keinen Mangel gibt sondern Fülle 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert